Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Landesgartenschau-Experte: „Es macht mir einen Heidenspaß“

Ort der Erholung: Entwurf für den renaturierten Speyerbach im Landesgartenschau-Park.
Ort der Erholung: Entwurf für den renaturierten Speyerbach im Landesgartenschau-Park.

Wer die Parkanlage Landesgartenschau plant, steht fest. Entschieden hat das eine Jury, die Udo Weilacher leitete. Im Gespräch mit Anke Herbert erklärt der Professor, warum ihm die Schau am Herzen liegt. Das hat nicht nur mit seiner Herkunft zu tun.

Herr Weilacher, schlägt Ihr Herz schneller, wenn Sie den Namen Speyerbach hören?
(lacht) Der Speyerbach ist eng mit meiner Kindheit und Jugend verbunden. Er fließt durch Hochspeyer, wo ich zunächst zur Grundschule gegangen bin. Dann fließt er durch Lambrecht, wo in der Tuchfabrik meine Großeltern gearbeitet haben. Er schlängelt sich durch Neustadt, Wohnort meines Onkels, und weiter nach Speyer, wo gute Freunde leben. Diese Linie hat für mich etwas sehr Faszinierendes.

Die Region und der Pfälzerwald sind Ihnen folglich gut bekannt?
Ohne Sie mit meiner Biografie langweilen zu wollen: Ursprünglich wollte ich sogar Förster im Pfälzerwald werden. Aber die Bewerbung bei der Landesforstverwaltung in Neustadt hat nicht geklappt. Dem stand mein Zivildienst entgegen, was in der 1980er-Jahren nicht so gern gesehen wurde.

Stattdessen Landschaftsgestaltung?
Ja, ich habe nach dem Abitur in Kaiserslautern Landschaftsgärtner gelernt. Danach bin ich an der Technischen Universität München in die Landschaftsarchitektur eingestiegen, war viele Jahre im Ausland, um jetzt anlässlich der Landesgartenschau wieder in die Heimat zurückzukommen. Es macht mir einen Heidenspaß, bei guten Landschaftsprojekten mithelfen zu können.

Für Gipfelstürmer: Haidmühle-Entwurf mit Café und schiefer Ebene als Aussichtspunkt. Oben rechts ein Blick in den Sport- und Spi
Für Gipfelstürmer: Haidmühle-Entwurf mit Café und schiefer Ebene als Aussichtspunkt. Oben rechts ein Blick in den Sport- und Spielepark.

Hatten Sie denn schon vorher einen Bezug zum künftigen LGS-Gelände?
Das kannte ich tatsächlich noch nicht. Erst bei der Führung für das Preisgericht war ich zum ersten Mal in jenem Teil von Neustadt.

Hat sich Neustadt mit diesem Gelände richtig entschieden?
Uneingeschränkt ja. Mit der Landesgartenschau erscheint es wieder auf dem Radar. Die Grünzüge entlang des Speyerbachs sind wichtige landschaftliche und ökologische Naturverbindungen. Und wenn man mit der Gartenschau einen dieser Bausteine reaktiviert, einem Trittstein ähnlich, ist das ungeheuer wertvoll.

Sie waren nicht zum ersten Mal Vorsitzender eines Preisgerichts. Ist das eine leichte Aufgabe?
Es ist immer eine Herausforderung. Einerseits, weil man nicht weiß, welche Rolle politische Hintergründe spielen. Auf der anderen Seite hat man es mit sehr versierten Kollegen zu tun, die alle eine ganz starke eigene Meinung haben. Da kostet die Suche nach einem Konsens in der Regel viel Kraft. Ich habe schon Jurys erlebt, in denen sich ohne Ende gefetzt wurde. Aber das Preisgericht für die Neustadter Landesgartenschau war wirklich sehr gut.

Haben Ihnen unlängst die Ohren geklingelt? Sie wurden von Stadtratsmitgliedern, die dabei sein konnten, über den grünen Klee gelobt, weil sie sich ernst genommen fühlten.
Das ist mir immer ein Anliegen. Es gehört zu meinem Verständnis von Demokratie, dass man alle mitnehmen muss, dass es keine wichtigen und weniger wichtigeren gibt.

Was konkret bedeutet?
Insgesamt hatten wir ja 15 eingereichte Entwürfe. Wenn es jetzt zum Beispiel darum ging, ein Stimmungsbild zu bekommen, habe ich alle gefragt, und nicht nur die neun stimmberechtigten Jurymitglieder. Denn am Ende muss so ein Entwurf ja auch vor Ort von allen mitgetragen werden.

Sind Sie ein Fan von Wettbewerben?
Ich bin immer für einen Wettbewerb, weil das für Qualität sorgt. Der Neustadter war deswegen besonders gut, weil man sich bewusst auf die Daueranlage beschränkt hat, also die eigentlichen Gartenschau-Veranstaltungen von der Blumenschau bis zur Mustergrabanlage ausgeklammert hat. In anderen Bundesländern ist es schon passiert, dass man mit viel Brimborium eine Schau veranstaltet hat und das Gelände hinterher qualitativ nicht besser dastand. Zugunsten kurzer Schaueffekte war nicht in die langfristige Verbesserung investiert worden. Das hat sich aber Gott sei Dank inzwischen geändert, weil man gelernt hat. Und genau dafür steht der Siegerentwurf des Berliner Planungsbüros Atelier Loidl.

Falls man das kurz sagen kann: Was ist das Besondere an dem Entwurf?
Ein hohes Maß an Robustheit und Einfachheit. Trotzdem geht die Planung sehr sensibel mit den Gegebenheiten des Geländes um.

Was meinen Sie mit Robustheit?
Dass der Entwurf auch Änderungen verträgt, ohne seinen Charakter zu verlieren. Bis so ein Projekt realisiert ist, muss noch viel entschieden und auch angepasst werden. Ein robuster Entwurf verkraftet das und fällt nicht sofort auseinander. Außerdem schafft dieser Entwurf eine sehr gute Balance zwischen den ökologischen Belangen entlang von Speyer- und Rehbach sowie den gestalterischen Belangen bei der Umformung der Altdeponie. Der Müllberg wird mit einfachen Mitteln sehr attraktiv gestaltet.

Udo Weilacher
Udo Weilacher

Ihnen gefällt also das Gipfel-Café mit dem schrägen Überbau?
Ja. Bei Landschaftsarchitektur geht es nicht nur um ingenieurtechnische Arbeit, sondern auch um Gestaltung. Und diese ist natürlich etwas Subjektives, weshalb es nie die eine richtige Lösung geben kann. So ist es auch bei dem Gipfel: Es wird Leute geben, die davon begeistert sind, weil es einfach ist, keine Riesenshow verursacht wird. Anderen wird es sehr schlicht vorkommen.

Wird der Hügel damit genug beachtet?
Es geht nicht nur um den Hügel an sich. Er dient dafür, zu einer spektakulären Aussicht einzuladen. Zwar muss er auch so gestaltet sein, dass die Menschen dieses Angebot annehmen, sich dort gerne aufhalten. Aber er selbst ist kein Kunstwerk, sondern eine künstlich gestaltete Landschaft, die die Umgebung ins rechte Licht rücken soll.

In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ über Hausgärten haben Sie gesagt, dass Gärten vor allem zum Runterkommen wichtig sind. Wenn ich Sie richtig verstehe, gilt das auch für einen Park, wie es die Landesgartenschau sein soll. Folglich wären Sie kein Freund von Ideen wie einer Sommerrodelbahn gewesen?
Richtig. Einen Freizeitpark gibt es schließlich mit dem Holiday Park schon in Haßloch. (lacht) Ein guter Freund und Mentor hat mir vor langer Zeit gesagt, dass ein Landschaftsarchitekt nie versuchen soll, das fertige Bild zu malen, sondern er soll den Rahmen dafür herstellen. Das Bild sollen die Menschen selbst im täglichen Leben entwickeln. Und deshalb ist es auch so schwierig, etwas Einfaches zu planen. Um sich auf den Rahmen – anders gesagt das Bühnenbild – zu beschränken, braucht Landschaftsarchitektur eine gewisse Bescheidenheit. Der Mensch will ja selbst aktiv werden. Das muss man wirklich respektieren und nicht durch permanentes Entertainment ersticken.

Dass die Altdeponie einmal so bedeutend wird, hätte man in Neustadt nie gedacht. Da hieß die Haidmühle immer nur Monte Scherbelino.
(lacht) Interessanterweise gibt es diesen Ausdruck in vielen Städten, wo Trümmerberge und Schutthügel entstanden. In München hat man übrigens aus den Trümmerbergen des Zweiten Weltkriegs den Olympiapark gebaut. Und der gilt als einer der weltweit schönsten Parks.

Wenn Sie an die Zeit nach der Neustadter Landesgartenschau denken: Haben Sie Sorge, dass das Gelände zu gut genutzt werden könnte? Mit allen negativen Folgen für Flora, Fauna und die Stadtreinigung?
Das Risiko besteht immer. Aber auch da punktet der Siegerentwurf, weil er einige sensible Bereiche schont und nicht mit zu vielen Fuß- und Radwegen durchzieht oder zu viele Elemente integriert. Er lässt sie in Ruhe. Für mich hat das Atelier Loidl eine gute Balance geschaffen. Ihr Entwurf verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität, ohne das Gelände zu überfordern.

Info

Die Entwürfe für den Landesgartenschau-Park werden vom 12. bis 20. Dezember im Klemmhof (Eingang auf Seite Elwedritschebrunnen) ausgestellt, montags bis freitags 12 bis 19 Uhr, samstags 10 bis 14 Uhr.

Zur Person: Udo Weilacher

Der 59-Jährige stammt aus der Westpfalz und hat einen Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Transformation an der Technischen Universität München inne. In Neustadt war er zuletzt als Vorsitzender eines Preisgerichts, das den besten Entwurf für die Daueranlage Landesgartenschau 2027 küren musste. 15 Büros hatten am Wettbewerb teilgenommen.

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