Elmstein
Neue Brücke Am Ehrenfelsen: Warum die Zufahrt für Ärger sorgt
Von Elmstein kommend biegt man von der Landesstraße 499 links ab, um auf die Brücke Am Ehrenfelsen zu fahren. Wer mit einem größeren Fahrzeug die Brücke passieren wolle, müsse rangieren, weil die Kurve der Zufahrt nun enger sei als zuvor, berichten Elmsteiner Bürger. Schwierig sei die Zufahrt für Lastwagen, Müllfahrzeuge, Feuerwehrautos und Rettungswagen. Deren Fahrer müssten teils mehrmals rangieren, um über die Brücke zu kommen. Angesichts des Verkehrs auf der L499 sei das gefährlich.
Bei der Verbandsgemeindeverwaltung Lambrecht ist das Problem bekannt, wie Andreas Rapp, designierter Leiter des Fachbereichs Bauen, auf Anfrage mitteilt. Die Verwaltung sei darüber informiert worden, dass Fahrer von Fahrzeugen der Müllabfuhr und eines Lastwagens, der Heizöl anlieferte, rangieren mussten.
Ingenieurbüro verweist auf „Lenkbewegungen“
Das Ingenieurbüro Schönhofen, das die Brücke geplant hat, weist den Vorwurf der Bürger indes zurück. Bei der Planung seien mehrere Schleppkurven geprüft worden, teilt ein Mitarbeiter des Ingenieurbüros mit. Als Schleppkurve wird die Fläche bezeichnet, die ein Fahrzeug beim Befahren einer Kurve benötigt. Nach Angaben des Ingenieurbüros wurde auch die Schleppkurve eines Fahrzeugs mit drei Achsen, wie sie Müllfahrzeuge oder große Lastwagen in der Regel haben, berechnet und bei der Planung berücksichtigt. Dabei habe sich ergeben, „dass im Vergleich zum Bestandsbauwerk deutlich komfortablere Einfahrwinkel möglich sind“.
Das sei bei der Planung berücksichtigt worden. Durch eine Vermessung sei bestätigt, dass beim Bau die Planung „geometrisch korrekt umgesetzt wurde“. Die neue Brücke sei „günstiger“ zu befahren und damit „insgesamt deutlich nutzerfreundlicher“. „Lenkbewegungen“ nennt das Ingenieurbüro als Grund dafür, warum Fahrer von Müllfahrzeugen und anderen Lastwagen trotzdem rangieren müssen. Unter diesen Voraussetzungen sei „ein Rangieren für Lkw zumutbar“, erklärt Rapp von der Verbandsgemeindeverwaltung dazu.
Land zahlt Zuschuss aus Investitionsstock
Die 2025 gebaute Brücke wurde im Januar bereits aufgerissen. Bei einer Befahrung des Kanals durch die Verbandsgemeindewerke Lambrecht habe sich herausgestellt, dass eine Entwässerungsleitung, die durch die Baugrube verlaufe, von der Baufirma „nicht mit dem erforderlichen Gefälle verlegt wurde“, so Rapp auf Anfrage. Das Unternehmen habe im Januar die Entwässerungsleitung richtig verlegt. Anschließend sei das Füllmaterial oberhalb der Leitung und unter dem Asphalt verdichtet worden. Sobald es das Wetter zulasse, solle die gesamte Asphaltdecke der Brücke abgefräst und eine neue aufgebracht werden, sagt Rapp. Dadurch werde die Asphaltdecke wieder einheitlich. Geflickte Asphaltdecken gehen in der Regel schneller kaputt, da Wasser eindringen kann. Die Kosten für diese Arbeiten muss nach Angaben Rapps die Baufirma zahlen.
Für die Erneuerung der Brücke waren 2024 Kosten von 443.000 Euro berechnet worden. Was sie am Ende wirklich kosten wird, könne man noch nicht sagen, da noch keine Schlussrechnung vorliege, teilt Andreas Weigand, Mitarbeiter der Bauabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung, auf Anfrage mit. Aus dem Investitionsstock des Landes bekomme die Gemeinde Elmstein einen Zuschuss von 265.000 Euro. Zusätzlich zu den Kosten für die Brücke muss die Gemeinde knapp 9400 Euro für eine Behelfsbrücke für Fußgänger zahlen, die während der Bauarbeiten errichtet worden war.
Die Geschichte der Erneuerung der kleinen Brücke Am Ehrenfelsen geht bis in das Jahr 2018 zurück. Damals war bei einer Prüfung durch das Ingenieurbüro Schönhofen festgestellt worden, dass sie Brücke „erhebliche Schäden“ aufwies. Die Mitglieder des damaligen Gemeinderats hatten daraufhin beschlossen, dass die Brücke nur noch von Fahrzeugen mit einem Gesamtgewicht von bis zu neun Tonnen genutzt werden darf. Außerdem wurde entschieden, dass die Brücke 2021 saniert werden soll. Nachdem sich Anwohner über die Einschränkungen beklagten, sollte der Termin der Sanierung auf 2020 vorverlegt werden.
Mehrfache Verzögerungen und Kostensteigerungen
Nach der Kommunalwahl 2019 teilte der neu gewählte Bürgermeister Rene Verdaasdonk (SPD) mit: „Ich habe mich über den Beschluss des Gemeinderats hinweggesetzt.“ Laut Verdaasdonk hätten von ihm veranlasste Untersuchungen ergeben, dass es ausreichend sei, die zwölf Meter breite Brücke nur auf einer Breite von 2,50 Meter zu sperren. Auch müsse die Brücke nur in dieser Breite erneuert werden. Daraufhin hob der Gemeinderat im Dezember 2019 den Beschluss, die Brücke zu sanieren, wieder auf.
Nachdem sich herausgestellt hatte, dass eine Teilsanierung problematisch wäre und die Gemeinde dafür keinen Zuschuss bekommen würde, wurde im Juli 2020 eine Erneuerung der Brücke Am Ehrenfelsen beschlossen. Damals wurde von Kosten von 170.000 Euro ausgegangen. In der Folgezeit gab es aus unterschiedlichen Gründen mehrere Verzögerungen und die Kosten stiegen mehrfach. Im März des vergangenen Jahres wurde mit den Bauarbeiten begonnen.