Neustadt Mit 14 Jahren in die Fremde

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Wie hat es vier junge Männer aus dem tiefsten bayrischen Wald vor 50 Jahren nach Haßloch verschlagen? Wolfgang Härthe, Peter Winklmüller, Helmut und Gerhard Breitel sind 1957 in ihrer Heimat von der BASF als Lehrlinge angeworben worden. Alle vier sind als junge Burschen damals in die Pfalz gekommen – und bis heute geblieben.

Wie man auf dem Photo sehen kann, gibt es immer noch eine Affinität zum Segelflugsportverein Haßloch, ist doch der 67-jährige Wolfgang Härthe Fluglehrer und Peter Winklmüller (69) Vorsitzender. Der 73-jährige Helmut Breitel hat als ehemaliger Betriebsschlosser der BASF beim Hallenbau kräftig mitgewirkt. Sein Bruder Gerhard Breitel hingegen arbeitet im Vorstand des Schützenvereins mit. Alle vier wohnen seit dem Abschluss ihrer Lehre in Haßloch und sind mit Pfälzer Mädels verheiratet, wobei Winklmüllers Frau ursprünglich aus Niederbayern stammt. Wie alles anfing? 1957 suchte die BASF bundesweit Lehrlinge, wie man damals noch sagte, und es wurde in den Schulen Werbung für eine Ausbildung in Ludwigshafen gemacht – auch in Furth im Wald, wo Winklmüller geboren ist, in Cham, Härthes Heimat, und in Lam, wo die Brüder Breitel herkamen. Nach vielen Tests war es soweit: Im September 1957 fuhr erstmals ein Bus mit 14-jährigen Jugendlichen los in eine ungewisse Zukunft. Als einer der wenigen Älteren war der damals 17-jährige Wolfgang Härthe mit von der Partie. Nach teilweise anderen Stationen waren die Bayern, die bei der BASF ihre Ausbildung zum Betriebsschlosser, zum Starkstromelektriker beziehungsweise zum Elektriker durchliefen, im Jugenddorf Limburgerhof untergebracht. In der Einrichtung wohnten zeitweise 600 junge Leute. Wolfgang Härthe verbrachte den größten Teil seiner Lehrzeit als Starkstromelektriker im Jugenddorf Neustadt, das zu 90 Prozent aus bayrischen Kollegen bestand. So war das Heimweh nicht ganz so groß – und doch freute man sich ungemein auf die drei Fahrten nach Hause: an Weihnachten, Ostern und in den Sommerferien. Die Vier kommen ins Erzählen, kramen in ihren Erinnerungen, holen Dokumente aus der Lehrlingszeit aus der Tasche wie den Rundbrief an die Eltern: „Gründliches Waschen und ordentliches Kämmen sind unerlässlich. Sorgen Sie dafür, dass die Haare so geschnitten sind, dass sie ihm nicht bei jeder Gelegenheit ins Gesicht hängen, den Lehrling bei der Arbeit stören und Unfälle verursachen.“ Das Geld war knapp. So gab es im dritten Ausbildungsjahr nur 60 Mark. Aber allein der Zirkel kostete 12,50 Mark, das Berichtsheft 3,15 Mark und die Schieblehre 30 Mark. Gut, dass ab und an aus der Heimat Fresspakete mit Weißwürsten und anderen bayrischen Köstlichkeiten kamen. Eine „Superkondition“ hatten die Jungs, erzählt Wolfgang Härthe, mussten sie doch weit an den Bahnhof laufen – kaum einer besaß ein Fahrrad – und dreimal pro Woche war Fußballspielen angesagt. Legendäre Turniere: Bayern gegen Franzosen, Neustadt gegen Limburgerhof! Geraucht hat damals keiner, man hätte auch gar kein Geld dafür gehabt. Schon ein Jahr nach der Prüfung wurde Härthe als Ausbilder gewonnen. Helmut Breitel fand eine Stellung nach seiner Ausbildung zum Schlosser in der Materialprüfung. Auch sein Bruder Gerhard wollte nicht zurück in den Bayrischen Wald: Dort hätte es eh keine Arbeit gegeben, und er hätte nach Nürnberg oder München pendeln müssen. Nach der Tätigkeit als Ausbilder im Maschinenschlosserhandwerk war er lange Jahre im Personalwesen tätig. Alle vier haben sich weiterqualifiziert, nebenher noch die Schulbank gedrückt. Winklmüller und Härthe absolvierten die Technikerschule, Helmut Breitel baute seinen Meister im Handwerk, Gerhard wurde Industriemeister und Betriebswirt. Ins Schwärmen kommen die Wahl-Haßlocher, wenn sie an die legendären Bayerntreffen denken. Einmal landete sogar ein Kollege mit dem Fallschirm im Limburgerhof – mit bayrischer Fahne im Gepäck und dem Defiliermarsch auf den Lippen. Das waren immer große Ereignisse, ob Weißwurst-Picknick oder Waldlermesse mit Hornbläsern und Zithern. Auch die Verbindung mit dem ehemaligen Lehrherrn wurde gepflegt. Mindestens dreimal im Jahr fährt Helmut Breitel die 400 Kilometer in die alte Heimat. Dort trifft er immer wieder ehemalige Jugenddörfler, da die Mehrzahl wieder nach Bayern zurückgekehrt ist. Und Peter Winklmüller kann es nicht lassen, „sein“ Furth im Wald zu besuchen, wo seine 87-jährige Mutter lebt.

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