Neustadt Meister der Ortsgeschichte

Wer wird denn heutzutage noch in einem Bahnhof geboren? Bei Paul Habermehl war das so, und zwar am 5. April 1934. Als viertes von sechs Kindern kam er im Mußbacher Bahnhof zur Welt. Die Familie wohnte dort, denn sein Vater war Bahnhofsvorsteher bei der Reichsbahn. Heute nun feiert der bekannte Lokalhistoriker und langjährige Lehrer am Leibniz-Gymnasium seinen 80. Geburtstag. Im Dritten Reich groß geworden, war auch Habermehls Kindheit von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg geprägt. So erinnert er sich noch gut daran, welchem Druck sein Vater ausgesetzt gewesen sei, weil dieser sich geweigert habe, der NSDAP beizutreten. Eine weitere Erinnerung betrifft den ersten Weihnachtsfeiertag 1944, als bei einem Luftangriff das Hotel Lamm in der Oberen Hauptstraße getroffen worden war. Einen Luftangriff Anfang 1945 auf die Hambacher Höhe, wohin die Habermehls 1937 umgezogen waren, überlebte die Familie im Keller. „Über 60 Tote hatte es damals es gegeben, meist Frauen, Kinder, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter.“ So grausam diese Erfahrungen waren, Paul Habermehl hat an seine Kindheit überwiegend gute Erinnerungen: „Ich habe nicht gelitten.“ Die Haltung seines Vaters habe ihm imponiert und ihn geprägt. „Klare Prinzipien sind nötig und auch Prinzipientreue“, betont er. Das Abitur legte Habermehl in einem Internat der Herz-Jesu-Priester im Schwarzwald ab. Er entschied sich, Lehrer zu werden und studierte Geschichte, Germanistik sowie Theologie. Den Großteil seines Arbeitslebens verbrachte er dann am Leibniz-Gymnasium. Die Geschichte indes wurde zu seiner besonderen Leidenschaft. „Immer schon habe ich mich für die Ortsgeschichte interessiert“, erzählt Habermehl, „egal, wo ich wohnte.“ Die Schwerpunkte seiner Forschungen und Veröffentlichungen sind sein langjähriger Wohnort Hambach und die Neustadter Stiftskirche, seine Beiträge zum Seelbuch des Liebfrauen-stifts , die Erforschung der Stadtbefestigungen und – seit Neuestem – die Geschichte der Oberen Hauptstraße. Aus langjähriger Erfahrung ist er überzeugt: „Die Orts- und Regionalgeschichte bietet einen ausgezeichneten Zugang zur allgemeinen Geschichte.“ Als Beispiele nennt er den Bauernkrieg, den Pfälzischen Erbfolgekrieg und das Hambacher Fest. Im Historischen Verein der Pfalz ist er aktiv, auch im Bau- und Förderverein der Stiftskirche, im Förderverein des Neustadter Museums, der auf seine Initiative zurückgeht, war er tätig. Ein Engagement, das sich in zahlreichen Ehrungen widerspiegelt. Und so ist es nur naheliegend, dass die Bezirksgruppe Neustadt des Historischen Vereins der Pfalz Paul Habermehl zum runden Geburtstag besonders ehrt: mit einem Empfang am Samstag, 12. April, 11 Uhr, im Casimirianum.

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