Hassloch
Handball: Drittligist TSG Haßloch besiegt Spitzenreiter
Der Jubel nach dem Abpfiff kannte keine Grenzen. Neun Sekunden davor ließ Jan Triebskorn mit dem letzten Wurf des Abends Mats Grupe, Torhüter der Rhein-Neckar Löwen II, keine Chance. Es war der Siegtreffer. Und zugleich der erste doppelte Punktgewinn seit zehn Wochen. Letztmals hatten die Bären am 13. November im Derby bei der HSG Friesenheim-Hochdorf in der laufenden Saison gewonnen. Dazwischen lagen sechs Spiele, in denen die Bären am Ende mit leeren Händen dastanden.
Jetzt war es der Siegtreffer auf Ansage: 15 Sekunden vor dem Ende nahm Trainer Andreas Reckenthäler zum letzten Mal eine Auszeit. Kapitän Kevin Seelos sollte im Eins-gegen Eins-Duell die gegnerische Abwehr attackieren, dann den direkten Wurf oder das Abspiel an den hinter seinem Rücken vorbeilaufenden Jan Triebskorn wagen. Seelos entschied sich für die zweite Variante. Triebskorn hatte die Lücke und traf. Die Junglöwen waren geschlagen.
Mit Leidenschaft
Es war ein verdienter Sieg: Die Bären wollten den Triumph mehr als die Gäste. Die Haßlocher waren 60 Minuten kämpferisch voll auf der Höhe, zeigten Leidenschaft, aber auch den Willen, „den Bock umstoßen zu wollen“. „Wir waren sehr gut vorbereitet, hatten auf jede Variante der Löwen eine Antwort. Gerade in der Abwehr haben die Jungs gezeigt, wozu sie im Stande sind. Das war ein weiterer Schritt in die richtige Richtung“, sagte Reckenthäler am Ende erleichtert.
Er hat mit seinem jungen Cotrainer Philipp Rogawski keine Chance ausgelassen, um eine hochmotivierte Mannschaft aufs Spielfeld zu führen. Die TSG war von der ersten Minute an präsent, übernahm früh die Führung und verkraftete auch in der siebten Minute eine Hiobsbotschaft: Linksaußen Denni Djozic wurde bei einem Durchbruch von einem gegnerischen Spieler attackiert, verdrehte sich dabei das rechte Knie. Die erste Diagnose von Mannschaftsarzt Dr. Felix Keck lautete Kreuzbandriss. Damit wird der 30-Jährige die nächsten neun Monate nicht zur Verfügung stehen. Djozic’ Ausfall steckten die Jungs weg, sie rückten noch näher zusammen und kämpften wie noch nie in dieser Saison. Haßloch blieb stets in Front. Selbst das 10:10 per Siebenmeter von Matthis Blum brachte sie nicht aus dem Rhythmus. Auch nicht der erstmalige 15:16-Rückstand nach Treffer von Niklas Michaelski. Als Marco Bitz den zweiten Siebenmeter gegen Blum beim Stand von 19:18 parierte, sorgten Kevin Seelos und Elvijs Borodovskis mit einem Doppelschlag für die verdiente 21:18 (45.)-Führung.
Lob für Julius Herbert
Ein Sonderlob verdiente sich Julius Herbert, der in der TSG-Defensive Lukas Wiechmann mit zunehmender Dauer immer besser in den Griff bekam und auch das gegnerische Spiel zum Kreis unterband. Direkt dahinter erwies sich immer wieder Torhüter Marco Bitz als sicherer Rückhalt. „Das war einfach harte Arbeit in den letzten Wochen. Wir haben so gespielt, wie wir auch trainiert haben. Konditionell ist viel passiert“, sagte Bitz. Der Einbruch nach 40 Minuten wie zuletzt gegen Dansenberg blieb diesmal aus. Stattdessen drückten die Haßlocher weiter aufs Tempo. „Das war noch nicht überragend, wir können noch mehr Tore machen.“ Bitz freut sich schon auf das Duell am nächsten Samstag: „Wir haben jetzt Bock auf Leutershausen.“ Dann dürfte Andreas Reckenthäler wieder in die Motivationskiste greifen. Diesmal hatte er in der Kabine ein Plakat mit dem Wort „Willensstärke“ aufgehängt. Es hat wohl was gebracht. „Jeder von uns hat daran geglaubt, dass wir es können. Wir wollen den Sieg einfach mehr als der Gegner. Der Wille war einfach da“, sagte Kapitän Kevin Seelos.
So spielten sie
TSG Haßloch: Bitz, Schlingmann (bei zwei Siebenmetern) – Seelos (3), Triebskorn (6), Borodovskis (8/3) – Djozic (2), Gregori (1) – Julius Herbert (2) – Kern (7), Surblys, Konstantin Herbert, Thiemann, Müller (n. e.), Albert (n. e.).
Spielfilm: 4:2 (7.), 6:3 (14.), 8:6 (17.), 10:10 (24.), 12:12 (28.), 14:12 (30.), 15:16 (37.), 18:18 (42.), 21:18 (45.), 24:21 (50.), 27:24 (55.), 28:28 (60.), 29:28 (60., Ende); Siebenmeter: 4/3 – 6/4; Zeitstrafen: 4/4; beste Spieler: Julius Herbert, Bitz, Triebskorn – Michalski, Sebastian Trost; Zuschauer: 300; Schiedsrichter: Kjowsky/Strüder (Bodenheim/Budenheim)
Zitiert
„Wir wollten auch den Sieg für Denni, der so früh mit der schweren Verletzung ausfiel.“
TSG-Kreisläufer Julius Herbert
„Das ist das Ergebnis extrem harter Arbeit in den letzten Wochen. Man spielt so, wie man trainiert, aber es macht auch viel Spaß.“
TSG-Spieler Jan Triebskorn
„Entscheidend war für mich, dass wir das Torhüter-Duell klar für uns entschieden haben. Dazu war die Mannschaft gegen den Tabellenführer doppelt motiviert.“
Thomas Müller, der Sportliche Leiter der TSG
„Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen, dazu haben wir gerade im Angriff einfach einige Fehler zu viel gemacht.“
Veit Schlafmann, Rechtsaußen der Rhein-Neckar Löwen II. Sein Vater stammt aus Haßloch.