Neustadt Im Fieber der Nacht

Ein Stern (der freilich einen Namen trägt) hat ihn berühmt gemacht: Schlagersänger Nik P. bei seinem umjubelten Auftritt im Neus
Ein Stern (der freilich einen Namen trägt) hat ihn berühmt gemacht: Schlagersänger Nik P. bei seinem umjubelten Auftritt im Neustadter Saalbau.

«Neustadt.» Über rund 900 Besucher durfte sich die Konzertagentur Hohenstein bei dem von ihr organisiertem Auftritt des österreichischen Musikers Nik P. und seiner Band am Donnerstag im Neustadter Saalbau freuen. Mitten unter ihnen auch die wohl größte Anhängerin des „Ein Stern (...der deinen Namen trägt)“-Sängers, die 21-jährige Studentin Melissa, die extra aus München angereist war, um ihrem Idol nahe zu sein.

Schon lange vor Konzertbeginn stand sie in schwarzer Jacke mit „Nik P.“-Aufdruck inmitten der wartenden Menge von Schlagerfans, die es kaum erwarten konnten, eingelassen zu werden. Gegen 19 Uhr war es dann endlich soweit – die Türen des Saalbaus öffneten sich und alle drängten ins Foyer, wo bereits ein Verkaufsstand mit CDs, T-Shirts, Videos, Fotos, Postern und sonstigen Souvenirs aufgebaut war, dessen Betreiber sich schnell über reichhaltigen Absatz freuen konnte. Im Saal selbst und auf der Empore hatten fleißige Helfer im Vorfeld ungefähr 1400 Sitze in Theaterbestuhlung aufgebaut, eine Arbeit die man sich, wie sich im Laufe des Abends schnell herausstellte, eigentlich hätte sparen können. Denn kaum hatte die Musik begonnen, hielt es nur noch wenige auf ihren Sitzen. Auf die große Leinwand hinter der Bühne war eine überdimensionale Uhr projiziert, die im Sekundentakt rückwärts lief. Von Sekunde fünf an zählten alle im Saal mit – und bei „Null“ gab es einen lauten Knall, begleitet von grellen Lichteffekten: Und da stand er nun, hoch oben auf einem Podest, angestrahlt vom bunten Licht einer ganzen Batterie von Scheinwerfern: Nik P. Mit dem nagelneuen Song „Spuren von Leben“ aus dem aktuellen Album „Ohne Wenn und Aber“ eröffnete er, natürlich Handy-gefilmt von Melissa, die wie Nik P. ursprünglich aus Kärnten in Österreich stammt und dem 56-Jährigen und seinen Bandkollegen seit etwa acht Jahren zu möglichst vielen Konzerten nachreist. „Er ist ein Star, aber so bodenständig wie kaum ein anderer“, sagt sie, „das macht neben seiner tollen Musik die Faszination für mich aus. Das hier ist für mich wie Urlaub“, freut sie sich. Tatsächlich gibt sich Nikolaus Presnik, wie ihr Landsmann bürgerlich heißt, alle Mühe, auch auf der Bühne den guten Kumpel von nebenan zu geben. Immer wieder betont er, wie lange er schon mit seiner Band zusammenspielt und dass er und seine Mitmusiker nach wie vor gute Freunde sind. Zu „Du musst ein Engel sein“ gönnt er sich ein kurzes Bad in der Menge, springt von der Bühne, und lässt sich von seiner dort tanzenden Anhängerschaft freundschaftlich die Schulter klopfen. Musikalisch leisten er und seine Kollegen erstaunliches. Obwohl oft als seichter Unterhalter belächelt, liefert Nik, begleitet von Pianist Josef Düregger, Keyboarder Mario Strauss, den Gitarristen Willi Ganster und Andi Wilding, Bassist Chris Seiner und Schlagzeuger Hari Vorraber, eine sehr solide, sogar ziemlich rockige Show ab, die von herkömmlicher Schlager- und Partymusik weit entfernt ist. Musik und Texte sind vornehmlich von Presnik selbst geschrieben, Unterstützung holt er sich dafür manchmal bei Düregger und Ganster. Inhaltlich beschäftigen sich die Lieder meist mit Erfahrungen, die das Leben so mit sich bringt, und natürlich mit der Liebe und dem damit manchmal verbundenen Kummer. So wie die Ballade „Alles geht vorbei“, die Melissa zum Weinen bringt. Doch Trauer lassen Nik P. und seine Mannen nicht lange aufkommen. Ein Hit jagt den anderen und fast alle gespielten Songs, darunter „Gloria“, „Das mit dir“ oder „Braungebrannte Haut“, sind den Anwesenden bekannt und werden entweder mitgesungen oder wenigstens von rhythmischem Klatschen begleitet. Eine Kombination von Singen, Klatschen, Stampfen, Hände in die Höhe halten und Tanzen löst der Titel „Geboren um dich zu lieben“ aus, der es in Österreich bis auf Platz vier der Charts schaffte. Dort ist Nik P. schon seit 1997 ein Star, der regelmäßig vordere Positionen in den Hitparaden belegt. Seinen größten Hit „Ein Stern (...der deinen Namen trägt“), den in Deutschland erfolgreichsten Schlager, hebt er sich in Neustadt natürlich bis zum Schluss des offiziellen Programms auf und verwandelt den Saalbau damit in einen Hexenkessel. Alle scheinen aus dem Häuschen, nur Melissa zeigt sich ein wenig enttäuscht: „Das Publikum hier erscheint mir verhaltener als anderswo, ich habe schon bessere Stimmung als bei diesem Auftritt erlebt“, bedauert sie. Zwar gefalle ihr die Atmosphäre im Saalbau und das Konzert natürlich sowieso, aber da wäre noch mehr drin gewesen, resümiert sie nach der letzten Zugabe „Im Fieber der Nacht“, der neuesten Single ihres Helden. Festzustellen, ob es anderswo tatsächlich noch besser läuft als in Neustadt, wird Melissa noch reichlich Gelegenheit haben. Sie hat sich für die laufende „20 Jahre Nik P.-Jubiläumstour“ gleich noch sieben weitere Eintrittskarten gesichert. Dass sie und die anderen 899 Konzertgäste direkt nach dem Gig noch für Autogramme, Fotos und einen kleinen Wortwechsel mit Nik anstanden, versteht sich natürlich von selbst.

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