Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Landesgartenschau: Welche Folgen haben die Altlasten im Boden?

Wegen der Altlasten im Boden wird auf die Renaturierung des Speyerbachs in Deponienähe verzichtet.
Wegen der Altlasten im Boden wird auf die Renaturierung des Speyerbachs in Deponienähe verzichtet.

Von der Deponie zum Aussichtspunkt: Durch die Landesgartenschau soll der „Monte Scherbelino“ samt Umfeld zur Freizeitstätte werden. Doch die Altlasten im Boden sind breitflächiger als zunächst gedacht. Was bedeutet das?

Die Renaturierung des Speyerbachs ist ein zentrales Projekt für die Landesgartenschau (LGS) 2027 in Neustadt. Doch vor ein paar Wochen hat die LGS-Geschäftsführung mitgeteilt, dass entgegen der ursprünglichen Planung der Speyerbach beim ehemaligen VfL-Sportplatz in der Nähe des Deponiebergs in seinem betonierten Bett bleiben soll. Denn dort im Boden wurden Altlasten entdeckt. Auf RHEINPFALZ-Nachfrage haben nun Vertreter der Stadtverwaltung und der LGS-Gesellschaft erklärt, wie die Untersuchung des LGS-Geländes ablief und was die Altlasten für die Gartenschau und die spätere Nutzung des Geländes bedeuten.

Das Thema Altlasten müsse bei Bebauungsplänen regelmäßig abgearbeitet werden, sagt Martina Annawald, Fachbereichsleiterin Stadtentwicklung und Bauwesen. Dafür gibt es ein mehrstufiges Verfahren. Zunächst wird in einer sogenannten historischen Erkundung geschaut, wie das Gelände früher genutzt wurde und ob sich daraus Verdachtsmomente für die Verunreinigung des Bodens ergeben. Dafür werden alte Bauakten durchforstet und Luftbilder aus den vergangenen Jahrzehnten gesichtet. Eine Tankstelle sei ein typisches Beispiel für einen Anfangsverdacht, sagt Annawald. Eine solche gab es auf dem künftigen LGS-Gelände nicht, allerdings hatte dort die Firma Imbeg, die Betonfertigteile herstellte, Material gelagert. Diese Fläche ist auch in einem Kataster des Landes zu finden, in dem Bereiche gelistet sind, von denen bereits bekannt ist, dass sie möglicherweise belastet sind. Die historische Erkundung habe man bereits 2018 begonnen, sagt Annawald.

Gefahren für Menschen und Grundwasser untersucht

Die zweite Stufe des Verfahrens ist die orientierende Untersuchung, bei der der Boden tatsächlich angeschaut wird, also Proben genommen werden. Dies sei in Absprache mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd erfolgt, sagt Annawald. Analysiert wurden die Proben unter anderem auf Schwermetalle, Zyanide, PCB und Kohlenwasserstoffe, erklärt Thomas Baldermann, Leiter der Umweltabteilung. Die Ergebnisse seien nicht bedenklich gewesen.

Die Untersuchungen laufen mit Blick darauf, ob von den Flächen eine Gefahr ausgeht, etwa für das Grundwasser. Das konnte der Verwaltung zufolge ausgeschlossen werden. In gewisser Weise bot die Deponie da einen Vorteil, weil ihretwegen das Grundwasser dort bereits dauerhaft überwacht wird.

Da das Gartenschaugelände nach dem Veranstaltungsjahr als Freizeitgelände genutzt werden soll, wurde zudem analysiert, ob Menschen gefährdet seien. „Kinder stecken sich ja auch mal Dreck in den Mund“, verdeutlicht Annawald die Fragestellung. Aber auch diesbezüglich konnte nach den Messungen Entwarnung gegeben werden. Übrigens: Würde auf dem Gelände künftig Landwirtschaft betrieben, müssten die Auswirkungen der Stoffe im Boden auf Nutzpflanzen eigens untersucht werden – was in diesem Fall aber verzichtbar war.

Da die Untersuchungen keine besondere Belastung ergaben, musste die dritte Stufe, die sogenannte Detailuntersuchung, gar nicht eingeleitet werden. Allerdings zeigte sich eben auch, dass mehr Flächen belastet sind als gedacht: Bekannt waren neben der Deponie und dem Imbeg-Areal auch das Schüpferling-Gelände. Altlasten wurden dann zudem auf dem ehemaligen Storck-Gelände festgestellt sowie unter dem früheren Hartplatz und dem ehemaligen VfL-Sportplatz.

Nur der Kern der Deponie besteht aus Hausmüll

Das Sportplatz-Gelände gehöre rechtlich nicht zur Deponie, sagt Baldermann. Was man dort an Stoffen im Boden gefunden habe, gleiche aber dem im eigentlichen Deponieboden. Nach Auswertung von Luftaufnahmen vermuten die Verwaltungsmitarbeiter zudem, dass die Abfallablagerungen zunächst auf dem späteren Sportgelände begannen – dass dort Senken aufgefüllt wurden. Der Deponieberg entstand demnach später. Aber in beiden Fällen bestehe nur der Kern aus Hausmüll, erläutert Annawald, ansonsten sei vor allem Bauschutt abgeladen worden.

Wer auf den künftigen Sportplätzen aktiv ist, braucht der Verwaltung zufolge keine Angst zu haben. Michael Rösel von der LGS-Gesellschaft berichtet zudem, dass der Boden dort zunächst mit einem Geotextil, einer Art Vlies, abgedeckt wird. Darauf wird eine 35 Zentimeter dicke Schutzschicht aus neuem Boden aufgebracht. Die neuen Erkenntnisse verlangten jedenfalls nicht, dass die LGS-Verantwortlichen ihre Pläne ändern müssen – zumindest nicht an dieser Stelle.

Plan für Speyerbach geändert

Auf die Renaturierung des Speyerbachs in diesem Bereich wird hingegen schon verzichtet. Auf einer Länge von etwa 200 Metern wird der Bach in seinem Betonbett bleiben. Das sei das Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Analyse gewesen, sagt Annawald. Solange die Altlasten dort im Boden seien, sei es kein Problem. Baggere man dort aber auf, müsse man das belastete Material auch entsorgen. Das sei aber sehr teuer.

Christian Blarr von der Abteilung Stadtplanung betont indes, dass an der Stelle trotzdem Verbesserungen geplant seien. So würden im Bach Lenkbuhnen eingebaut, die dafür sorgten, dass unterschiedliche Strömungen entstehen. „Das macht es als Lebensraum spannender.“

Die Altlasten im Boden bereiten den Verantwortlichen also keine größeren Sorgen. Doch können sie ausschließen, dass sie auf weitere, bisher unbekannte Verunreinigungen stoßen, etwa an anderen Stellen des Speyerbachs? Rösel versichert, dass der Boden gründlich untersucht wurde. Und Baldermann ergänzt, dass man höchstens noch kleine „Nester“ entdecken könnte. Aber damit rechnen die LGS-Macher nicht.

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