Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Landesgartenschau wird deutlich teurer

Bei einer öffentlicher Führung im April konnten die Teilnehmer einen Blick vom Deponieberg werfen. Mittlerweile sind die Planung
Bei einer öffentlicher Führung im April konnten die Teilnehmer einen Blick vom Deponieberg werfen. Mittlerweile sind die Planungen für die Gartenschau viel konkreter.

Die Landesgartenschau 2027 in Neustadt wird um rund 9,1 Millionen Euro teurer als erwartet, davon bleiben etwa 2,3 Millionen an der Stadt hängen. Mehrere städtische Gremien heißen die Planung dennoch gut. Nur kurz blitzt Verärgerung auf.

Nach den Abstimmungen spricht Baudezernent Bernhard Adams von einem „sensationellen Ergebnis“. Kurz zuvor haben am Dienstagabend in einer gemeinsamen Sitzung sowohl der Bau- wie auch der Umweltausschuss sowie der Innenstadtbeirat die Gesamtplanung für den Landschaftspark der Landesgartenschau (LGS) passieren lassen – und zwar einstimmig. Damit hatte Adams offenbar nicht unbedingt gerechnet. Wobei der Knackpunkt weniger an der Planung an sich gelegen haben dürfte. Vertreter mehrerer Fraktionen zeigten sich davon sehr angetan. Aber das Ganze geht auch einher mit enormen Kostensteigerungen. Wurde im Vorentwurf vom Oktober 2023 noch mit einem Investitionshaushalt von 23,8 Millionen Euro gerechnet, steigt diese Summe nun auf rund 32,9 Millionen. Die abschließende Entscheidung trifft der Stadtrat am Donnerstagabend, doch nach dem Votum der Ausschüsse dürfte die Planung nicht gefährdet sein.

In der Sitzung am Dienstag begründete die Geschäftsführung der Landesgartenschau-Gesellschaft die Erhöhung. Tobias Dreher sagte, dass die Eisenbahnbrücke an der Unterführung im Westen des Geländes eine andere Fundamentierung habe als angenommen. Daher seien zusätzliche Sicherungsmaßnahmen notwendig. Zudem sei der Zustand der Brücken über den Speyerbach schlechter als gedacht. So könne die Imbeg-Brücke nicht saniert werden. Daher sei nun ein Neubau geplant. Außerdem wurden durch die Bodenuntersuchungen bisher unbekannte Altlasten entdeckt, etwa unter dem früheren VfL-Sportplatz. „Wir können damit gut umgehen, aber es führt zu Mehrkosten“, sagte Dreher. Zudem soll der in der Sportlandschaft geplante Kunststoffplatz größer werden, damit auch im Winter ein Trainingsbetrieb möglich sei.

Viele Förderprogramme

Drehers Geschäftsführer-Kollegin Anne Pieper berichtete, dass in die Ver- und Entsorgung 1,4 Millionen Euro investiert werden müssen. Das öffentliche Netz kann den Bedarf der LGS nicht abdecken. So müssen etwa Trafostationen gebaut werden. Außerdem seien nun 2,85 Millionen Euro an sogenannten Rückübertragungskosten vorgesehen. Diese entstehen bei der Übertragung der geschaffenen Wirtschaftsgüter nach Abwicklung der LGS-Gesellschaft an die Stadt und haben einen steuerlichen Hintergrund. Pieper sagte, dass mittlerweile die Gespräche dazu mit dem Finanzamt so weit fortgeschritten seien, dass man dazu belastbare Angaben machen könne. Hans-Christoph Stolleis (CDU) kritisierte gleichwohl, dass der Stadtrat bei der Etat-Erhöhung im Herbst 2023 in diesem Punkt nicht vorgewarnt wurde.

Ansonsten gab es keine Kritik, was daran lag, dass trotz der zusätzlichen Investitionskosten von 9,1 Millionen die Stadt der Planung zufolge lediglich etwa 2,3 Millionen Euro aus eigenen Mitteln aufbringen muss. Das gelingt vor allem durch das Anzapfen zahlreicher Förderprogramme. Das lobten mehrere Ausschussmitglieder. Christoph Bachtler (FWG) zeigte sich beeindruckt, dass seit der Sitzung des LGS-Aufsichtsrats vor drei Wochen weitere Förderprogramme dazu gekommen seien. Wenn das so weiter gehe, scherzte er, „machen wir am Ende ein Plus“. Bei der Sitzung wurde auch die Hoffnung geäußert, dass sich das Land mit höheren Zuschüssen engagiert. Bisher sind aus Mainz 18,3 Millionen Euro zugesagt.

„Eine ehrliche Rechnung“

Pieper betonte, dass die Planung auf „einer ehrlichen Rechnung“ basiere. Es sei nicht davon auszugehen, dass es zu weiteren deutlichen Kostensteigerungen komme, vorausgesetzt, es gebe keine unvorhergesehene Krise.

Begeistert zeigten sich die Ausschüsse von dem Gesamtentwurf für den Landschaftspark, der Neustadt auch nach der LGS erhalten bleibt. Martin Schmitz vom Berliner Planungsbüro Loidl war nach Neustadt gekommen, um die Details vorzustellen. So wird der künftig renaturierte Speyerbach an drei Stellen zugänglich sein: am westlichen Park-Entree an der Landwehrstraße, im mittleren Teil sowie unterhalb des Deponiehügels, wo der Speyerbach sich in einer 90-Grad-Kurve windet.

Michael Probst vom Ingenieurbüro BCE erläuterte, was bei der Renaturierung zu beachten ist. Demnach muss der Speyerbach sowohl für Niedrigwasserstände im Sommer gewappnet sein, als auch möglichst viel Wasser bei Hochwasser aufnehmen können. Außerdem sei die Beschattung des Bachs wichtig, damit die Wassertemperatur bei Hitze nicht zu sehr steige.

Panoramabar auf Deponiehügel

Laut Schmitz werden die Neubachwiesen zwar durch Wege erschlossen, die Natur dort soll aber in Ruhe gelassen werden. In einem Teil, der mit Brombeeren überwuchert ist, soll eine regionaltypische Feuchtwiese angelegt werden.

Auf dem Deponiehügel wird eine sogenannte Panoramabar gebaut, die künftig von Gastronomen oder Vereinen zum Beispiel als Pop-up-Bar genutzt werden kann. Der Weg auf den Gipfel des Hügels wird eine Steigung von 5,5 Prozent haben, wobei diverse Zwischenplateaus eingeplant sind. An den Hügel wird ein Spielplatz gebaut, bei dem man die Höhenunterschiede nutze, wie Schmitz sagte, mit verschiedenen Klettermöglichkeiten und Rutschen, die nach unten führen.

Auf der künftigen Sportlandschaft soll „immer Leben sein“, sagte Schmitz zur Philosophie der Planer. Entsprechend würden die Angebote so geplant, dass sie für Vereinssport, Individualsport oder für kleinere Gruppen geeignet seien. Er zählte ein Spielfeld aus Naturrasen, ein Streetball-Feld, Tischtennis-Platten, eine Boulder-Wand und Möglichkeiten für Krafttraining auf.

Für Rainer Grun-Marquardt (Grüne), der noch ein Wasserspiel anregte, hatte Dreher gute Nachrichten: Für die Zeit der LGS werde über ein solches nachgedacht.

x