Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Lothar Kraft Projekt im Badehaisel

Hardbop im Badehaisel: (von links) Joe Magnarelli, Patrick Manzecchi Joel Locher, Jürgen Bothner und Lothar Kraft.
Hardbop im Badehaisel: (von links) Joe Magnarelli, Patrick Manzecchi Joel Locher, Jürgen Bothner und Lothar Kraft.

Hardbop im Badehaisel: Zusammen mit Trompeter Joe Magnarelli entführten die Musiker um Pianist Lothar Kraft die Zuhörer von Wachenheim nach New York.

Das Lothar Kraft Projekt featuring Joe Magnarelli ließ das Lebensgefühl im Big Apple der 50er Jahre wieder aufleben. Hochkonzentriert und virtuos spielten nicht nur Magnarelli und Kraft, sondern auch Jürgen Bothner auf dem Saxofon, Joel Locher am Bass und Patrick Manzecchi auf dem Schlagzeug. Viel häufiger als bei Jazz-Konzerten üblich, kamen Bassist und Schlagzeuger zu ihren Soli. Interessante Akzente setzten die Musiker dabei. Mehr Abwechslung wäre jedoch manchmal wünschenswert gewesen. Auch vermissten viele Zuhörer Eigenkompositionen, von denen nicht nur Magnarelli etliche aufzuweisen hat.

Sonny Rollins, Hank Mobly und Horace Silver waren einige der amerikanischen Hardbop-Musiker, deren Kompositionen im Badehaisel zu hören waren. Sam Jones aus New York erwähnte Magnarelli als großen Bassisten und Komponisten. Natürlich nicht, ohne sich augenzwinkernden Protest von Bassist Locher aus Stuttgart einzuhandeln. Sehr humorvoll und lebendig führte der Trompeter trotz Jetlag und der weiten Anreise durch den Abend.

Trompete und Flügelhorn

Sein Spiel ist etwas sehr Besonderes. Er hat einen schönen Klang und auch seine originellen Ideen beim Improvisieren und seine brillante Technik sind bemerkenswert. Zumeist spielt er in mittlerer Lage und nutzt sowohl Trompete als auch Flügelhorn. „Peace“, Frieden, von Horace Silver interpretierte er sehr klug und gab mit dem Peace-Anhänger in seinem Ausschnitt ein politisches Bekenntnis ab.

Bothner am Tenorsaxofon, ebenfalls aus Stuttgart, steht dem weltweit bekannten Trompeter in kaum etwas nach. Bei St. Thomas von Sonny Rollins, das karibische Klänge in die Pfalz brachte, kam er richtig aus sich heraus. Aus Konstanz stammt Manzecchi. Sein langes Schlagzeugintro nach der Pause war bemerkenswert. Als sehr solide ist die Rhythmusgruppe zu bezeichnen. Kraft, aus dem Allgäu, stand mal mit dem Wohnmobil in Wachenheim. Bei einem Besuch im Badehaisel kam der Kontakt zu den rührigen Veranstaltern zustande. Bereits viermal war Kraft in der Pfalz zu Gast. Einfühlsam hat er die Gruppe begleitet. Nicht nur musikalisch kann er gut netzwerken.

Experimente mit dem Schlagzeug

Wurstsalat und Schafskäse stehen im Badehaisel unter anderem auf der Karte. Mit „Bean Soup“ von Hawkins warteten die Musiker auf. Nach der gemeinsam präsentierten Melodie spielten die Künstler zumeist ihre Soli. Auch Bass und Schlagzeug waren fast bei jedem Stück an der Reihe. Auf einige Zuhörer wirkte das etwas ermüdend, auch wenn die Künstler sehr genau aufeinander hörten und gekonnt mit ihren Instrumenten die jeweiligen Solisten kommentierten. Magnarelli tat dies mehrfach aus dem Publikum – von seinem Platz in der ersten Reihe. Dort setzte er sich hin, wenn er Pause hatte. Nicht besonders häufig waren Bothner und er gemeinsam zu hören. Duette zwischen den beiden wären bestimmt interessant gewesen. Gegen Ende fing Manzecchi an, auf dem Schlagzeug experimenteller zu werden. Mehr davon hätte den Abend noch belebender machen können.

Doch das Publikum war auch so sehr angetan. Richtig in Schwung kam es noch einmal bei den Zugaben. Noch vor der ersten gab es die Ankündigung, dass es eine Flasche Wein für die Band gäbe, bei zwei Zugaben bekäme jeder eine spendiert. Ein „Big Deal“ sollte in Trump’scher Manier mit Verweis auf dessen Kallstadter Ahnen ausgehandelt werden. Bei der dritten Zugabe bekäme jeder aus dem Publikum eine, kündigte Magnarelli daraufhin scherzhaft an. Zwar ging bei der Erwähnung von Trump ein Stöhnen durch die Reihen der Zuhörer, aber mit Klatschchören stärkte das Publikum die Musiker, die am Ende noch einmal alles gaben.

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