Neustadt
Klemmhof-Tiefgarage: Zu wenig Anreize für hohe Auslastung
Das Thema Parkplätze ist ein emotionales in Neustadt. Wobei kaum jemand bezweifeln dürfte, dass es einen auffälligen Parksuchverkehr gibt. Aber auch nicht, dass in der Klemmhof-Tiefgarage eigentlich immer Stellplätze frei sind. Die Grünen im Stadtrat wollten deshalb Genaueres dazu wissen. Die Antworten der Verwaltung trug Verkehrsdezernent Bernhard Adams (parteilos) auf der jüngsten Ratssitzung vor.
Wie hoch ist die Auslastung des Klemmhofs?
Die Grünen fragten nach der durchschnittlichen Belegung, vor allem an Wochenenden. Adams berichtete, dass es in der Klemmhof-Tiefgarage grundsätzlich 455 Stellplätze gibt. 362 davon sind im Eigentum der Stadt, 34 gehören der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) und 59 sind in Sondereigentum Privater. Diese 59 sind fest zugeordnet, stehen anderen Kunden also nicht zur Verfügung. Es bleiben damit 396 Parkplätze. Im April des vergangenen Jahres gab es nach Auskunft des Pächters Parkservice Hüfner (Stuttgart) 274 Dauerpark-Mietverhältnisse, die von Anwohnern, Mietern des Klemmhofs oder Beschäftigten in der Innenstadt genutzt würden. Diese seien aber nicht an einen Standplatz gebunden und dadurch auch auf dem Markt, gerade weil an Wochenenden viele Dauerparker die Tiefgarage nicht nutzten.
Adams berichtete, dass Hüfner Belegungszahlen von zwei Samstagen im Mai 2024, einem starken Einkaufssamstag im Advent 2023 und einem verkaufsoffenen Sonntag im vergangenen Jahr zur Verfügung gestellt habe. An dem Sonntag waren demnach selbst zu Zeiten der stärksten Belegung noch 222 Stellplätze frei. An den Mai-Samstagen waren es sogar 287 Parkplätze, und am Adventssamstag hätten zu jeder Zeit immer noch mindestens 175 Autofahrer einen Platz gefunden.
Wäre es wirtschaftlich, durch eine Senkung der Preise die Auslastung zu erhöhen?
Die Grünen wollten wissen, wie stark die Auslastung im Klemmhof erhöht werden müsste, um die Preise dort auf das Niveau der oberirdischen Parkplätze senken zu können. Bei der Kalkulation dazu ging man laut Adams von zwei Szenarien aus: Im ersten ging es um Kurzparker, die durchschnittlich zwei Stunden ihren Wagen abstellen und im Klemmhof dann drei Euro bezahlen müssten (oberirdisch in der zentralen Innenstadt samstags ein Euro). Das zweite Szenario ging von zweieinhalb Stunden Parkdauer aus, wodurch vier beziehungsweise 1,50 Euro anfielen. Adams erläuterte dann Modellrechnungen, an deren Ende das Ergebnis stand, dass eine Verdreifachung beziehungsweise 2,7-Fachung der Kundenzahlen nötig sei, damit dem Pächter kein Umsatz entgeht. Der Dezernent meldete Zweifel an, dass dies realistisch sei.
Wie teuer wäre eine bessere Ausschilderung der Klemmhof-Tiefgarage?
Aktuell hat Neustadt ein statisches Parkleitsystem, also Schilder an den Straßen. Früher gab es auch Stellplätze mit dynamischen Anzeigen, die aber nicht gut funktionierten. Wenn Autofahrer den Parkplatz über den Gehweg verließen, wie es oft am Bachgängel West der Fall war, wurde der frei werdende Platz nicht als solcher registriert. Die Verwaltung erinnerte daran, dass ein neues System seinerzeit mit einem Millionenbetrag veranschlagt war. Die Stadt ist auch der Auffassung, dass an den Hauptverkehrsachsen ausreichend auf den Klemmhof hingewiesen wird. Lediglich an der Kreuzung Konrad-Adenauer-Straße/Exterstraße sieht man den Bedarf für eine „plakativere Zusatzbeschilderung für Auswärtige“. „Neustadter Bürgerinnen und Bürger kennen selbstverständlich Lage und Zufahrt der Klemmhof-Tiefgarage und meiden sie im Zweifelsfall aus anderen Gründen“, sagte Adams.
Wären ein digitales Parkleitsystem oder eine App sinnvoll?
Die Grünen fragten danach, was ein digitales Parkleitsystem kosten würde. Die Verwaltung verweist hier darauf, dass es im Klemmhof zu jeder Jahres- und jeder Tageszeit genügend freie Plätze gebe. Angesichts dessen sei eine Digitalisierung angesichts der Kosten unangebracht. Alleine eine digitale Säule koste rund 60.000 Euro.
Aus demselben Grund lehnt die Verwaltung auch eine eigene Webseite oder App ab, nach deren möglichen Kosten sich die Grünen auch erkundigten. Die Stadt geht hier von laufenden Kosten von mehr als 60.000 Euro im Jahr aus.
Auf die ebenfalls gestellte Frage, wie lange es dauern würde, bis sich diese Investitionen amortisieren würden, sagte Adams, dass man hier „endgültig im spekulativen Bereich angekommen“ sei. In den meisten Szenarien würden die Ausgaben durch die Erträge nicht gedeckt.
Ist also nichts zu machen?
Das würde Adams so wohl nicht sagen. Denn für das Ende seines Berichts hatte er sich eine Info aufgehoben, die den Rat hellhörig werden ließ. Der Verkehrsdezernent sagte, dass der aktuelle Pachtvertrag mit Hüfner „zu wenig Anreize bietet, für eine wirklich hohe Auslastung zu sorgen“. Mögliche Maßnahmen müssten daher in den Zusammenhang mit der Neuverhandlung des Pachtvertrages 2025 gestellt werden. Auf Nachfrage aus dem Rat bestätigte Adams, dass in diesem Jahr neu darüber verhandelt werde.