Haßloch Katholische Männergemeinschaft: 120 Jahre wechselvolle Geschichte

Drei ehemalige Vorsitzende der Männergemeinschaft St. Gallus: rechts Erwin Steidel (ab 1977), links Hubert Bohmüller (danach bis
Drei ehemalige Vorsitzende der Männergemeinschaft St. Gallus: rechts Erwin Steidel (ab 1977), links Hubert Bohmüller (danach bis 1993), in der Mitte Norbert Heine (1993 bis 2018).

Auf eine 120-jährige Geschichte kann die Katholische Männergemeinschaft St. Gallus zurückblicken. Das Jubiläum wird am Freitag, 12. Juli, mit dem traditionellen Spießbratenessen im Pfarrgarten St. Gallus gefeiert. Wie ist die Vereinigung entstanden?

Die Festschrift, die der frühere Vorsitzende Norbert Heine 2004 zum 100-jährigen Bestehen verfasst hat, zeugt von der wechselvollen Geschichte der Katholischen Männergemeinschaft St. Gallus.

Als 1904 der Katholische Männer- und Jünglingsverein Haßloch gegründet wurde, waren 80 Prozent der damals 6500 Einwohner protestantisch, nur etwas mehr als 20 Prozent waren Katholiken. Haßloch war vor dem Ersten Weltkrieg ein typisches Arbeiter- und Bauerndorf mit gut 1000 Auspendlern. Bischof Joseph Georg von Ehrler setzte sich engagiert für die Belange der Arbeiterschaft ein und stärkte von Anfang an den katholischen Arbeitern den Rücken. Dem Ortspfarrer wurde als Vereinspräses von Amts wegen eine besondere Stellung eingeräumt. Seit 1894 wirkte Pfarrer Nikolaus Jung in Haßloch. 1896 sorgte er zum Nutzen der außer Haus arbeitenden katholischen Mütter und der Kranken für eine Niederlassung der Mallersdorfer Schwestern mit Kindergarten und ambulanter Krankenpflege.

Vorträge, Theater, Musik

Bei einem der vereinsangehörigen katholischen Wirte fanden monatliche Vorträge für die Mitglieder statt. Für Palmsonntag 1907 wurde erstmals zur sogenannten Generalkommunion des Katholischen Männer- und Jünglingsvereins aufgerufen. Während Theateraufführungen ab 1911 und später eine eigene Theaterabteilung des Vereins nachweisbar sind, war nach dem Ersten Weltkrieg auch im Jungmännerverband die Turn- und Sportbewegung stark gefragt. Für musikalische Darbietungen zeichneten die Musikabteilung und das Mandolinenorchester des Vereins verantwortlich.

In der ersten Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten blieb die katholische Männerarbeit in Haßloch noch relativ ungestört. Pfarrer Bruno Dell verkündete jedoch an Weihnachten 1933 von der Kanzel: „Der traditionellen Weihnachtsfeier der katholischen Pfarrfamilie im Saal der Brauerei Löwer kommt insofern Bedeutung zu, als es in Anbetracht des Versammlungsverbotes wohl in Zukunft nur an Weihnachten möglich sein wird, außerhalb der Kirche die ganze Kultusgemeinde zusammenzubringen.“ Die zuvor am 8. November geplante weltliche Feier zur Amtseinführung von Pfarrer Dell im Saal der Wirtschaft Nagel war von den NS-Machthabern verboten worden.

1938 von den Nazis aufgelöst

Mit Verordnung von Gauleiter Josef Bürckel am 30. Juni 1935 wurde allen konfessionellen Jugendverbänden verboten, Abzeichen und Uniformen zu tragen, geschlossen aufzumarschieren sowie Banner und Sportausrüstung zu besitzen. Jede Betätigung, die über das rein Religiöse hinausging, wurde untersagt. Vor dem 1. Dezember 1936, als die gesamte deutsche Jugend der Hitlerjugend beitreten musste, war kein Vereinsmitglied in der HJ engagiert. Am 30. Januar 1938 wurden die katholischen Jugendvereine im Bezirk Saarpfalz aufgelöst. Da der katholische Männerverein satzungsgemäß aufs Engste mit dem Jünglingsverein verbunden war, wurde auch dieser mit aufgelöst.

Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg war im Mai 1947 unter dem Namen ,„Katholisches Männerwerk Haßloch“. Im Juni 1949 zählte der Verein 205 Mitglieder. Die Tradition des Theaterspielens wurde wiederbelebt: Am 1. Adventssonntag 1949 fand eine erste Theateraufführung in der Friesenhalle statt. Die Sportfreunde aus dem Verein waren und sind meist dem VfB verbunden, der sich Ende 1951 gebildet hatte. Die 1953 beschlossene Satzung des Katholischen Männer- und Jungmännervereins Haßloch weist unter anderem eine Theater- und Musikabteilung sowie eine selbstständige Sportabteilung aus.

Neuer Name seit 1977

1977 wurde die noch heute gültige Satzung verabschiedet. Der Verein gab sich damals den Namen „Katholische Männergemeinschaft St. Gallus“. In der Folgezeit wuchs der Verein auf über 140 Männer. Mit Veranstaltungen wird dem Lehmgrubenfest (bis 1994), Fasnachtsveranstaltungen beim VfB beziehungsweise im „Schwanen“ und Weinproben prägte der Verein das Dorfleben. Der religiösen Aspekt wird immer noch durch die Teilnahme am Familientag an der Michaelskapelle bei Deidesheim, am Männermorgen des Dekanats im Advent und beim Kreuzweg zur Annakapelle Burrrweiler gepflegt. Vorsitzender seit 2018 ist Wolfgang Schmidt.

Termine

Die Männergemeinschaft St. Gallus feiert das 120-jährige Bestehen mit interessierten Bürgern am Freitag, 12. Juli, mit dem Spießbratenessen im Pfarrgarten St. Gallus und am Sonntag, 14. Juli, um 10.30 Uhr mit einem Dank-Gottesdienst in St. Gallus und Treffen im Pfarrzentrum.

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