Hertlingshausen RHEINPFALZ Plus Artikel Jahresprogramm des Vereins „Jekawa“ im Karolinenhof startet mit der britischen Komödie „Heisenberg“

Eigene Stücke, die auf anonymisierten Originalprotokollen realer Therapiesitzungen beruhten, hat der Hausherr und Psychotherapeu
Eigene Stücke, die auf anonymisierten Originalprotokollen realer Therapiesitzungen beruhten, hat der Hausherr und Psychotherapeut Hans Volker Bolay schon mehrfach im Karolinenhof in professionellen Aufführungen auf dei Bühne gebracht – das Foto zum Beispiel zeigt die Premiere von »Mariannes Baby« mit Monika-Margret Steger und Ulrich Westermann im Juni 2024. In diesem Jahr sind gleich zwei seiner Werke zu sehen.

In diesem Jahr kommen gleich zwei eigene Stücke des Hausherrn auf die Bühne.

Die inzwischen schon neunte Saison der Kulturreihe des Vereins „Jeder kann was“ (Jekawa) im Karolinenhof in Hertlingshausen umfasst in diesem Jahr acht Programmpunkte. Darunter ist manches Bewährte, aber auch Neues. Und das Besondere ist diesmal, dass gleich zwei eigene Stücke des Hausherrn auf die Bühne gebracht werden.

Eigentümer der historischen Hofanlage aus dem 18. Jahrhundert ist Hans Volker Bolay. Der Professor für Musiktherapie war von 1984 bis 2010 Dekan in seinem Fachbereich an der SRH Hochschule Heidelberg und ist seit 1987 als Psycho- und Musiktherapeut mit eigener Praxis niedergelassen. 2018 gründete er mit einigen Mitstreitern den gemeinnützigen Verein „Jekawa“, dem er seitdem vorsteht. Der hat sich die Förderung von Inklusion und Integration durch künstlerische Aktivitäten im Leiningerland auf die Fahnen geschrieben.

„Grenzgänge“ gab es im Karolinenhof schon mehrfach

Die Theateraufführungen, Konzerte und die Mitmach-Freizeit im Sommer geben immer Anregungen zum Nachdenken und für Gespräche. Schon in der Vergangenheit hat Bolay dabei auch einzelne Bühnenstücke präsentiert, die aus der eigenen Feder stammten, etwa 2023 „Wenn Hunde Erdbeeren essen – oder wie ich das Leben überlebte“ oder 2024 „Mariannes Baby“. Sie basierten alle auf anonymisierten Originalprotokollen realer Therapiesitzungen, und der Autor fasst sie in der Reihe „Grenzgänge“ zusammen. Premiere ist stets in Hertlingshausen, aber inzwischen laufen Bolays Werke in verschiedenen Theatern, etwa in Speyer, Mannheim, Heidelberg und Düsseldorf.

In dieser Saison wird er im Karolinenhof sogar zwei seiner Arbeiten den Erstauftritt ermöglichen: „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ am 13. Juni und „Hermines Tango“ am 26. September. Das Juni-Stück verspreche einen „Abend zwischen Genialität und Irrsinn“, sagt Bolay. Im Fokus stehe die biografische Genese von fünf Patienten einer Psychotherapeutischen Klinik. Die zwei Jugendlichen und drei Erwachsenen seien aus ganz normalen Lebensumständen einfach „herausgekippt“, erklärt der 74-Jährige. Beim Lauschen von Tonbandmitschnitten mit Berichten über Erlebnisse und Wahrnehmungen der Betroffenen, vorgetragen in einer szenischen Lesung von Madlen Flörsch (Göllheim) und Constantin Keller (Donaueschingen), lässt sich die Entstehung der Krankheitsbilder eindrücklich nachvollziehen.

Eine starke Frau erkämpft ihr Lebensglück

„Dazu werden Bilder aus der Prinzhorn-Sammlung eingeblendet“, erläutert Bolay. Der Kunsthistoriker und Arzt Hans Prinzhorn (1886–1933) hat Gemälde und Zeichnungen von Insassen psychiatrischer Anstalten aufbewahrt, die in der Kunsttherapie entstanden waren. „Besucher sind fasziniert von der Ausdrucksstärke. Die Kranken bringen die Dinge ziemlich genau auf den Punkt“, erklärt Bolay. Inzwischen sind neben circa 6000 historischen Werken mehr als 30.000 neuere Objekte dazugekommen. Zu sehen sind sie in einem Museum, das der Klinik für Allgemeinde Psychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg angeschlossen ist. Was am 13. Juni im Karolinenhof gezeigt wird, unterstreicht musikalisch ein Quintett, in dem der „Jekawa“-Vorsitzende selbst als Pianist mitwirkt. Beim Betrachten der Bilder verschwimme die Grenze zwischen „normal“ und „verrückt“, meint der Carlsberger.

Zur Reihe „Grenzgänge“ gehört auch „Hermines Tango – Geschichte einer Auferstehung“. Im Fokus steht eine starke Frau, die ihr Lebensglück erkämpft und sich aus der krankhaften Düsternis ihrer Existenz befreit. „Sie litt an einer hysterischen Lähmung, die ihre Ursache häufig in Traumata, unerträglichen Konflikten oder Beziehungsstörungen hat“, berichtet der Musiktherapeut von der Patientin. „Ich habe sie im Gedächtnis und in meinen Notizen behalten.“ Die Frau, die sehr gern Tango getanzt habe, sei ein Mut spendendes Beispiel dafür, die eigenen Träume gegen alle Widerstände zu verteidigen. Am Ende sei sie als Organistin nach Paris gegangen. Es spielen Angela H. Fischer (Bern) und Andreas Strigl (Witten).

Ein ungleiches Paar steht bei „Heisenberg“ im Zentrum

Um auch die in den aktuellen Zeiten besonders wichtige Heiterkeit nicht zu kurz kommen zu lassen, steht zur Saisoneröffnung am 21. März „Heisenberg“ im Programm. Die unterhaltsame und niveauvolle Komödie von Simon Stephens, der aktuell in Großbritannien sehr viel gespielt wird, dreht sich um ein ungleiches Paar: die chaotische, 40-jährige Georgie und den ruhigen 75-jährigen Metzger Alex. Es spielen Steffi Bepunkt und Klaus Ellmer vom „Tournee-Theater Stuttgart“. Um verdeckte Machtstrukturen in Beziehungen geht es in dem Solostück „#Faust #Gretchen“, das das Knirps-Theater Bad Ems am 6. August im Karolinenhof aufführt. „Es wird gefördert vom Familienministerium“, sagt Bolay und merkt an, dass es in keinem Jahr bisher so schwierig gewesen sei, an öffentliche Gelder heranzukommen. Das Gastspiel ist Auftakt zu einer viertägigen Theater- und Musik-Freizeit. Zum Thema „Wie geht Zukunft? Hoffnungen und Ängste in Szene gesetzt …“ werden dabei bis 9. August Workshops für Teilnehmer aller Altersstufen angeboten und abschließend das Ergebnis öffentlich präsentiert.

Einblicke in das Buch „Landluft“ von Wolf Uecker gewährt der Schauspieler Aart Veder vom Staatstheater Darmstadt am 24. Oktober in einer musikalischen Lesung. „Zwei Städter stellen auf skurrile Art fest, dass das Leben in einem Dorf mit besonderen Herausforderungen verbunden ist“, erläutert der Gastgeber. Ergänzt wird das Jahresprogramm von zwei musikalischen Darbietungen, dem „Jazzpoint“-Konzert mit dem Trio Paata Demurishvili (Piano), Paul Stoltze (Saxophon) und Thomas Keemss (Drums) am 25. April und dem Lametta-Adventskonzert am 18. Dezember.

Noch Fragen?

Die Veranstaltungen beginnen alle – außer dem mehrtägigen Festival – um 19.30 Uhr im Karolinenhof, Unnerdorf 7, in Carlsberg-Hertlingshausen. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter 06356 8634 oder info@jekawa.de wird dringend gebeten. Weitere Infos unter www.jekawa.de.

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