Deidesheim
Kahlfläche sorgt für Unmut: Was hinter der Rodung steckt
„Kommen die Wildschweine jetzt schon in Wohngebiete?“ Eine Frage, die einem Ehepaar aus Deidesheim zuletzt gestellt wurde. Der Grund dafür war nicht etwa der Besuch der vierbeinigen Waldbewohner, sondern der Anblick eines kahlgeräumten Grünstreifens vor ihrem Haus im Platanenweg. Noch am Vortag säumten dort Hecken und Stauden den Vorgarten, am nächsten Morgen war der Bewuchs verschwunden – ohne Vorankündigung, wie die Anwohner in einem Schreiben an die RHEINPFALZ schildern.
Wo zuvor gewachsenes Grün „der Vogelwelt Lebensraum und Schutz“ geboten habe, habe sich plötzlich eine kahle, trostlose Fläche aufgetan, die im Vorübergehen allerlei Spekulationen auslöste. „Jeden Tag gehen wir mehrmals an dieser Stelle vorbei und müssen sehr viel Energie aufwenden, um uns ruhig zu stellen“, schreiben die Hundebesitzer.
Kritik an mangelnder Kommunikation
Ihr Ärger richtet sich dabei nicht allein gegen die Rodung als solche. Was das Paar besonders beklagt, ist der aus ihrer Sicht fehlende Hinweis auf die Maßnahme und der Umstand, dass die freigeräumte Fläche über längere Zeit in einem Zustand blieb, der „eher an Verwüstung als an eine geplante Neugestaltung“ denken ließ. Von den Verantwortlichen, so schildern es die Anwohner, sei ihnen mitgeteilt worden, dass dort ein Staudenbeet mit Kiesgrund entstehen solle. Auf ihre Hinweise hin habe es geheißen: „Wir schicken gleich jemanden vorbei, der die Sache in die Hand nimmt.“
„Wirklichen Naturschutz und Bürgernähe sehen wir anders“, schreibt das Paar. Zunächst einmal, so die Forderung, sollten Bürger vorab informiert werden. Außerdem hätte man die alten Hecken und Pflanzen zur Wiederverwendung anbieten können, „zum Beispiel in unserem naturnahen Garten“.
Neubepflanzung im Frühjahr geplant
Auf Anfrage der RHEINPFALZ teilt die Pressestelle der Verbandsgemeindeverwaltung mit, dass „die im Platanenweg in den jeweiligen Beeten befindlichen Stauden und Hecken von Mitarbeitern der Stadtgärtnerei entfernt wurden“. Zur Begründung führt die Verwaltung aus, dass „der alte Bewuchs in die Jahre gekommen war und durch die ständigen Rückschnitte wenig Rückzugsraum und Nahrung für die Tierwelt geboten hat“. Die Abräumarbeiten seien unter Einhaltung der Naturschutzvorgaben noch vor dem 28. Februar durchgeführt worden.
„Die Neuanlage ist gemäß Arbeitsplanung der Stadtgärtnerei zeitnah vorgesehen“, so die Pressestelle weiter. So solle der öffentliche Grünstreifen entlang des Platanenwegs im Frühjahr neu bepflanzt werden. Vorgesehen sei ein pflegeleichtes, artenreiches Kiesbeet. „Die Bepflanzung erfolgt mit bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen, so dass möglichst über das ganze Jahr Nahrung für diese Tiere vorhanden ist.“
Nicht das erste Kiesbeet
Ein ähnliches Kiesbeet befindet sich nach Angaben der Verwaltung bereits im Bahnhofsumfeld im Kreuzungsbereich Heckenackerweg/Im Kathrinenbild und habe sich dort bewährt. Im Unterschied zu einem „Schotterbeet“ bestehen Kiesbeete aus mineralischem Substrat. So könne Wasser im Boden versickern, während die Pflanzen zugleich gute Wachstumsbedingungen vorfänden. Mit der Zeit vermische sich das Gesteinsmaterial mit dem Boden, sodass dieser locker und wasserdurchlässig bleibe.
Einem weiteren Verdacht tritt die Verwaltung ausdrücklich entgegen: Eine Umwandlung der Beete in Parkflächen sei keinesfalls vorgesehen.