Neustadt „Mathe ist enorm vielschichtig“

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Kaiserslautern. Heute, Samstag, 2. Juli, steht an der Technischen Universität (TU) alles im Zeichen der Mathematik. Der Fachbereich lädt zum „Tag der Mathematik“, rund 1000 Schüler werden zu dem Infotag erwartet. Andreas Sebald hat sich mit dem Organisator des „Tags der Mathematik“, Mathias Schulze, Professor für Algebra und Geometrie an der TU, über die Faszination für sein Fach, Google und Berufschancen unterhalten.

„Früher musste man mit Zahlen rechnen, heute muss man mit allem rechnen“. Ein alter Spruch, aber Mathematik ist in der Tat mehr als nur Rechnen, oder?

Das ist richtig. Die Anfänge der Mathematik liegen tatsächlich oft in Problemen über ganze Zahlen. Viele dieser Probleme sind einfach zu formulieren und trotzdem bis heute ungelöst. Um solche Probleme anzugehen, haben Mathematiker über die Jahre hochkomplexe Methoden entwickelt, die weit über das naive Rechnen hinausgehen. Heute ist die Mathematik enorm vielschichtig. Das Fach hat sich, insbesondere in Kombination mit dem Fortschritt der Computertechnik, zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt. Den wenigsten wird bewusst sein, dass wir fast überall von Mathematik umgeben sind. Wo kann ich Mathematik denn finden? In ganz vielen Dingen. Am „Tag der Mathematik“ erklären wir zum Beispiel, wie man Auftrieb und Strömungswiderstand bei Flugzeugen optimiert. Das klingt erst mal technisch, beeinflusst aber auch die Kosten des nächsten Sommerurlaubs. Ein anderes Beispiel sind Methoden der Bildverarbeitung und Verschlüsselungstechniken, die ja heute in jedem Smartphone stecken. Selbst wenn man nur googelt, nutzt man schon Mathematik. Interessant. Und wie nutzt Google Mathematik? (lacht) Das werde ich an dieser Stelle jetzt nicht verraten. Deshalb soll man ja zum „Tag der Mathematik“ kommen. Wir bieten eine Menge spannende Vorträge und Workshops an. Wir wollen zeigen, dass Mathematik viel mehr ist als nur Dreisatz und Kurvendiskussion. Mathematik kann zum Beispiel auch Kunst sein. Bitte? Wir zeigen in der Ausstellung „Imaginary“ Objekte aus der algebraischen Geometrie. Dabei handelt es sich um Flächen, die Lösungen polynomialer Gleichungen sind. Die sehen toll aus, das sind wahre Kunstwerke. In einem Workshop kann dann jeder selbst solche Flächen mit dem Computer erzeugen. Dennoch hat Mathematik, sind wir ehrlich, mit dem Vorurteil zu kämpfen, nicht ganz einfach zu sein. Mathematik kann beliebig schwer sein, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Und es erfordert auch ein gewisses Durchhaltevermögen, Mathematik zu lernen. An der TU bieten wir aber eine hervorragende Ausbildung mit intensiver persönlicher Betreuung und führen die Studenten schrittweise an mathematische Probleme heran. Dabei eröffnet sich für sie ein breites Spektrum an Möglichkeiten. Sie sprechen mit dem „Tag der Mathematik“ auch viele unterschiedliche Niveaus an, indem Sie Schüler von der 5. bis zur 13. Jahrgangsstufe eingeladen haben. Richtig, wir haben für jede Altersstufe etwas zu bieten. Jüngere Schüler können zum Beispiel bei einer Mathe-Rallye den Campus erforschen und dabei kleine Rätsel lösen. Oberstufenschüler können mit dem Computer faszinierende fraktale Mengen erkunden oder mit Markov-Ketten eigene Musik komponieren. Was kann ein angehender Mathe-Student seiner Oma antworten, wenn die fragt, was er mit Mathematik denn mal anfangen kann? Hier an der TU bieten sich optimale Bedingungen, um mit Mathematik eine Karriere zu starten. Die TU ist über diverse Forschungsinstitute direkt mit der Industrie vernetzt. Ein Beispiel ist das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik, das sich übrigens auch mit einer Ausstellung am Samstag vorstellen wird. Studenten können so früh in Industrieprojekte eingebunden werden. Abschlussarbeiten werden oft in Zusammenarbeit von TU und ITWM betreut und bieten ein Sprungbrett in die Arbeitswelt. Am Samstag geben wir auch ganz konkrete Antworten. Wir haben sieben Mathematik-Absolventen der TU eingeladen, die über ihre Berufsfelder berichten. Und wo arbeiten die? Da sind renommierte Unternehmen dabei, BMW, SAP, Telekom. Wir wollen zeigen, dass man mit einem Mathematik-Studium erreichen kann, was sich viele wünschen: eine abwechslungsreiche und kreative Arbeit, die auch gut bezahlt wird. |bld

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