Neustadt
Meisterin der Verwandlung: Die Neustadterin Franziska Schauer ist Chefmaskenbildnerin des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe
„Es ist eine eigene Welt, die man mit sich trägt, in die man mit eingezogen wird“, erinnert sich die Maskenbildnerin an ihr Studium an der Kunsthochschule in Dresden. Dort zu leben, in der Altstadt zu studieren, mit neun Freundinnen, das sei ein Traum gewesen. Die neun Freundinnen, das waren ihre Kommilitoninnen. Denn insgesamt gebe es in Dresden jedes Jahr nur zehn Studienplätze, abhängig von den vorhandenen Werkstattplätzen.
Mit dem Diplom in der Tasche gleich nach Bayreuth
Die Neustadterin, die seit eineinhalb Jahren Chefmaskenbildnerin am Badischen Staatstheater in Karlsruhe ist, war schon immer kunstbegeistert. Am Leibniz-Gymnasium habe sie vor dem Abitur mit einem Kunst-Leistungskurs und der Teilnahme an der Theater-AG bereits Kunst und Schauspiel vereint, erzählt Schauer, die vor kurzem geheiratet hat und bis dahin noch den Namen Rupp trug. Nach einigen Recherchen sei sie auf die Hochschule in Dresden gestoßen, an der man Maskenbild studieren kann. Das Aufnahmeverfahren habe es dabei in sich gehabt, erinnert sie sich: „Pflicht sind ein neunmonatiges Vorpraktikum, das ich am Staatstheater in Saarbrücken absolvierte, eine künstlerische Mappe mit eigenen Arbeiten und zum Schluss eine Eignungsprüfung.“ Jährlich bewerben sich hunderte Studieninteressierte auf einen Platz, 20 werden eingeladen, 10 genommen.
Auf ihrem Studienplan standen dann für vier Jahre unter anderem Bildnerische Gestaltungslehre, Anatomische Grundlagen und Modellieren, aber auch kunstgeschichtliche Vorlesungen. Die Resultate sind besonders in Make-up-Techniken, historischen Frisuren und Konzeptionen für Film, Fernsehen und Bühne zu sehen. Die beruflichen Perspektiven sind nicht schlecht: „Gleich am Tag nach Erreichen des Diploms bin ich zum ersten Engagement zu den Bayreuther Festspielen gedüst“, erzählt sie. Auch ans Schauspiel Stuttgart hat es sie verschlagen. Vor allem die Verwandlung eines Darstellers in eine Frau mit einer glaubhaft historischen Perücke sei hier sehr spannend für sie gewesen. Bei dem Mann handelte es sich um niemand anderen als Peter Kurth, bekannt aus TV-Serien wie „Babylon Berlin“ und „Polizeiruf 110“.
Im Umgang mit den Mimen wird man zur Psychologin
Ein anderer Zugang zum Beruf laufe über eine duale Ausbildung, erklärt Schauer. Am Staatstheater Karlsruhe absolvierten die Auszubildenden sowohl einen Teil der Zeit am Theater und einen Teil an der Louis-Lepoix-Schule in Baden-Baden. Neben diversen Schminktechniken und dem Herstellen von Masken gehört auch das Fertigen und Kleben von Perücken und Toupets zu den Inhalten. „Perücken sind optisch die schnellste Verwandlung“, erklärt die Maskenbildnerin. Da es gerade hier viele Kenntnisse benötige, sei eine vorige Friseurausbildung von Vorteil. Aber nicht nur das Anfertigen von Perücken muss gelernt sein, sondern auch Erfahrung sei unverzichtbar: „Wichtig ist vor allem, dass man mit Menschen umgehen kann.“ Auch die langen und unregelmäßigen Arbeiten und das viele Stehen seien ein Charakteristikum des Berufs. Und dann gebe es auch immer wieder Dramen hinter der Bühne. Im Umgang mit den Schauspielerin gerate man schnell in die Rolle einer Psychologin.
„Es ist wichtig, die Darstellenden aufzubauen und sie aufzufangen, damit sie wieder auf die Bühne gehen können“, erklärt Schauer. Oft seien es banale Dinge, die den Ausschlag geben könnten. Namen möchte Franziska Schauer nicht nennen, sie erinnere sich jedoch an einen Vorfall, bei dem bei einer Schauspielerin auf einmal etwas mit dem Schuh nicht gestimmt habe. Irgendwann habe diese sich auf den Boden geworfen, mit den Fäusten getrommelt und ein Drama veranstaltet, natürlich auch mit einer gewissen Theatralik.
„Vieles läuft in der Maskenzeit gleichzeitig ab“
Auch mit Hektik müsse man umgehen können. „Vieles läuft in der Maskenzeit gleichzeitig ab.“ So haben die Maskenbildner ihre Aufgaben, die Herren- oder Damenschneider, die Waffenmeister oder Schuhmacher. „Wie man sich gut vorstellen kann, hat man es in dem Beruf nicht mit einem Arbeitsalltag von 8 bis 16 Uhr zu tun“, berichtet Schauer weiter. Es gebe Werkstattzeiten, die meist am Vormittag stattfinden, dann Produktionszeiten und den Vorstellungsdienst. Viel Zeit verbringe man abends am Theater. Und:„Man muss es gewöhnt sein, auch an Feiertagen und an Wochenenden zu arbeiten.“ Oft komme es bezüglich der Gestaltung und Flexibilität der Arbeitszeiten auf die Größe des Theaters an. Bei einem mehrspartigen Theaterhaus wie dem in Karlsruhe sei man in der Regel sehr festgelegt. Deswegen würden auch viele in die Teilzeit rutschen. Bei kleineren Häusern hingegen könne die Zeiteinteilung durchaus flexibler aussehen.
Schauer war nebenbei immer auch freiberuflich tätig
Doch eines sei bei dem Beruf unschlagbar: Man habe eine enorme künstlerische Freiheit und eine große Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Durch ihre Arbeit habe sie sich auch künstlerisch weiterentwickelt, sagt sie, im Bereich Malerei und Plastik, ihren Leidenschaften: „Ich arbeite gerne mit irisierenden Farben“, erklärt sie und dabei „ganz klein oder ganz groß“. Und bei Letzterem besonders in größtmöglichen Formaten. Aktuell bereitet sie sich auf eine Ausstellung auf dem Schwarz-Rot-Gold-Fest in Hambach vor, das vom 12. bis 14. Juni stattfinden wird.
Wenn man nicht unbedingt ins Theater möchte, könnten Maskenbildnerinnen und Maskenbildner auch andere Wege einschlagen, etwa als Freiberufler(innen). „Das Tätigkeitsfeld geht von Imageshootings bis hin zu Filmproduktionen“, erklärt Schauer, die selbst ebenfalls so vorgegangen ist. „Ich war parallel immer freiberuflich tätig, da ich lange ja nur eine 28 Stunden Stelle hatte, um eben meine Kunst und freiberufliche Drehs verwirklichen zu können.“ Nebenbei bauten sich viele noch ein weiteres Standbein im Brautstyling auf. Auch auf diesem Gebiet war die Neustadterin aktiv. Ihre entsprechende Homepage unter dem Namen Franziska Rupp ist auch noch im Netz zu finden.
Inzwischen aber ist das Theater ihre Welt. Und einen Appell hat Schauer in diesem Zusammenhang auch noch: „Es entgeht den Leuten etwas, wenn sie nicht ins Theater gehen.“ Gerade das Zusammenspiel aller Gewerke sei immer wieder beeindruckend.