Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Parkregelung in Saarlandstraße: „Nerven liegen blank“

Eine Geschwindigkeitsmesstafel auf Höhe der Hausnummer 17 erfasst den Verkehr in beide Richtungen, zeigt das Tempolimit aber akt
Eine Geschwindigkeitsmesstafel auf Höhe der Hausnummer 17 erfasst den Verkehr in beide Richtungen, zeigt das Tempolimit aber aktuell nur für die bergauf fahrenden Fahrzeuge an. Laut Stadt sollen so Werte vor und nach der Umgestaltung vergleichbar sein. Beim nächsten Akkuwechsel werde das Gerät, wie von Anwohnern gewünscht, in die andere Richtung gedreht, verspricht der Stadtsprecher.

Im Dezember ist das Parken in der Saarlandstraße neu geordnet worden. Das sollte Raser ausbremsen und die Sicherheit erhöhen. Anwohner protestieren gegen die Änderungen.

Rücksichtslos, zu schnell und mit zu wenig Abstand zu Radfahrern, Fußgängern und geparkten Autos: So soll der Verkehr nach Beobachtungen von Anwohnern durch die Saarlandstraße fahren. Wegen des Überfahrens der Gehwege und waghalsigen Überholens der Radfahrer hat auch die Stadt eine Gefahrenlage erkannt und im Dezember nach einer Verkehrsschau mit Polizei, Verkehrsüberwachung, Straßenverkehrs- und Straßenbaubehörde das Parken in der Straße neu geordnet. Es darf seither nur in den gekennzeichneten Flächen geparkt werden, und zwischen den 50 Parkständen zwischen Hausnummer 1 und 80 wurde extra mehr Platz gelassen, damit es Ausweichmöglichkeiten zum sicheren Überholen von Radfahrern gibt.

Anwohner sind mit der Neuregelung unzufrieden, haben sich organisiert und rund 100 Unterschriften an Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) übergeben. „Hier liegen die Nerven blank“, fasst Michael Sona die Stimmung zusammen. Denn die verbliebenen Parkplätze reichten für Anwohner und deren Besuch nicht aus, es brauche mindestens zehn mehr. Viele Bewohner hätten entweder gar keine Abstellmöglichkeit auf eigenem Grund oder die vorhandenen, alten Garagen seien zu eng, um moderne, breitere Autos darin abzustellen. Daneben würden die versetzten Parkflächen am Berg den Verkehr nicht wie gewünscht beruhigen, obwohl bereits Tempo 30 gilt. „Wir brauchen mehr Markierungen und mehr Kontrollen.“ Das sieht auch Lukas Wernick so: „Die größeren Lücken animieren noch, Gas zu geben.“ Oben am Berg sind zwar Verschwenkungen aufgestellt worden, „da fahren die Leute aber immer noch über den Gehweg, sodass die Straße jetzt schon zu Schrott gefahren wurde.“

Anwohner machen Gegenvorschläge

„Ich bin in der Saarlandstraße geboren“, sagt Ute Neumann. Noch nie sei die Verkehrssituation so extrem gewesen wie jetzt. „Es finden nicht oft genug Tempokontrollen statt“, meint Neumann. Der Wunsch der Anwohner: Solange die Amalienstraße noch Baustelle und die Saarlandstraße inoffizielle Umleitung ist, wollen sie das Parken in gekennzeichneten Flächen zeitlich begrenzen, sodass abends und an Wochenenden, „wo es eh keine Probleme gibt“, wieder wie früher überall geparkt werden darf. Nach Fertigstellung der Amalienstraße fordern sie die generelle Aufhebung der neuen Regelungen. Diese Positionen wollen Vertreter der Anwohnerschaft in der nächsten Stadtratssitzung persönlich unterstreichen, und auch den Innenstadtbeirat haben sie eingeschaltet.

Andreas May, Pressesprecher der Stadt, erklärt auf Anfrage, dass Konflikte auf der schmalen, steilen Straße vor allem durch langsam fahrende Radfahrer und bergauf fahrende Autos entstünden. „Da die Fahrbahn nicht verbreitert werden kann, sind Ausweichstellen ein praktikabler Weg, um solche Situationen sicherer zu machen.“ Die Stadt bewerte die Neuregelung insgesamt als Erfolg.

Weniger Temposünder

Laut Verkehrsplanern seien die gemessenen Geschwindigkeiten seit der Umgestaltung zurückgegangen, wie zwei Messungen belegten. Dabei wurden den Angaben zufolge 512 Fahrzeuge erfasst, 18 waren schneller unterwegs als erlaubt (3,52 Prozent). Vor der Neuregelung waren noch 11,43 Prozent zu schnell erwischt worden. Die Stadt bewertet das als „übliches Niveau im Stadtgebiet“: „Den meisten Verkehrsteilnehmenden ist bewusst, dass in dieser engen Straße Tempo 30 gilt. Der überwiegende Teil hält sich daran.“ Den Nutzen von zusätzlichen Markierungen schätzt die Stadt „eher gering“ ein, und solche Arbeiten könnten witterungsbedingt auch nicht im Winter erfolgen.

Der Stadtsprecher verweist auf unterschiedliche Interessen in der Saarlandstraße: Radverbände wünschten sich häufig noch mehr Raum für den Radverkehr, auch wenn dafür Parkplätze wegfallen. „Anwohnerinnen und Anwohner sehen das verständlicherweise anders. Die jetzige Lösung ist aus Sicht der Stadt ein ausgewogener Kompromiss, der beiden Seiten Rechnung trägt.“ Anwohner zeigen sich auf Nachfrage der RHEINPFALZ offen für die Einrichtung einer Fahrradstraße vor ihrer Haustür.

Stadt will Ortstermin abwarten

Der Vorschlag, Parkverbote zeitlich zu begrenzen, sei noch nicht mit allen beteiligten Dienststellen besprochen worden. „Wir halten es für sinnvoll, Rückmeldungen zunächst im gemeinsamen Gespräch zu geben“, schreibt May mit Verweis auf einen geplanten Ortstermin mit städtischen Vertretern und Anwohnern. Gleiches gelte für den Wunsch, die Regelungen nach der Freigabe der Amalienstraße wieder zurückzunehmen.

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