Neustadt Keine Wünsche bleiben offen

Neustadt-Haardt. Das 194. Mandelring-Konzert im Anwesen der Familie Schmidt war am Samstag genau so, wie es dem Hausherrn Jörg Sebastian Schmidt gefällt: Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, alle kamen pünktlich, und das musikalische Angebot ließ keine Wünsche offen. Unter den Zuhörern waren auch einige der Bewohner des neuen Asylbewerberheims in Haardt, die ein bisschen einheimische Kultur schnuppern wollten.

Häufig sind es ja junge Musiker am Anfang ihrer Karriere, die bei der Familie Schmidt auftreten. Das Trio, das am Samstag mit Flöte, Viola und Harfe das Publikum bezauberte, spielt allerdings schon seit 1987 zusammen. Gaby Pas-van-Riet (Flöte), Gunter Teuffel (Viola) und Renie Yamahata (Harfe) sind alle Professoren an verschiedenen Musikhochschulen und zusammen Mitglieder des Radio Symphonieorchesters Stuttgart.

Besonders interessant war es, die Arbeit der Harfenistin aus nächster Nähe beobachten zu können. Dass hier auch die Fußarbeit an den Pedalen vollen Körpereinsatz erfordert, kann das Publikum im großen Konzertsaal nicht so gut bemerken. Das erste Stück, eine Sonate von Bach für Flöte und Harfe in C-Dur, ist, wie Gaby Pas-van-Riet erklärte, wahrscheinlich nur zum Teil von Johann Sebastian, vielleicht aber auch von einem seiner Söhne oder Schülern. Die Viola übernahm den Part des Basso Continuo.

Für Viola und Harfe waren die beiden Lieder des englischen Lautenisten John Dowland komponiert, der, wie Schmidt erklärte, ein sehr abenteuerlichen Leben im Zeitalter der konfessionellen Spaltung führte. Er war zunächst als Katholik in Paris, Wolfenbüttel, Kassel, Nürnberg und Kopenhagen tätig, bevor er – als Anglikaner – nach London zurückkehrte, Als Lautenist am königlichen Hof in London komponierte er Lieder oft melancholisch-amourösen Inhalts, wie sie in der Zeit der englischen Renaissance beliebt waren. Sein Lied „Flow, my tears“ (Fließet, meine Tränen) gab Benjamin Brittens die Anregung zu „Lacrimae – Reflections on a Song by Dowland“. Im direkten Vergleich waren aber mehr Gegensätze als Ähnlichkeiten zu hören. Dowlands Sehnsuchtslieder verschmähter Liebe sind ganz den Harmonievorstellungen der Elisabethanischen Epoche verpflichtet, Britten hingegen ist sehr frei in seinen Gedanken zum Thema. Hier fließen die Tränen sehr viel länger und ausführlicher. Sie sind auch nicht nur von einem, sondern von vielen Gefühlen geprägt, von Traurigkeit bis zur Wut. Auch anderen Musikern, etwa den Pop-Musiker Sting und Elvis Costello, sind die in England sehr bekannten Lieder Dowlands ein Anlass zur Bearbeitung gewesen.

„Deux Interludes“ für Flöte, Viola und Harfe des französischen Komponisten Jacques Ibert boten in ihrem spätromantischen Charakter dann einen interessanten Gegensatz zu Brittens Musik. Die Fantasie für Flöte und Harfe von Camille Saint-Saëns op. 124 ist eigentlich für Geige und Harfe komponiert worden. Gaby Pas-van-Riet liebt, wie sie sagte, dieses Stück aber so sehr, dass sie es für Flöte transkribiert hat. In Benjamin Brittens „Lacrimae“ war es ähnlich: Hier hatte die Harfe den ursprünglich für Streicher oder Klavier vorgesehenen Teil übernommen. Die Sonate für Flöte, Viola und Harfe von Claude Debussy, die zum Abschluss erklang, ist ebenfalls eines der Pas-van-Riet’schen Lieblingsstücke und Debussy einer ihrer Lieblingskomponisten. Wie die Stimmen der Instrumente ineinander übergehen und schließlich ganz allmählich verklingen, hat es ihr besonders angetan. Man kann es verstehen.

Das begeisterte Publikum wollte die Musiker nicht gehen lassen, bevor sie nicht noch eine Zugabe gespielt hatten: Sie wiederholten daraufhin den wunderschönen zweiten Satz von Iberts Interlude.

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