Neustadt
Heiner Wilmer: Oft gesehener Gast in Neustadt
Diese Personalie wird am Dienstag vielleicht manche(n) in Neustadt aufhorchen haben lassen: Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, frisch gewählter Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, war – obwohl unüberhörbar norddeutsch geprägt – in der Vergangenheit in der Stadt an der Weinstraße schon häufig zu Besuch.
Die Beziehung ergibt sich durch das Neustadter Herz-Jesu-Kloster, denn auch Wilmer gehört dieser im 19. Jahrhundert im Kontext der katholischen Soziallehre entstandenen Ordensgemeinschaft an, die in Deutschland freilich aktuell nur noch knapp zwei Dutzend Priester zählt. Neustadt ist vor Freiburg und dem emsländischen Handrup, von wo Wilmer stammt, der wichtigste Standort. Der heute 64-Jährige wurde 2007 zum Provinzial, sprich: Chef, der deutschen Herz-Jesu-Priester gewählt, eine Aufgabe, die er inne hatte, bis er 2015 zum Generaloberer des Ordens weltweit ernannt wurde – das Neustadter Kloster ist ihm daher gut bekannt. Eine Zeitlang lebte er sogar hier. Kurz vor seinem Gang nach Rom 2015 stellte er sich in der Stadt bei einem Besuch im Käthe-Kollwitz-Gymnasium auch den kritischen Fragen der Zwölftklässler. „Ich fühle mich nicht als Opfer. Ich bin nicht im Jammertal. Ich bin auch nicht gegen Frauen und Familie. Für mich ist mein Leben ein starkes Leben und die Antwort auf die Frage, wie werde ich glücklich“, antwortete er damals auf die Frage nach Sexualität und Ehelosigkeit.
Mit einem Herzensprojekt, seinem 2024 erschienenes Buch über die in Auschwitz ermordete niederländische Jüdin Etty Hillesum, reiste er vor ziemlich genau einem Jahr erneut zu einem Auftritt nach Neustadt – da schon aus Hildesheim, wo er 2018 Bischof geworden war.