Wasserball
„Kümmern uns mit Herz und Seele“: SCN-Manager über die Zukunft der Wasserballer
Herr Heinz, bitte ein kurzer Rückblick. Was hätte der SCN im in dieser Saison besser machen können? Was war das beste Erlebnis für Sie, was erzeugte Frust?
Die Mannschaft hat sich unter Milos Seculic in dieser Saison individuell wie kollektiv klar weiterentwickelt – das war für mich sehr positiv. Diese Entwicklung hat sich auch in einer starken Vorrunde mit zehn Siegen gezeigt, und natürlich hatten wir gehofft, diesen Schwung in die Hauptrunde mitzunehmen. Ein entscheidender Einschnitt war allerdings erneut der Abbau der Traglufthalle, der uns unmittelbar vor Beginn der Hauptrunde drei Wochen ohne regulären Trainingsbetrieb gekostet hat. Mit dieser strukturellen Einschränkung stehen wir in Deutschland ziemlich allein da. Entsprechend war es nicht einfach, die Mannschaft mehrfach pro Woche zu Fahrten nach Stuttgart für das Training zu motivieren. Das hat verständlicherweise auch Frust ausgelöst, auch wenn wir grundsätzlich wissen, dass wir in Neustadt infrastrukturell insgesamt gut aufgestellt sind.
Herr Heinz: Ein Aufsteiger hat es im ersten Jahr in einer höheren Liga meist leichter als im zweiten Jahr. Wie wollen Sie das Team noch stabilisieren oder gar noch stärker machen?
Ich bin mir nicht sicher, ob es ein Aufsteiger grundsätzlich leichter hat. Aber die Euphorie in einem Aufstiegsjahr ist natürlich oft größer als nach mehreren Jahren in derselben Liga. Genau deshalb wollen wir ansetzen und in Neustadt dauerhaft professionellere Strukturen schaffen. Dafür braucht es neben dem großen ideellen Einsatz vor allem eine starke Jugendarbeit sowie verlässliche Förderer und Sponsoren – und um diese Unterstützung müssen wir werben.
Milos Sekulic, ehemaliger Bundestrainer des Deutschen Schwimmverbandes, hat das Team auf die Spielklasse taktisch und spielerisch optimal vorbereitet. Die Fragen nach seinem weiteren Verbleib beim SCN hat er bislang nur zögernd abwartend beantwortet. Gibt es inzwischen eine Entscheidung?
Eine finale Entscheidung gibt es noch nicht. Im Boxen würde man sagen: Milos boxt in Neustadt unter seiner Gewichtsklasse – und genau deshalb steht er auch bei Profivereinen hoch im Kurs.
Haben Sie einen adäquaten Ersatz im Visier?
Wir beobachten den Markt sehr aufmerksam. Entscheidend wäre für uns aber nicht nur die fachliche Qualität, sondern vor allem auch, dass ein möglicher Nachfolger menschlich zu uns und unserem Weg in Neustadt passt.
Wie sieht es bei den Spielern aus, welche Abgänge gibt es, welche Zugänge kommen?
Unser Kapitän Matthias Held hat sich abgemeldet, während der Rückrunde hat uns bereits Matija Zezelj verlassen. Ihm wurden die Fahrten aus Ludwigsburg zu anstrengend. Wir verzeichnen zwei Zugänge. Alexandros Vlantoussis, der auch bereits in der U18 für uns gespielt hat, kehrt aus Holland nach seinem Studium zu uns zurück. Außerdem spielt bei uns künftig der US-Amerikaner Parker Wilk. Und wir arbeiten noch an der ein oder anderen Verstärkung.
Sie sagen es in einem in Online-Aufruf: „Wir haben Hunger auf mehr.“ Was meinen Sie damit?
Wer nicht den Anspruch hat, sich stetig weiterzuentwickeln und mehr erreichen zu wollen, wird auf Dauer nicht erfolgreich sein. Unser Ziel ist es, im Jugendbereich zur deutschen Spitze zu gehören und uns auch im Herrenbereich Schritt für Schritt weiterzugehen.
Sie kokettieren gerne mit dem Begriff „gallisches Dorf“ und spielen damit auf die Rolle der starken Gallier um Asterix und Obelix an. Wer den SCN kennt, sieht durchaus den Charme und die sympathischen Gestalten der SCN-Wasserball-Familie. Reicht das, um neue Spieler und gegebenenfalls auch einen qualifizierten Trainer zu angeln?
Nein, dass allein genügt nicht. Aber in Neustadt bieten wir ein Gesamtpaket, das weit über den Sport hinausgeht. Wir kümmern uns mit Herz und Seele, und genau das ist oft der entscheidende Unterschied.
In den Vorjahren gab es mehrere starke Jugendjahrgänge, die jetzt auch wichtige Positionen in der ersten und zweiten Mannschaft übernehmen. Doch der Zeitgeist macht sich bemerkbar, es fehlt bei den Nachwuchsteams an Zuwachs und auch an der Bereitschaft, mehrmals in der Woche zu trainieren. Wie lösen Sie diese Problematik?
Das ist eine Entwicklung, die viele Vereine spüren. Unser Ansatz ist deshalb klar: Wir müssen wieder mehr Kinder und Jugendliche für den Sport begeistern und zugleich deutlich machen, dass Entwicklung nur mit Regelmäßigkeit, Einsatz und Trainingsbereitschaft funktioniert und neben dem Sport, die beste Vorbereitung für das weitere Leben ist. Entscheidend ist auch, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, aber auch eine klare Leistungskultur vorzuleben. Nur so können wir den Nachwuchs langfristig stärken. Ein Baustein dafür ist erstmalig unser diesjähriges Sommer Feriencamp in den letzten drei Ferienwochen, bei dem wir auch ganztägige Betreuung mit Schwimm- und Wasserballkurse für Sechs- bis Zehnjährige im Hambacher Schwimmbad anbieten werden.
Zur Person
Die Strippen in der Wasserball-Abteilung des SCN zieht Michael Heinz. Der 62-Jährige war viele Jahre im BASF-Vorstand und in Personal-Union Manager bei den Wasserballern. Jetzt ist er im „Unruhestand“ und seit einigen Monaten Vorsitzender des SCN und vertritt weiterhin zusammen mit Lars Ananias die administrative Seite der Wasserballer. Interview: Heike Klein