Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Liedermacher Ralf Storck im Kulturkeller

Zog das Publikum im Kulturkeller mit: Liedermacher Ralf Storck.
Zog das Publikum im Kulturkeller mit: Liedermacher Ralf Storck.

Der Kaiserslauterer Liedermacher Ralf Storck sang über das Leben, Sehnsüchte und Hoffnungen – nach Frieden, Wärme und dem Wunsch, einfach aufzubrechen ans Meer.

Der Kulturkeller des Protestantischen Kirchenbezirks, ein Sandsteingewölbekeller, dessen Eingang sich versteckt hinter der Schlosskirche befindet, ist in rotes, lagerfeuerfarbenes Licht gehüllt. Die Stuhlreihen stehen eng aneinander, mehr geht nicht, ausverkauft. Es ist Ralf Storcks erstes Konzert außerhalb Kaiserslauterns. In der Formation mit Christine Rutz am Cello und Sven Ruppert an der Gitarre, beides Profimusiker, tritt er erst seit November 2024 auf.

Die Solo-CD „Irgendwann bleib ich dann hier“, die er am Abend vorstellt, ist die erste des 57-Jährigen mit eigenen Liedern, alle auf deutsch. Musik macht er allerdings schon seitdem er neun Jahre alt ist. Bis vor wenigen Jahren war der Sozialarbeiter selbstständig, leitete eine eigene Jugendhilfeeinrichtung. Jetzt widmet er sich überwiegend der Musik. Autobiografisch inspiriert handeln seine Lieder vom Neubeginn, von Sehnsüchten, Hoffnungen und dem Leben.

Traum von einer besseren Welt

Melancholisch, nachdenklich sind sie, aber auch warm, herzlich, geprägt von Zuversicht und dem Traum von einer besseren Welt, wie ihn viele bekannte Liedermacher seit Generationen besingen. Im Raum hat er kleine Plakate mit Politsprüchen „Keine Macht für Niemand“, „Fuck AfD“, „No War“ angepinnt, aber auch Botschaften wie: „Einatmen, Ausatmen, Lächeln“, „Rettet die Zärtlichkeit“. Für die Zuschauer liegen Papier und Stifte aus. Die Slogans der Zuschauer sollen die Wände der nächsten Konzerte zieren.

Dramatisch-rhythmisch beginnt das erste Lied: „Das Beste am Leben“. Diese Zeile wiederholt sich immer wieder, wie ein Appell. Der Text drückt aus, wie fragil ein positives Lebensgefühl ist: „Das Beste am Leben ist ruhig zu bleiben, wenn du über Bord gehst“. Das Beste sei „leicht zu finden“, aber auch – und dazu heult er wie ein Wolf, das Cello begleitet die Stimmung mit langen Bogenstrichen – „leicht zu verlieren“. Alles mündet in „Das Beste am Leben ist daran zu glauben, dass es gut ist“.

Von Melancholie geprägt

Thematisch in ähnliche Richtung geht der Titel „Schiff“: „Glaube mir, es geht nicht unter, Dein Schiff“ – trotz aller Ängste. Man solle einfach an den Moment glauben, sich auch mal treiben lassen. Die Melodie ist ruhig, wie sanfte Wellen, die das Boot in Sicherheit wiegen. Von Melancholie geprägt sind auch die folgenden Songs, bei denen es um Schicksale geht: der Trauer um einen verstorbenen Sohn, mit dem man gerne gemeinsam Hand in Hand durchs Leben gegangen wäre, oder einem Vater, mit dem man gerne noch mal gesprochen hätte. „Vater, Du hast nie gewusst, wer ich bin, jetzt hörst Du mich nicht mehr.“

Besungen wird aber auch die Freiheit, einfach aufzubrechen, die eigenen Probleme und die der Welt hinter sich zu lassen: „Dann denk ich mir: Fahr einfach los.“ Richtig schön ist das Lied „Du musst keine Heldin sein“ – gerichtet an die „von Corona gebeutelte junge Generation“, wie er sagt. „Wenn Du glücklich sein willst, darfst Du das Leben nicht verpennen“, „Wenn Du hinfällst, bleib bloß nicht liegen, Du musst nur einmal öfter aufstehen, als Du fällst“, und „Du musst keine Heldin sein, nur ein Mensch“. Das Lied mündet in einen Aufruf zu Haltung und Engagement: „Wenn Du die Welt verändern willst, lass Dich nicht aufhalten, wenn Du eine Meinung hast, musst Du sie nicht für Dich behalten, wenn Du Unrecht siehst, geh dagegen vor, verlier nie Deine Liebe und schon gleich gar nicht den Humor“. Das könnte ein Ohrwurm werden. Die Melodie ist freudig, positiv, aktivierend.

Friedenslied zum Abschluss

Der Abend endet mit dem Friedenslied „Die weißen Tauben sind müde“ aus dem Jahr 1982 von Hans Hartz, dem Storck noch zwei eigene Strophen anhängt: 40 Jahre später liegt die Welt in Trümmern, nur ein Pärchen hat überlebt, die Dummheit hat gesiegt. In dieser Stimmung entlässt man aber niemanden in die Nacht, deshalb gibt’s noch mal „das Beste am Leben“ mit tiefer, sonorer Stimme herausgerufen. Er dürfe gern wiederkommen, sagt Stephan Krämer, der Veranstalter, das Publikum stimmt klatschend zu.

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