Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Nach Verkehrschaos: So meistert Teststation den Betrieb

Lisa Riffelmacher nimmt einen Abstrich bei Sergej Ginkel. Beim Test-Drive-in werden die Fahrzeuge auf zwei Spuren durch die Test
Lisa Riffelmacher nimmt einen Abstrich bei Sergej Ginkel. Beim Test-Drive-in werden die Fahrzeuge auf zwei Spuren durch die Teststation geleitet.

Die Testzentren in Neustadt sind durch die seit Mittwoch geltende 3G-Regel am Arbeitsplatz überrannt worden. Bei der Station am Cineplex-Kino brach das Verkehrschaos aus. Wie es dazu kam, und wie der Betreiber gegensteuert.

Wenn Frank Riffelmacher über den Dienstagnachmittag und -abend spricht, fallen Wörter wie Katastrophe und Horror. Der 43-Jährige leitet die Drive-in- und Walk-in-Teststation am Cineplex-Kino im Quartier Hornbach. Menschen können sich dort also im Auto sitzend oder als Fußgänger auf das Coronavirus testen lassen. Weil seit Mittwoch landesweit die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) am Arbeitsplatz und im öffentlichen Personennahverkehr gilt, zieht es die Ungeimpften und Nichtgenesenen seither verstärkt in die Testzentren – schließlich müssen sie einen tagesaktuellen negativen Test vorlegen können.

„Wir haben natürlich mit mehr Personen gerechnet, aber nicht mit einem derartigen Ansturm“, sagt Riffelmacher. Innerhalb von einer Stunde sei am Nachmittag der komplette Parkplatz mit Autos voll gewesen, eine Blechkarawane zog sich auf rund 500 Metern bis auf die Bundesstraße. Riffelmacher musste reagieren, um das Verkehrschaos einzudämmen: Zeitweise war er sogar damit beschäftigt, den Verkehr auf der Straße zu regeln, richtete eine Umleitung über den Decathlon-Parkplatz ein. „Für die Möglichkeit sind wir Decathlon sehr dankbar, das ist nicht selbstverständlich“, so der 43-Jährige.

Mehr Personal

Zudem organisierte er zusätzliches Personal, sodass bis zum späten Abend acht Leute im Einsatz waren. „Wir haben unser Bestes gegeben, aber Wartezeiten von zwei Stunden und mehr waren an dem Tag leider normal.“ Die Testwilligen hätten aber äußerst gelassen reagiert, „was uns angesichts der langen Wartezeiten gewundert hat“. Weggeschickt werden musste niemand. „Wir haben dann eben statt bis 21 Uhr länger getestet.“ Rund 600 Tests waren es am Ende.

Riffelmacher kritisiert, wie wenig Gedanken die Politik sich darüber gemacht habe, wie die noch existierenden Teststellen dem Ansturm durch die 3G-Regelung gerecht werden können. Auf sein Team hingegen konnte er sich verlassen – am Mittwoch waren es bereits zwölf Köpfe. „Wir fahren jetzt durchgehend mit einer hohen Personaldecke, denn es wird auch weiterhin zur Schlangenbildung kommen“, mutmaßt Riffelmacher.

Auch die städtische Ordnungsbehörde unterstützte: „Das Ordnungsamt war am Mittwoch da, um zu helfen und zu entscheiden, wie wir den Verkehr entzerren können“, berichtet Riffelmacher. Die Lösung: Der Kreisel vor dem Cineplex wird zu Stoßzeiten halbseitig gesperrt, der Verkehr über den Decathlon-Parkplatz gelenkt beziehungsweise auf den Hauptparkplatz des Kinos. Die Situation habe sich dann langsam wieder entspannt. „Die Beschilderung hat zeitweise für Verwirrung gesorgt, da die Zufahrt ja noch anders ausgeschildert ist, aber ansonsten funktioniert das gut, und es entlastet die Louis-Escande-Straße“, sagt der 43-Jährige.

Tipps für Testwillige

Im Vergleich zum Dienstag habe sich die Durchlaufzeit bereits verringert: Am Donnerstagvormittag hätten sich die Wartezeiten auf 20 bis 30 Minuten reduziert. Abgesehen von denjenigen, die sich schon um kurz nach 10 Uhr angestellt hatten: Sie mussten auf die Öffnung der Station um 11 Uhr warten. Am entspanntesten sei die Lage aktuell zur Mittags- oder frühen Nachmittagszeit. „Jedoch haben wir erst zwei Tage Erfahrungen sammeln können“, schränkt Riffelmacher ein. Einige Menschen hätten reagiert und seien außerhalb der Stoßzeiten gekommen.

Zur Entspannung könnten auch diejenigen beitragen, die mit dem Auto anreisen und dann zu Fuß die Teststation aufsuchen: Um das Verkehrsaufkommen weiter zu reduzieren, bittet Riffelmacher darum, dass sie nicht die Einfahrt des Drive-in benutzen, sondern im Umfeld parken, zum Beispiel auf dem Hauptparkplatz des Kinos.

Die Teststation gibt es seit Mai , sie läuft über die Riffelmacher GmbH & Co. KG, das Handelsunternehmen von Frank Riffelmacher. „Wir vertreiben viele medizinische Produkte wie Tests und Schutzkleidung, da war es naheliegend, eine Station zu etablieren“, erklärt der Zentrumsleiter. Zudem sei er viele Jahre im Katastrophenschutz tätig gewesen, als Leiter des Gefahrstoffzugs des Rhein-Pfalz-Kreises. Mit Seuchen hatte er auch da schon zu tun, etwa mit der Vogelgrippe.

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