Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Iran-Krieg: Pfälzer Ehepaar bei Rückreise in Beschuss geraten

Blicke gen Himmel: Am Busterminal in Katar realisieren die Menschen, dass sie unter Beschuss geraten könnten.
Blicke gen Himmel: Am Busterminal in Katar realisieren die Menschen, dass sie unter Beschuss geraten könnten.

Der Neustadter RHEINPFALZ-Fotograf Kai Mehn hat es mit seiner Frau aus Katar nach Hause geschafft. Die Rückreise war nicht nur lang und anstrengend, sondern auch gefährlich.

Manchmal ist man einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort – und sei es auch nur ganz kurz. Der Neustadter Kai Mehn, der auch als Fotograf für die RHEINPFALZ tätig ist, wollte Ende vorvergangener Woche einfach nur mit seiner Frau Susanne Kimmel von der Hochzeitsreise in Indonesien nach Hause fliegen.

Flüge nach und von Fernost sind oft mit Zwischenlandungen in den Golfstaaten verbunden, etwa in Dubai, das zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört, oder in Doha, der Hauptstadt von Katar. Dort landete auch das Neustadter Ehepaar. Lange aufhalten sollten sie sich dort nicht – und taten es zunächst auch nicht. Ihr Flug hob planmäßig am Samstagmorgen ab, doch über dem saudischen Flugraum musste der Flieger kreisen, der Kapitän hatte die Info bekommen, dass der irakischen Luftraum nicht sicher sei. Zu diesem Zeitpunkt gingen bereits die Eilmeldungen um die Welt, dass Israel den Iran angegriffen hatte – wenig später war klar, dass auch die USA beteiligt waren.

Wäre ihr Flieger nur etwas früher gestartet, hätten es Mehn und Kimmel nach Hause geschafft – sie waren eben nur zur etwas falschen Zeit am falschen Ort. Die Maschine von Qatar Airways musste also nach Doha zurückkehren. Bereits am Montag vergangener Woche hatte Mehn der Redaktion aus Katar berichtet, dass sie dort in einem Hotel festsaßen, Zeugen von Flugabwehrfeuer, von übers Hotel fliegenden Raketen und von Einschläge wurden, die auch den Frühstücksraum vibrieren ließen. Die Iraner nahmen (und nehmen) die Militärbasis Al Udeid in Katar ins Visier, auf der amerikanischen Truppen stationiert sind.

Gefahr durch herabfallende Trümmerteile

Die Neustadter mussten im Hotelgebäude bleiben, zu groß wurde das Risiko eingeschätzt, von herabfallenden Trümmerteilen getroffen zu werden. Dann hieß es warten – auf eine Perspektive, wieder nach Hause zu kommen. Wann das sein würde, konnte Mehn am Montag vergangener Woche noch nicht sagen. Mit Grausen musste er an die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump denken, der von einer vierwöchigen Dauer des Krieges gesprochen hatte.

Mit zehn Bussen im Konvoi: Pause in der Wüste Saudi-Arabiens.
Mit zehn Bussen im Konvoi: Pause in der Wüste Saudi-Arabiens.

Doch dann schien es recht schnell eine Möglichkeit zu geben. Am Montagabend erhielten sie Tickets für eine Maschine am Folgetag, allerdings wurde der Flug noch in der Nacht abgesagt – zu unsicher blieb die Lage. Im Raum stand auch immer, sich auf dem Landweg bis nach Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens, durchzuschlagen. Die Neustadter schreckten davor jedoch zurück, zu kompliziert schien es, das auf eigene Faust zu tun. Dann erhielten sie die Nachricht, dass Qatar Airways die Gestrandeten auf diesem Weg rausbringen wolle. „Kurz danach hieß es, das gehe doch nicht“, blickt Mehn zurück, „der Weg führte nämlich an der US-Militärbasis vorbei.“ Und die war ja weiterhin Ziel iranischer Raketen und Drohnen.

„Menschen haben geschrien“

Am Donnerstag stellte Qatar Airways dann dennoch einen Konvoi für seine Reisenden auf die Beine. Mit Bussen ging es zunächst von den Hotels zu einem Busterminal. Dort spitzte sich die Lage urplötzlich zu: Die Blicke richteten sich zum Himmel. „Wir sind in Beschuss geraten“, erzählt der Neustadter. Nur wenige hundert Meter entfernt seien von der Luftverteidigung zerstörte Raketenteile aufgeschlagen, am Boden sei es auch zu Detonationen gekommen. „Menschen haben geschrien, haben sich in Gebäude geflüchtet“, berichtet der Fotograf, „das war wirklich dramatisch.“

Er rechnete auch damit, dass die geplante Fahrt ins Nachbarland deswegen abgebrochen werde, doch eine halbe Stunde später machten sich zehn Busse auf den Weg zur saudisch-katarischen Grenze, sieben davon mit Reisenden besetzt, drei mit Proviant und Ausrüstung wie beispielsweise Decken. Nach anderthalb Stunden Fahrt erreichten sie die Grenze. Und dort wurde es anstrengend. Anfangs hätten sie die Info gehabt, dass sie kein Visum für die Einreise benötigten, sagt Mehn. Das stellte sich als Irrtum heraus: Alle 350 Reisenden brauchten eines, was Stunden dauerte. Hinzu kamen im Anschluss mehrere Kontrollstellen: Die Busse wurden mit Hunden durchsucht, danach wurden die Visa kontrolliert. „Wir haben insgesamt elf Stunden im Transitbereich verbracht“, berichtet Mehn von einer Nervenprobe.

Auch im Flugzeug noch nervös

Danach ging es sechs Stunden lang durch die saudische Wüste bis nach Riad. Als Mehn dort am Flughafen eine Eilmeldung aufs Handy bekam, dass die Lufthansa Evakuierungsflüge abgebrochen habe, sei er fix und fertig gewesen. Er dachte, dass sie jetzt in Riad festsitzen würden. Doch Qatar Airways flog. Es war auch die katarische Fluggesellschaft, die die Reise für das Neustadter Ehepaar und die anderen Urlauber komplett organisierte, deutsche staatliche Stellen seien nicht involviert gewesen. „Die haben einen Topjob gemacht“, lobt der Fotograf.

Doch selbst als die Räder des Flugzeugs vom saudischen Boden abhoben, blieb Mehn nervös. Schließlich befand er sich immer noch in einer Weltregion, in der aktuell Raketen, Drohnen und Flugabwehrgeschosse durch die Luft flogen. Erst als sie über Jordanien waren, fiel die Anspannung ab und er schlief erschöpft ein. Geweckt wurde er erst von der Durchsage des Kapitäns, dass die Maschine im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen sei.

Am Freitagabend waren Susanne Kimmel und Kai Mehn zurück in Neustadt, 36 Stunden nachdem sie in ihrem Hotel in Katar aufgebrochen waren. Im Gespräch wird deutlich, dass Kai Mehn schon noch unter dem Eindruck der Ereignisse steht. Samstags habe er sich dann erst mal mit Arbeit abgelenkt, sagt er. Danach war es an der Zeit, bei Verwandten und Freunden vorbeizuschauen, die mit den beiden im Krieg Gestrandeten mitgezittert hatten.

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