Neustadt
Mit Fingerspitzengefühl und dem richtigen Werkzeug: Baumschnitt auf dem LGS-Gelände
Die vereinsinterne Aktion hatte der Freundeskreis der LGS initiiert – auch unter dem Aspekt des Teambuildings. Dazu war aus Schallodenbach im Kreis Kaiserslautern Ewald Marschall angereist. Zusammen mit einem weiteren zertifizierten Obstbaumwart des Landes Rheinland-Pfalz übernahm er die Leitung des Schnittkurses, an dem 23 Mitglieder des Freundeskreises teilnahmen.
„Zuallererst machen wir eine Baumansprache“, erklärte Marschall zu Beginn. Dabei wird der Obstbaum von allen Seiten begutachtet und sein Zustand beurteilt. Einige Wurzelschösslinge und etliche abgestorbene Äste, sogenanntes Totholz, wies das erste Exemplar auf, das der Experte in Augenschein nahm – einen großen Birnbaum. „25 bis maximal 30 Prozent an lebendem Holz dürfen bei einem Pflege- und Sanierungsschnitt an einem Altbaum entnommen werden“, erläuterte der Westpfälzer. „Ansonsten ist mit einer verstärkten Bildung von unerwünschten Wasserschossen am Baum zu rechnen.“ Deshalb rechnete er beim Schneiden auch die sehr vitalen Wurzelaustriebe ein, die zum Teil unterarmdick und mehrere Meter in die Höhe geschossen waren.
Tipps zu einzelnen Obstsorten
Während des Schnitts ging Marschall, der sich seit 50 Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigt, auch auf die richtige Ausrüstung ein. Holzleitern aus Esche und Tanne haben gegenüber Aluleitern die Vorteile, dass man im Winter nicht mit den Fingern daran kleben bleibt und sie beim Berühren mit dem Körper als „warm“ empfunden werden, wie er erklärte. Einen prüfenden Blick warf Marschall auf die von den Teilnehmenden mitgebrachten Schnittwerkzeuge. So manche Schere sortierte er dabei als ungeeignet aus: „Verursacht Quetschwunden an den Zweigen!“
Zudem gab es Tipps zu einzelnen Obstsorten wie dem bereits 1539 für die Pfalz literarisch erwähnten „Heimeldinger“, der früher überall entlang der Haardt zu finden war. Auch Hinweise darauf, in welchen Baumschulen mit großem Obstsortiment diese Sorte mit roten Äpfelchen erhältlich ist, gehörten dazu.
Freude über den sichtbaren Erfolg
Als nächstes fassten die Kursteilnehmer eine Anlage mit 15 kleinen, knorrigen Apfelbäumen ins Auge. „Von Anfang an nicht sachgerecht geschnitten“, befand Marschall. In manchen stand Wasser im Bauminneren, was unweigerlich zum Absterben des Gehölzes führen wird. Nachdem der Obstbaumwart am ersten Bäumchen die entsprechenden Schnitte erläutert und vorgenommen hatte, wagten sich die Kursteilnehmer selbst an die nächsten. Ein Ziel, das der Westpfälzer bei seinen Kursen immer anstrebt. „Ich möchte den Leuten die Scheu vor dem Schneiden nehmen.“ Marschall ist vom kurpfälzischen Heddesheim bis zum südwestpfälzischen Heltersberg aktiv.
Sein Ansatz fiel bei der dreistündigen Aktion auf fruchtbaren Boden: „Ich traue mich jetzt endlich an den Schnitt meiner eigenen Obstbäume“, resümierte Michael Diefenbach erfreut. „Man sieht den Erfolg“, bilanzierte Dieter Beck beim Anblick der geschnittenen Bäume.
Weiterer Schnittkurs im Frühjahr 2027
Der Kurs endete mit einem kleinen Umtrunk. Marschall, zweiter Vorstand der Fördergemeinschaft Streuobst Pfalz, kredenzte hierzu mit der „Prickelbeer“ einen Birnenschaumwein westpfälzischer Provenienz. Er wird aus gut 30 Mostbirnensorten hergestellt und mundete den Kursteilnehmern sichtlich.
Die Arbeit mit und an den Obstbäumen der LGS wird weitergehen: Anhand der reifen Früchte sollen im Sommer und im Herbst die Sorten bestimmt und dokumentiert werden. Im nächsten Frühjahr ist ein Schnittkurs an drei mächtigen Altbäumen und an den großen 20 Obstbäumen, die im Herbst 2026 gepflanzt werden sollen, im östlichen Teil des LGS-Geländes vorgesehen.