Neustadt
Kriminalitätsstatistik: Diese Themen beschäftigen die Polizei
Ein oberflächlicher Blick auf die Zahlen der Kriminalitätsstatistik für 2024 für den Bereich der Polizeiinspektion Neustadt, die das Stadtgebiet Neustadt und die Verbandsgemeinde Lambrecht abgedeckt, kann trügerisch sein. Denn die dort verzeichnete Gesamtzahl an Straftaten ist auf 4214 Fälle gesunken. 295 Fälle weniger als 2023. Ein deutlicher Rückgang. Zurückzuführen ist er vor alllem auf die Teillegalisierung von Cannabis und damit auf den Wegfall von einigen Straftatbeständen wie dem Besitz von bis zu 25 Gramm des Rauschmittels. Inspektionsleiterin Christine Berens und ihrem Stellvertreter Peter Fuchs ist dieser Effekt aber bewusst. Wichtiger ist ihnen daher der Fünf-Jahres-Vergleich: Und da bewegt sich die Inspektion sowohl bei der Anzahl der Straftaten als auch bei der Aufklärungsquote (aktuell 66,8 Prozent) weitgehend auf einem ähnlichen Niveau. Es gebe insgesamt keine Kriminalitätsschwerpunkte.
„Aber jeder Fall von Kriminalität ist einer zu viel“, sagt Berens. Denn für die Betroffenen seien diese Erlebnisse immer schlimm. Insgesamt seien die Bewohner Neustadts und der Verbandsgemeinde Lambrecht nicht groß in Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden. 315 der insgesamt 934 Fälle von Rohheitsdelikten fielen unter „häusliche Gewalt“ und hätten sich damit abseits des öffentlichen Raums abgespielt. 99-mal sind Polizisten im Einsatz Opfer von Gewalt geworden – das sind 24 Fälle mehr als im Jahr 2023. 20 Polizisten sind vergangenes Jahr im Einsatz verletzt worden. „Zum Glück alles leichte Verletzungen“, so Berens. Passiert seien diese Zwischenfälle aber nicht bei großen Veranstaltungen, sondern bei der Aufnahme von Fällen häuslicher Gewalt oder bei Platzverweisen. „Dann kommt es im Anschluss oft noch zu Konflikten mit den Verursachern“, erläutert Fuchs. „Oft steht das dann auch in Verbindung mit Alkohol oder Drogen.“
Eine Serie in Iggelbach
Beim Blick auf die Daten für die Verbandsgemeinde Lambrecht fällt ein starker Anstieg der „Sonstigen Straftatbestände“ von 173 auf 232 Fälle auf. Hintergrund ist laut Peter Fuchs eine Serie von Sachbeschädigungen an Autos in Iggelbach. Die Serie flamme jetzt wieder auf. Daher wird die Polizei auf die Bürger zugehen und sie verstärkt um Hinweise bitten. „Das ist ein überschaubares Dorf, da sollten solche Taten eigentlich auffallen“, ist Berens überzeugt.
Insbesondere zwei Themen beschäftigen und besorgen Andreas Heintz, den Leiter der Kriminalinspektion. Das sind zum einen Taschendiebstähle, die insbesondere im Neustadter Fußgängerzonenbereich immer wieder passieren. Tragisch seien die Fälle vor allem dann, wenn die Täter dabei an eine EC-Karte kommen, „und die wird dann direkt zum Geldabheben eingesetzt“, sagt Heintz. Denn das bedeute: „Die Opfer hatten ihre Pin schriftlich auf einem Zettel festgehalten und im Geldbeutel dabei gehabt.“ Die Täter hätten so leichtes Spiel.
Bankautomaten ohne Kameras
Meist seien organisierte Banden bei solchen Delikten am Werk. Die Täter gingen sehr professionell vor. „Sie steuern gezielt Bankautomaten ohne Kameras an und probieren dann mehrere erbeutete Karten aus“, so Heintz. Die Täter blieben zudem nicht lange in der Stadt. Besonders schnell seien sie verschwunden, wenn sie merkten, dass die Polizei in der Fußgängerzone auftaucht. Für die Kriminalpolizei seien diese Fälle oft schwierig, weil es wenige Hinweise zu den Tätern gebe und die eben dann schon in den nächsten Ort weitergezogen seien. Daher setzt die Polizei stark auf Präventionsarbeit. „Mit Kreide malen wir Hinweise aufs Pflaster in der Fußgängerzone und wir sprechen Passanten an“, erläutert Berens. Damit wolle man die Menschen sensibilisieren, gut auf ihre Taschen aufzupassen. Außerdem würden Geschäftsinhaber angesprochen und gebeten, für die Prävention auch Videoüberwachung in Läden als Abschreckung einzusetzen. Außerdem appelliert Heintz an alle: „Bitte hinterlegen Sie keine Pin-Informationen im Geldbeutel und lassen Sie im Falle des Falles umgehend Ihre Karte sperren.“
Hoher Schaden durch Betrüger
Ein zweites großes Thema für die Kripo sind die Bereiche Enkeltrick am Telefon und Anlagebetrug im Internet. „Viele Menschen sind da einfach viel zu blauäugig“, meint Heintz. Sie ließen sich einschüchtern, unter Druck setzen und glaubten irgendwann falsche Informationen über vermeintliche Polizisten, Anlagenberater oder Staatsanwälte. Heintz hat schon viele Fälle erlebt, in denen die Opfer hohe Summen den Tätern übergeben oder zu einem Taxi gebracht haben, das das Geld abholen sollte. „Es gibt da zudem eine hohe Dunkelziffer. Viele trauen sich gar nicht, das anzuzeigen, weil sie sich dann schämen“, so Heintz. Die Täter agierten als professionelle Gruppen. Da werden Tausende Nummern am Tag angerufen. Heintz rät: Immer wachsam bleiben und Erzähltes hinterfragen. „Im Zweifel bitte rückversichern, aber nie die Wahlwiederholung drücken, dann landet man bei den Tätern“, erläutert Berens. Um viele Menschen zu erreichen, will die Polizei ein Bürgerforum in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsberatern der Stadt organisieren. „Wir brauchen ein großes Netz an Informierten, um dieses Phänomen eindämmen zu können“, sagt Berens.
Und damit noch mal kurz zum Thema Zahlen und dem Beispiel Cannabis. Dessen Teillegalisierung bedeutet nicht, dass die Polizei damit gar keine Arbeit mehr hat. Denn wer berauscht fährt, wird auch künftig bei Kontrollen entsprechend bestraft werden. „Viele haben den Irrglauben, dass die Legalisierung bedeutet, man darf nach dem Cannabis-Konsum noch Auto fahren, das ist aber wie bei Alkohol nicht legal“, betont Fuchs. Und Berens ergänzt: Der Kontrolldruck bleibe hoch, weil durch den Genuss von berauschenden Mitteln „keine höhere Gefahr im Straßenverkehr bestehen darf“. Diese Zahlen sind dann nur eben Sache der Verkehrsstatistik ...