Neustadt Leistungsfach Latein am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium gut nachgefragt

Vivien Gottschall.
Vivien Gottschall.
Jan Peter Konopinsky.
Jan Peter Konopinsky.

Am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium (KRG) gingen 96 Schüler in die Prüfungen. Bis jetzt haben alle bestanden. Ein Schüler war erkrankt und muss noch eine Prüfung nachholen. 38 Absolventen holten eine „Eins“ vor dem Komma.

Die Schüler des KRG thematisierten mit ihrem Abi-Motto das aktuelle Problem der Schule, das sich schon einige Jahre hinzieht: „Abi-Rissbude – 13 Jahre auf der Baustelle.“

„Als wir kamen, wurde der Pavillon, der eigentlich im ersten Jahr immer Heimat der Fünftklässler war, abgerissen. Dann gab es im Schulhaus keine Decken mehr, während der Oberstufe war der MSS-Saal für acht Wochen wegen Renovierung geschlossen“, zählt Vivien Gottschall auf.

Ans Theater nach Heidelberg

Die 19-Jährige kommt aus Bad Dürkheim. Sie entschied sich für das KRG, weil sie unbedingt in der Streicherklasse Cello lernen wollte. Im KRG hat sie schließlich im musischen Bereich ihre Erfüllung gefunden. Sie spielte seit der 7. Klasse in der Theater-AG und inszenierte in der Oberstufe zwei große Schüleraufführungen. So will sie nach der Schule weiter in die Theaterwelt hinein wachsen. Zunächst macht sie ein Freiwilliges soziales Jahr am Theater in Heidelberg. „Wenn die Eindrücke positiv sind, möchte ich Regie studieren“, verrät sie. Doch der Weg dahin sei steinig, denn es seien an den verschiedenen Hochschulen meist vier Bewerbungsphasen zu durchlaufen.

Aus ihrer Schulzeit nimmt sie nur positive Erfahrungen mit. Am meisten schätzt sie das große Vertrauen, das Schülern von Lehrern entgegen gebracht wurde. „Es gab kein strenges Schüler-Lehrer-Verhältnis. Die Pädagogen waren immer offen für außerschulische Themen und kehrten nicht ihre Autorität hervor“, betont sie.

Zum Studium Generale nach Tübingen

Auch ihr Mitschüler Jan Peter Konopinsky freut sich über das gute Verhältnis zu den Lehrern. „Wir hatten viele Freiheiten. Wir konnten Veranstaltungen wie ,Sound of Schools’ oder ,Knechtkonzert’ komplett in Eigenregie durchführen“, sagt er.

Der 18-Jährige aus Deidesheim folgte seiner Schwester Christine ans KRG, die bereits vorher gute Erfahrungen gemacht hatte. Für seine Zukunft ist alles offen. Damit er nach seinen Leistungskursen Mathematik, Physik und Sozialkunde eine möglichst breite Basis für seine Berufswahl erhält, schreibt er sich an der Universität in Tübingen für ein Studium Generale ein. Konopinsky: „Das ist fast nochmal eine zweite Oberstufe. Man kann querbeet Einblicke in viele Fachrichtungen erhalten, egal ob in wissenschaftlichen, gesellschaftlichen oder künstlerischen Bereichen. Ich möchte mir einfach vieles offen halten, und das ist in dieser Form in Tübingen deutschlandweit einzigartig.“

Er wünscht sich, dass der gute Geist am KRG mit der angenehmen Atmosphäre so bleibt. „Auch wenn das Schulsystem als Ganzes doch veraltet ist. Denn der Notendurchschnitt wird für das Studium viel zu stark gewichtet. Dabei sagen die Abi-Noten nur wenig über den Menschen aus“, betont er.

Keine Zukunftsangst

Die aktuelle Krise sorgte beim KRG-Jahrgang durch die Absage des Abiballs für Frust. „Wir haben uns jahrelang darauf gefreut“, so Vivien Gottschall. Mit Jan Peter wollte sie jetzt eine Reise nach Ungarn antreten. „Diese Reise und die Pläne der Mitschüler, die teilweise ein ganzes Jahr ins Ausland wollten, sind gestrichen. Dabei dachten wir alle, nach dem Abi fängt das Leben an“, so Gottschall. Eine konkrete Zukunftsangst komme bei ihrem Jahrgang allerdings noch nicht auf. Sie sagt: „Die Hoffnung, dass alles gut wird, ist größer als die Angst.“

Schulleiterin Lenelotte Möller berichtet von einem vielfältigen Engagement des Jahrgangs. Neben der Zukunfts-AG und Aktionen wie Kleidertausch gab es auch die Theater-AG, die selbständig von Schülern geleitet wurde. „Erfreulich war, dass viele Latein als Leistungskurs belegten. Ein Schüler kam sogar extra ans KRG und schloss die mündliche Prüfung mit 15 Punkten ab“, so Möller.

Die Leiterin absolvierte mit 33 Schülern eine mehrtägige Fahrt nach Kamnik in Slowenien. „Es war unvergesslich, wir erinnern uns gerne an die große Gastfreundschaft“, erzählt sie. Das mündliche Abitur, das das KRG erst Ende März 2020 durchführte, sei bis kurz zuvor noch auf der Kippe gestanden. Letztlich sei es dann, unter Beachtung aller Vorschriften, entspannt und erfolgreich verlaufen. Möller: „Die Zeugnisse und Ehrungen erhalten die Schüler mit Briefen von Schulleitung und Lehrkräften. MSS-Leiter Holger Lawonn hat alle Beteiligten online betreut.“

Ehrungen am KKG

Vorbildliches Verhalten: Farina Becker; Theater AG: Vivien Gottschall; Musik: Leah Rau, Leonie Littek, Jan Peter Konopinsky; Bildende Kunst: Luca Walther; Sanitätsdienst: Alexander Adam; besonderes Engagement: Marc Brasche, Mia Hemmer; Bestes Abitur: Alina Scheuermann; Deutsch: Leah Rau; Französisch: Hanna Burkhart; Mathematik: Sofie Fass, Alina Scheuermann, Tobias Witteler; Latein: Alina Scheuermann, Englisch: Michel Egenolf, Informatik: Leo Knoll; Biologie: Antonia Jost, Hanna Burkhart; Physik: Julian Schüler, Leo Knoll; Chemie: Alina Scheuermann, Sofie Fass, Leo Knoll; Geschichte: Klara Kohring; Technik-Preis: Jan Reinhardt.