Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Museum für Weinkultur: Ein Kleinod mit 40-jähriger Geschichte

Der Jahresablauf der Winzer im Weinberg ist im ersten Obergeschoss des Museums für Weinkultur mit Figuren dargestellt.
Der Jahresablauf der Winzer im Weinberg ist im ersten Obergeschoss des Museums für Weinkultur mit Figuren dargestellt.

Viele Aspekte aus der Geschichte des Weinbaus sind im Museum für Weinkultur in Deidesheim dokumentiert. Nun blickt das Museum selbst auf seine 40-jährige Geschichte zurück.

Es ist ein Kleinod, das Aufmerksamkeit verdient hat: das Museum für Weinkultur. Seit 40 Jahren besteht es nun, im historischen Rathaus der Stadt Deidesheim, und daran soll sich nichts ändern. Das wurde auch bei der Feier des Jubiläums am Sonntag deutlich, zu der der Trägerverein unter dem Vorsitz der früheren Deutschen Weinprinzessin Susanne Winterling-Eichberger eingeladen hatte.

Das Museum für Weinkultur ist der Stolz der Stadt Deidesheim. Dies unterstrich auch Bürgermeister Dieter Dörr (CDU), der auf die beeindruckende Zeitreise von der Römer- und Keltenzeit bis ins 21. Jahrhundert verwies. Ein Haus, das „den Einfluss des Weins auf zentrale gesellschaftliche Bereiche wie Religion, Kunst, Wirtschaft, Politik und Medizin“ aufzeigt, machte Dörr deutlich.

Nicht nur Weinbau in der Pfalz Thema

Auf drei Etagen ist so manches zu finden, das viele noch nie gesehen haben. Die Zeitreise beginnt im Erdgeschoss mit Funden, darunter Gefäße, in und aus denen Wein transportiert und getrunken wurde, Krüge, Amphoren, Tonflaschen, Kannen, Becher, Vasen und Gläser von damals bis heute. Aber auch das Herzstück des Weinbaus ist dort als Leihgabe zu finden: Das bedeutende Werk „Geschichte des Weinbaus“, das 1907 von Friedrich von Bassermann-Jordan verfasst wurde.

Es ist nicht die einzige Schrift, die den Besucher begeistern wird. Auch ein Nachdruck der Dissertation des früheren Bundespräsidenten Theodor Heuss, der mit dem Thema „Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn am Neckar“ promoviert hat, ist dort zu finden. Damit wird auch deutlich, dass es nicht nur um den Weinbau in Deidesheim und der Region geht, sondern um die Weinkultur generell, wie Gästeführerin Sabine Heinrich und ihr Kollege Herbert Gießen bei einem Rundgang deutlich machten.

Seit 1978 Deidesheimer Turmschreiber

Beeindruckend ist auch im ersten Obergeschoss der Figurenraum, wo der Jahresablauf von Winzern und Küfern dargestellt ist. In einem weiteren Raum wird den Besuchern ein Einblick gewährt, wie eine Winzerfamilie um 1900 gelebt hat. Da ist der aus Holz geschnitzte und wohl berühmteste Weinheilige, der Schutzpatron der Winzer, der heilige St. Urban nicht zu übersehen. Im zweiten Obergeschoss des historischen Gebäudes sind weitere Kostbarkeiten zu entdecken. Eine Münzsammlung zeigt weinbezogene Motive auf Münzen und Medaillen. Auch eine Briefmarkensammlung zum Thema Weinkultur fehlt nicht.

Ein weiterer Schwerpunkt der zahlreichen Themensammlungen ist der Dialog zwischen Wein und Literatur. Seit 1978 gibt es den Deidesheimer Turmschreiber, der sich vom Wein inspirieren lassen soll. Die jeweiligen Werke von Rudolf Hagelstange bis zur früheren Deutschen Weinkönigin Katja Schweder sind im Museum zu finden.

Raritäten aus dem Paradiesweinberg

Legendär ist bis heute der vom einstigen Stadtbürgermeister Stefan Gillich aus der Taufe gehobene Prominenten-Wingert in der Lage Paradiesgarten. Alljährlich läuft die Lese dort mit zahlreichen Ehrengästen, ehe ein weiterer Rebstock-Pächter benannt wird. Zuletzt wurden der bekannte Gitarrenbauer Jens Ritter und die inzwischen in Forst lebende Spitzenturnerin Elisabeth Seitz zu Pächtern ernannt. Neben dem verstorbenen Altkanzler Helmut Kohl sind auch die ehemalige britische Premierministerin Margret Thatcher und der einstige russische Präsident Boris Jelzin im Besitz eines Rebstockes. Die Aktion hatte einen zusätzlichen Grund: Der Erlös des alljährlich erzeugten und verkauften Prominentenweins dient der Unterhaltung und dem Ausbau des Museums für Weinkultur.

Bei der Jubiläumsfeier konnten sich die Besucher von den Raritäten aus dem Paradiesweinberg von 2015 bis heute überzeugen. Einen Ehrenplatz hat dort eine von Jens Ritter erbaute Gitarre aus dem Stamm des Kerwebaumes erhalten. Der Baum, das Herz der Kerwe und der Kerwebuwe, steht für die 1972 gegründete Weinkerwe.

Das Museum für Weinkultur will der Trägerverein auch weiterhin bewahren. Es ist eine Attraktion für jeden, der sich mit dem Thema Wein auseinandersetzt.

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