Neustadt
Kostencheck Weinlesefest: So teuer sind Karussell, Riesenrad und Pommes
In der Exterstraße drehen sich Lastwagen, Gabelstapler und Feuerwehrautos um eine Dschungelkulisse aus beweglichen Affen, Schlangen, Bären und Tigern. Kaum hält das Kinderkarussell an, ruft ein Mädchen: „Mama, ich will noch mal!“ Einer von drei Fahrchips ist noch übrig, also nickt die Mutter und das Kind feixt vor Freude. Acht Euro kostet das dreifache Fahrvergnügen im Paket. „Der Rummel war schon immer teuer“, sagt die Oma aus Mußbach, die für eine weitere Runde ihrer zwei Enkel (ein/drei Jahre) ihr Portemonnaie zückt. Zum Glück seien die Kinder noch so klein, dass sie nicht jedes Fahrgeschäft ausprobieren wollten. Sonst gehe ein Besuch schnell ins Geld. „Wir nehmen Oma und Opa mit, die sind bei den Enkeln spendabel“, erklärt die Mama und lacht.
Ein 46-Jähriger aus Neidenfels nennt für seine vierköpfige Familie ein Budget von 200 bis 300 Euro pro Festwochenende. „Früher haben 80 Euro gereicht.“ Zwar gebe es von den Großeltern noch ein kleines Taschengeld fürs Fest, „aber mit zehn Euro kommt man nicht weit“. Deshalb sei die Familie auch nur noch ein und nicht mehr jedes Wochenende mit dabei.
Peter aus Rheingönheim und Herbert aus Landau haben sich am Freitagmittag mit Arbeitskollegen auf dem Weinlesefest verabredet. „Eigentlich war der Plan, auf die Schoppenwiese in Mußbach zu gehen, aber das Fest hier ist aus verschiedenen Richtungen leichter erreichbar“, erklärt Peter. Dem stimmt ein älteres Ehepaar aus Neckargemünd, das sich mit dazugestellt hat, zu. „Mit Pfälzern am Tisch kann man schwätzen, deshalb sind wir hier.“ Die Preise beim Weinlesefest findet er noch in Ordnung. „In Heidelberg bekommt man unter sechs Euro kein halbes Bier mehr.“
„Soll Familienfest bleiben“
Am Crêpes-Stand hält Gary Ehresmann nach eigenen Aussagen die alten „Corona-Preise“. „Ewig kann man das nicht machen, aber das Weinlesefest soll ein Familienfest bleiben“, erklärt er seine Einstellung. Auch an anderen Essensständen hört man von steigenden Kosten für Strom, Standgebühr und Personal, die Schausteller irgendwann an Kunden weitergeben müssten.
Am Enten-Angelspiel rechnen drei Kinder nach, wie viele Enten noch bis zum Wunschplüschtier für 1200 Punkte fehlen. „Ihr könnt das Fest über Punkte sammeln“, erklärt Peter Hanß, der auch die Buden mit dem Dosen- und dem Pfeilwerfen betreibt. Zur Diskussion rund um den Jahrmarkt und seinen Standort meint er: „Es braucht ein Familienangebot auf dem Fest, sonst geht’s nicht.“ Auf der Festwiese gebe es zwar viel Platz, „unter der Woche wäre dann aber nichts los“, ist Hanß überzeugt. Das Geschäft in der Exterstraße laufe dagegen überraschend positiv. „Im Grunde könnte es bleiben, wie es ist.“
Gemischte Resonanz
Nach dem Wochenende ziehen die Jahrmarkt-Beschicker am Montag ein gemischtes Fazit: Für die Betreiber der Fahrgeschäfte war der Feiertag am 3. Oktober ein „voller Erfolg“. Der normalerweise besucherstärkste Samstag sei wetterbedingt schwächer ausgefallen. „Regen merkt man immer“, sagt Maikel Blume, Betreiber des Wellenflugs. Er sei mit der Resonanz am Wochenende dennoch zufrieden, Beschicker von Ständen im unteren Bereich der Exterstraße berichten von spürbar weniger Kundenfrequenz – sie hoffen auf Besserung durch den neuen Standort 2026.
Ein Blick auf die Preislisten
An den Haiselschern kostet die Portion Pommes zumeist 4 Euro, die Bratwurst 4,50 Euro. Leberknödel mit Sauerkraut und Brot wird für 12,50 Euro angeboten, das Gemüseschnitzel mit Kartoffelsalat für 9,50 Euro. Das Winzersteak mit Pommes und Dip kostet 15, im Brötchen 8 Euro. Das Schnitzel mit Beilage gibt es für 14,50 Euro, den Wurstsalat mit Beilage für 13 Euro.
Auf dem Jahrmarkt gibt es viel Süßes (Churros 5 bis 7 Euro, Dampfnudel mit Soße 4 Euro, Schaumküsse 0,80 bis 1 Euro, gebrannte Mandeln ab 3,50 Euro, Nougat-Crêpes 4,50 Euro), aber auch Herzhaftes (Flammkuchen mit Schafskäse/Peperoni 9 Euro, Flammlachsbrötchen 10 Euro, Käse-/Rind-/Feuerwurst 5 Euro) zu probieren.
Bei den Fahrgeschäften winken oft Ermäßigungen, wenn man mehrere Tickets auf einmal kauft: So kosten die Kinderkarussells einfach drei Euro, vier Chips im Paket 10 Euro. Beim Entenangeln ist man für 26 Stück 10 Euro los, zwölf Pfeile wirft man für 5 Euro. Das Kettenkarussell Wellenflug kostet vier Euro, eine Fahrt auf dem Riesenrad 5 Euro.