Neustadt
Hitzeschutz das erste große Thema der neuen Klimaanpassungsmanagerin
Andrea Petmecky hat 20 Jahre lang nach dem Studium und der Promotion im Wissenschaftsbereich gearbeitet und kam an der Fernuni Hagen im Bereich Umweltwissenschaft auch in die dortige Geschäftsleitung. Doch dann wollte sie in die Praxis, sagt Petmecky. Für sie bedeutete dies: konkreter Klimaschutz in Kommunen anstatt pure Wissenschaft. Zunächst war sie zwei Jahre lang Klimaschutzmanagerin in Haßloch, kündigte dort und verstärkt seit Herbst als Klimaanpassungsmanagerin die Neustadter Stabsstelle für Klimaschutz, Klimaanpassung und nachhaltige Entwicklung. „Ich genieße es, mich vor Ort mit den Themen und den engagierten Menschen zu befassen.“
Wobei die in Wachenheim wohnende, promovierte Umweltpsychologin dann kurz innehält. Ihr sei bewusst, dass Klimaanpassung ein „relativ abstraktes Thema ist, ich will das nun in die Lebenswelt der Neustadter übersetzen“. Dass es hier eine große engagierte Gruppe mit dem Netzwerk Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sowie vielen Umweltschutzverbänden gebe, sei „ein Pfund, mit dem man wuchern kann“. Petmeckys Stelle ist auf drei Jahre befristet und einer Förderung entsprechend an die Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts gekoppelt. Doch so weit schaut sie ohnehin nicht in die Zukunft. Für sie zählen die aktuellen Themen und was sie nun alles anpacken will.
Hitzeaktionsplan kommt
An erster Stelle nennt sie für 2026 einen Hitzeaktionsplan. Dafür laufe die interne Abstimmung in der Verwaltung, zugleich hole sie Mediziner und Apotheken ins Boot, „denn die sind unsere Schnittstellen zu den vulnerablen Gruppen wie den älteren Menschen“. Bis Herbst will sie das Konzept fertig haben, damit es vom Stadtrat beschlossen und dann auch umgesetzt werden kann. Um die Bürger auf dem Weg dorthin mitzunehmen, sind ihr zwei Termine wichtig: Am 11. Juni wird es zum bundesweiten Hitzeaktionstag einen Infostand auf dem Marktplatz geben, und am 2. Juni hält sie an der Volkshochschule einen Vortrag über Hitze und die damit verbundenen Gefahren. Eine Kommune wie Neustadt sei dabei auch gefragt – wegen der Fürsorgepflicht für die Bürgerinnen und Bürger.
Daher möchte Petmecky diese Termine auch nutzen, um eine Karte kühler Orte zu erstellen. „Wir wollen herausarbeiten, wo die Menschen hingehen, wenn es heiß ist“, erläutert sie die Idee. Daraus solle dann auch eine digitale Karte entstehen, über die sich andere informieren und Tipps bekommen könnten. Stabsstellenleiter Marcel Schwill ist froh über die Verstärkung in seinem Team und betont, dass es bei dem Thema auch konkret um Bevölkerungsschutz gehe: „Wir überlegen, was die Kommune für ihre Bürger machen kann, wenn Hitzeperioden kommen.“ Dass sich Petmecky speziell um diesen Bereich kümmere, sei sehr wichtig. Sie koordiniere die verschiedenen Aufgaben, kümmere sich um die Kommunikation und behält auch das Thema Fördermittel im Blick und kümmert sich um die entsprechenden Anträge.
Wasser für Innenstadtbesucher
Dass es in Neustadt an verschiedenen Stellen der Innenstadt Trinkwasserbrunnen gibt, hält Petmecky für eine wichtiges Angebot. Gleiches gelte für die Refill-Kampagne. Bei dieser signalisieren Geschäftsleute mit Aufklebern in den Schaufenstern, dass Passanten in ihren Läden mitgebrachte Wasserflaschen kostenlos auffüllen können. Sie plane Gespräche mit der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG) und wolle dann „weitere Gewerbetreibende zum Mitmachen motivieren“, so Petmecky. Dass die Tourist-Information und das Bürgerbüro schon dabei seien bei dieser Aktion, sei ein wichtiges Startsignal. „Wir haben viele Touristen in der Stadt. Da ist es wichtig, dass die Menschen auf einfachem Weg etwas zu trinken bekommen können “, unterstreicht Petmecky. Das sei ein ganz konkreter und greifbarer Ansatz, um Menschen an heißen Tagen zu unterstützen.
Ohnehin sehe sie sich gerade im Umgang mit Gewerbetreibenden auch in einer „Dienstleister-Rolle“, um diese auf Fördermöglichkeiten im Bereich Klimaschutz hinzuweisen und sie zu unterstützen, wenn sie entsprechende Projekte planen. Außerdem wolle sie Bürgern aufzeigen, dass „Klimaanpassung nicht nur unbequem ist, sondern Spaß macht“. Sie verweist zur Veranschaulichung auf eine Mittagspause, die sie in Büronähe am renaturierten Speyerbach in der Wallgasse verbracht hat. „Solche Renaturierungen sind auch eine Komponente von Klimaanpassung. Sie erhöhen die Lebensqualität, weil man sich dort wunderbar aufhalten kann“, so Petmecky.
Es gebe jede Menge Ideen und Themen, bekräftigt sie. Sie freue sich auf die Arbeit in Neustadt und will rund um die Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts aufzeigen, was sich eigentlich hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt und wie viele Menschen von den Maßnahmen profitieren können. „Dazu gehört auch, dass wir regelmäßig informieren und zeigen, dass etwas passiert und was gemacht wird.“ Denn insgesamt wird das Konzept 53 Maßnahmen umfassen und beinhaltet auch Themen wie Entsiegelung und Regenwassermanagement, also Hochwasserschutz und Starkregenvorsorge. Und als Bonus: Auf der Landesgartenschau soll das Thema Klimaanpassung auch präsentiert werden. Es gibt also viel zu tun.