Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hilfsorganisationen und Selbsthilfegruppen auf dem Rheinland-Pfalz-Tag

Ministerpräsident Alexander Schweitzer war auch in der Exterstraße unterwegs – hier am Stand der Diakonie.
Ministerpräsident Alexander Schweitzer war auch in der Exterstraße unterwegs – hier am Stand der Diakonie.

„Zusammen sind wir sozial“ – so lautet das Motto der Infostände in der Exterstraße. Hier geht es vor allem ums Informieren und ernste Themen. Das Angebot kommt gut an.

Drei der großen Bühnen des Rheinland-Pfalz-Tages sind ganz in der Nähe, am Saalbau, am Alten Turnplatz und an der Exterstraße. Von dort kommt Musik, Menschen singen und swingen. Gut gelaunt strömen oder flanieren viele Besucherinnen und Besucher hier entlang, am Samstagnachmittag. „You are the sunshine of my life“, groovt es von dem gewaltigen Podium, über dem der Schriftzug prangt: „Zusammen sind wir Rheinland-Pfalz“.

Aber nicht jeder steht auf der Sonnenseite des Lebens. Ein alter Mann sitzt auf einer Bank auf dem Bürgersteig. Vor sich einen Rollator, bepackt mit persönlichen Habseligkeiten. Und eine Unterschenkel-Prothese, die er abgenommen hat. „Zusammen sind wir sozial“ verheißen die Stände und Zelte entlang der Exterstraße. Mehr als 40 Hilfsorganisationen und Selbsthilfegruppen sind hier mittendrin zwischen den Showbühnen und der Fröhlichkeit, werden gut besucht, sind gefragt, informieren. Es ist ein gutes Gesamtbild, das sich da zeigt. Gemeinsamkeit, Schulter an Schulter, auf der heiteren, aber auch auf der schwierigen Seite des Lebens.

Eintrag als Stammzellenspender

Die Vielfalt der Hilfsfelder beeindruckt. Von A wie „Alzheimer Gesellschaft“ bis Z wie „Zurück ins Leben Selbsthilfegruppe Teilleistungsschwäche (TLS)“. Oder S wie „Stefan-Morsch-Stiftung – Gemeinsam gegen Blutkrebs“. Der rote Doppeldeckerbus der Stiftung fällt überragend ins Auge, gleich am Anfang der Straße. „Den hat die Familie Morsch in London erworben“, erzählt Rolf-Jürgen Klein, der seit zehn Jahren für die Stiftung arbeitet, die ihren Sitz in Birkenfeld hat. Anfang der 80er-Jahre erkrankte Namensgeber Stefan Morsch an Leukämie. Einen passenden Stammzellenspender außerhalb der Familie zu finden, war damals Neuland in Deutschland. In London nicht – woran der Bus nun dankbar erinnert. In England gab es eine Organisation, die schon 1983 eine Stammzellenspenderliste mit 50.000 Namen führte. Stefan Morschs Blutkrebs wurde geheilt, dennoch starb er wenig später. Um seinen letzten Wunsch, den Aufbau einer weltweiten Spenderdatei zu erfüllen, gründete die Familie die Stiftung. Auch beim Rheinland-Pfalz-Tag können sich nun Menschen am Bus der Stiftung als Stammzellenspender registrieren lassen. „Wir sind zufrieden mit dem Zuspruch“, sagt Rolf-Jürgen Klein. Ein Besucher, der vorbeikommt, fragt: „Stefan Morsch, ist das der Fernsehmoderator?“ Er meint offenbar den Trompeter Stefan Mross. „Wir müssen noch bekannter werden“, schmunzelt Rolf-Jürgen Klein wohlwollend.

„Manche Menschen wissen kaum, was Stoma ist“, verkündet ein Plakat. Unübersehbar die Namen all der Erkrankungen, gegen die Hilfe nötig ist und offenkundig auch angeboten wird. Epilepsie. Parkinson. Morbus Bechterew. Morbus Crohn. Auch die Initiative Organspende Rheinland-Pfalz ist vertreten, nicht zu vergessen das Ambulante Hospiz und Palliativ Zentrum der Marienhausgruppe in Neustadt.

Nicht oberlehrerhaft sein

Dicht umlagert ist, wie viele andere, auch ein Stand, der dieses Angebot macht: „Hier Promilletest“ und „MPU-Info“. Alkohol–- gerade in der Pfalz und in Neustadt ein enorm relevantes und deshalb sensibles Thema. „Niemand sollte den Alkohol verdammen“, sagt, mit großem Nachdruck, Reiner Hehl. Seit 13 Jahren arbeitet der Landauer an verantwortlicher Stelle im Landesverband Pfalz von „Blaues Kreuz – Wege aus der Sucht“ und bei KISS – Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfeorganisationen. KISS koordiniert das Themenfeld „Zusammen sind wir sozial“. Dass man beim Neustadter Rheinland-Pfalz-Tag mit dem Präsentationsort für Hilfsangebote in Sachen Krankheits- und Suchtbekämpfung „mittendrin“ liege und nicht irgendwo am Rand der Stadt, sei ein echter Vorteil.

Die Aufgabe, in einer der wichtigsten deutschen Weinanbaugebiete Präventionsarbeit gegen Alkoholmissbrauch zu betreiben, müsse mit klaren Ansagen, aber differenziert angegangen werden. „In der Medizin gibt es einen Grundsatz: Die Dosierung macht das Gift“, erläutert Hehl, der darauf hinweist, dass viele Helfer früher selbst betroffen waren. „Das Motiv, Präventionsarbeit zu leisten, ist oft Dankbarkeit: die Erkenntnis, früher wurde mir geholfen, jetzt will ich anderen helfen.“ Es gehe nicht darum, oberlehrerhaft zu sein oder zu verbieten, sondern: „wir wollen gute Antworten geben.“ Nicht immer einfach, weil gerade Selbsthilfegruppen in Wirtschaftsflauten von Sparmaßnahmen betroffen seien. Umso dankbarer sei man für Spenden, umso mehr müssten die Verbände dann aber auch Hilfe anbieten und Präsenz zeigen. „Gerade deshalb ist der Rheinland-Pfalz-Tag eine Super-Veranstaltung“, betont Rainer Hehl.

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