Lambrecht Kinderbetreuung: Evangelische Kita droht mittelfristig die Schließung

Die evangelische Kindertagesstätte in Lambrecht verfügt über 72 Plätze.
Die evangelische Kindertagesstätte in Lambrecht verfügt über 72 Plätze.

Pläne für eine Kooperation zwischen der Stadt Lambrecht und der evangelischen Kirche bei der Kinderbetreuung waren bisher nicht erfolgreich. Die Stadt plant einen eigenen Neubau. Doch was passiert, wenn die Kirche ihre Einrichtung ganz aufgibt?

Die Woche hat in Lambrecht mit einem Runden Tisch begonnen, bei dem es – zum wiederholten Mal – um eine mögliche Kooperation zwischen der Stadt und der evangelischen Kirche in Sachen Kinderbetreuung ging. Neu ist das Thema nicht, es stand bereits vor sechs Jahren auf der Tagesordnung. Bisher ohne großen Erfolg.

Pfarrer Martin Groß erklärt, warum er trotz allem noch einmal einen Vorstoß unternommen hat. „Uns geht es darum klar zu machen, dass unsere Kita auf längere Sicht nur dann bestehen kann, wenn die Stadt die Gebäudeträgerschaft übernimmt.“ Tue sie das nicht, gingen die vorhandenen 72 Plätze verloren – das sind immerhin etwas mehr als 40 Prozent aller 173 Betreuungsplätze in Lambrecht.

Die Stadt plant indes seit zwei Jahren einen Neubau für etwa 50 Kinder, mit dem der derzeitige Mangel an Betreuungsplätzen gedeckt werden soll. Zurzeit sind 18 Kinder provisorisch im Gemeinschaftshaus untergebracht, und Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller geht davon aus, dass die Anzahl der Kinder, die einen Anspruch auf einen Kita-Platz haben, im nächsten Kindergartenjahr weiter steigt.

Zweiter Fluchtweg fehlt

Klar ist: Der Neubau der Stadt wird nicht ausreichen, wenn die Plätze in der evangelischen Kita komplett wegfallen. „Es soll später niemand sagen: Hätte die Kirche das doch mitgeteilt“, sagt Groß. Wunsch der Kirche sei es, dass die Stadt das kirchliche Gebäude übernimmt, saniert und erweitert. Die 50 Plätze, die die Stadt in dem Neubau schaffen wolle, könnten auch in einem Erweiterungsbau entstehen.

Für den Lambrechter Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller kam die Nachricht, dass die Kita-Plätze der evangelischen Kirche mittelfristig wegfallen könnten, nach einem Bekunden überraschend. Grund sei das Fehlen eines zweiten Fluchtweges, berichtet er.

Eine Erweiterung der evangelischen Kita in Kooperation mit der Stadt war vor einigen Jahren bereits im Gespräch, es gab sogar eine Planung dafür. Der Stadtrat lehnte sie jedoch mehrheitlich ab. Stattdessen wurde ein Planungsbüro mit dem Entwurf eines Neubaus beauftragt. Dieser wurde im November vorgestellt. Der Stadtrat regte verschiedene Änderungen an, stimmte ansonsten aber zu. Das Gebäude soll auf dem Gelände des Boule- und des Wohnmobilstellplatzes neben dem Gemeinschaftshaus gebaut werden. Der überarbeitete Entwurf wird nun am Dienstag im Bau- und Stadtsanierungsausschuss vorgestellt. Und nun kommt da die Nachricht über den drohenden Wegfall der Plätze in der evangelischen Kirche. Was bedeutet das für den Entscheidungsprozess?

Müller: Werden zweigleisig fahren

„Wir werden nun zweigleisig fahren“, erklärte Müller am Montag auf Anfrage. Der geplante Neubau sei erweiterungsfähig, so dass auch drei statt nur zwei Gruppen untergebracht werden könnten. Abzuwarten sei auch, ob der evangelischen Kirche tatsächlich die Schließung drohe, oder ob die Einrichtung in verkleinerter Form weiter betrieben werden könne.

Im Blick auf eine mögliche Übernahme des Gebäudes müsse die Stadt jedenfalls wissen, wie es um die Bausubstanz insgesamt bestellt sei. „Das müsste geprüft werden“, so Müller. Zu sprechen sei auch über die Trägerschaft einer solchen erweiterten Einrichtung. Soll die Kirche zuständig sein oder die Stadt? Bedacht werden müsse, dass eine auf Kosten der Stadt sanierte und erweiterte Einrichtung in Trägerschaft der evangelischen Kirche auch Begehrlichkeiten bei der katholischen und der kommunalen Einrichtung wecken könnten, so Müller. Der erste Schritt für die Stadt sei nun ein Gespräch mit der Kommunalaufsicht.

Vom Tisch ist jedenfalls ein Neubau auf dem Tuchmacherplatz, den Müller im Januar als mögliche Alternative zum Standort neben dem Gemeinschaftshaus ins Gespräch gebracht hatte.

Groß macht unterdessen deutlich: „Wir müssen die Trägerschaft des Gebäudes abgeben, weil die Kirche sich wegen der rückläufigen Mitgliederzahl finanziell im freien Fall befindet. Das ist keine böse Absicht.“ Die Kirche wolle sich aber nicht komplett aus dem Kita-Betrieb zurückziehen. Und auch die auf den Einrichtungsbetrieb beschränkte Trägerschaft sei eine Entlastung der öffentlichen Hand.

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