Neustadt
Haardter Weinfest: Schubkarrerennen ist das Alleinstellungsmerkmal
Natascha-Marie Ehlen, Zoe Ehlen, Rolf Strobel und Thomas Naumer sind im Büro von Ortsvorsteherin Silvia Kerbeck zusammengekommen, um über das Haardter Weinfest und das Schubkarrerennen zu sprechen. Der Gaudiwettbewerb findet wieder am Donnerstag, 14. Mai, ab 15 Uhr statt. Alle fünf sind sich einig: Das Schubkarrerennen ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal und verleiht dem Haardter Weinfest eine besondere Note.
Zum einen gehört das Rennen schon seit Jahrzehnten zum Fest dazu, zum anderen lockt es noch heute jedes Jahr gut 100 Teilnehmer und sehr viele Zuschauer an. Der Startschuss fällt in diesem Jahr an Christi Himmelfahrt um 15 Uhr. Es wird sieben Rennen geben, in denen jeweils Zweierteams an den Start gehen. Etliche Plätze seien schon vergeben. Wer noch teilnehmen möchte, kann sich auf der Homepage anmelden (https://schubkarrerenne.jimdofree.com). Außerdem werden am Wettkampftag noch Plätze an Kurzentschlossene vergeben – ab 14.30 Uhr im Schulhof.
Extralange Telefonleitung
Während Strobel und Naumer ab Mitte der 1990er zum Organisationsteam zählten, kümmern sich Natascha-Marie Ehlen und Zoe Ehlen seit inzwischen über zehn Jahren um das Rennen. „Es ist toll, wir geben das von Generation zu Generation weiter. Und die jetzigen Organisatoren haben schon Nachwuchs, sodass es so weitergehen kann“, meint Silvia Kerbeck lachend. Zoe Ehlen stimmt zu. Sie sei auch über diese besonderen „Bande“ in ihre Aufgabe gerutscht: „Ein Nein stand einfach nicht zur Auswahl. Und es wäre ja auch schade, wenn es sterben würde.“ Man merkt den Haardtern an, dass sie das alles auch sehr gerne machen. Thomas Strobel erinnert sich, dass er in den 90ern als zugezogener Schwabe gefragt worden sei, ob er was machen könne. Und habe sich dann eben eingebracht.
Er und Naumer erinnern sich noch an die damaligen Bemühungen rund um die Veranstaltung, als man sogar eine extralange Telefonleitung verlegen wollte, damit man beim Zieleinlauf die Ergebnisse für alle Zuschauer, die am Anfang der Strecke standen, durchgeben könne. „Es sollte eine Art Liveübertragung geben“, so Naumer. Das sei heute mit der modernen Technik alles einfacher. Zumal sich die Strecke geändert habe und es nun einen Rundkurs auf dem Mandelring mit Start und Ziel am Kerweplatz (Schulhof) gebe. Natascha-Marie Ehlen und Zoe Ehlen betonen, dass es nicht schwer sei, ausreichend viele Helfer zu finden. „Es ist ja nur für den einen Tag“, betonen sie. Bei ihnen beiden führen die Hauptfäden zusammen. Sie beginnen Wochen vor dem Weinfest mit der Organisation, starten die Online-Anmeldung und klären die Regularien mit der Ortsverwaltung. „Das ist absolut eingespielt“, lobt Natascha-Marie Ehlen.
Preis für Kostüme
Bei den Teilnehmern habe man auf der Haardt schon vieles erlebt. Da seien ambitionierte Sportler aufgekreuzt, die gerade für den Mußbacher Triathlon oder einen anderen Wettbewerb trainiert und das Schubkarrerennen eben als zusätzliche Einheit mitgenommen hätten. „Wir hatten aber auch schon Junggesellenabschiedsgruppen, die die Strecke kaum noch bewältigen konnten“, sagt Strobel lachend. Alle seien willkommen, der Spaß solle im Vordergrund stehen. Früher gab es jede Menge Preise – vom Rundflug bis zum Fernseher. Inzwischen gibt es eine Sonderehrung für die schönste Verkleidung, bei der die Jury die Entscheidung trifft. Hier gibt es Pfälzer Kisten von der Ortsverwaltung. Außerdem werden die zehn Schnellsten geehrt, wobei die Sieger in Wein aufgewogen werden. „Außerdem bekommen alle Teilnehmer als Anerkennung eine Editionsflasche mit Haardter Wein oder Traubensaft“, sagt Natascha-Marie Ehlen.
Strobel und Naumer wissen, dass die Technik beim Schubkarrerennen ganz entscheidend ist, denn die Holzschubkarren werden ja nicht einfach so über den Mandelring gerollt. Nein, es müssen Wippen und andere Hindernisse gemeistert werden. Da auf der Schubkarre auch ein Eimer Wasser transportiert wird, aus dem möglichst wenig verschüttet werden sollte, ist jede Menge Geschick erforderlich. Nach der Zielankunft greife dann eine besondere Formel, sagt Zoe Ehlen: Bei der spiele die Zeit eine Rolle, aber der Eimer Wasser werde im Ziel auch nachgemessen. Und je mehr Wasser verschüttet wurde, desto mehr „Strafpunkte“ gibt es, die die Gesamtzeit verschlechtern. Den Haardtern sind bei allem Respekt vor den Zeiten der guten Sportler vor allem die Gauditeilnehmer in Erinnerung: Eine Teilnehmerin kam mal als Flasche und voller Luftballons, die Trauben darstellen sollten, und Teilnehmer aus Deidesheim huldigten einmal mit ihrer Verkleidung der Geißbocktradition.
Es werde dann 19/20 Uhr, bis das Organisationsteam, das im Kern aus zehn Leuten besteht, mit den Nacharbeiten rund ums Schubkarrerennen fertig ist. „Für eine Schorle auf dem Fest reicht es dann noch“, sagt Natascha-Marie Ehlen. Ein gemütlicher Abschluss für die, die allen anderen einen großen Spaß bescheren, muss eben sein. Man sei froh über die vielen Menschen, die sich für diese Traditionen auf der Haardt einsetzen. Dazu zählt Silvia Kerbeck auch die Dubbefreunde. Die Gruppe sei inzwischen auf ganz Deutschland verteilt. „Aber fürs Weinfest kommen alle wieder. Sie nehmen Urlaub, um ihren Ausschank machen zu können“, sagt Strobel. Naumer erinnert sich an seine Kindheit: Da hätten seine Eltern einen Ausschank im Wohnzimmer gehabt. „Es wurde dann immer alles ausgeräumt, sodass wir Gäste bei uns begrüßen konnten“, verweist Naumer auf den besonderen Charme des Haardter Weinfests auf der Straße.
Was sonst noch los ist
Das Haardter Weinfest auf der Straße wird von Freitag, 8. Mai, bis Donnerstag, 14. Mai, gefeiert. Das Schubkarrerennen am Abschlusstag ist der traditionelle Höhepunkt. Doch das Fest habe noch viel mehr zu bieten, betont Kerbeck. Sie hebt die „besondere Mischung“ hervor, das Programm biete ein Angebot am Kerweplatz sowie den Ausschank in den Höfen, aber eben auch jede Menge Livemusik sowie Theater. „Besonders schön ist das Flair, weil wir auf dem Mandelring eine richtige Festmeile haben“, sagt Kerbeck. Die Eröffnung des Fests ist am 8. Mai um 18.30 Uhr im Schulhof. Bis zum Feiertag Christi Himmelfahrt gibt es jeden Tag Bewirtung auf der Festmeile und in den verschiedenen Höfen Musik.
Das Fest wirkt sich laut Stadt auch auf die Busse der Linie 512 aus. So können die Haltestellen zu folgenden Zeiten nicht bedient werden: Mittwoch, 6., bis Freitag, 8. Mai, ab 14 Uhr; Samstag, 9., und Sonntag, 10. Mai, ganztägig; Montag, 11., bis Mittwoch, 13. Mai, ab 14 Uhr sowie Donnerstag, 14., und Freitag, 15. Mai, ganztägig. Die nächstgelegenen Ein- beziehungsweise Ausstiegshaltestellen sind: Rosengarten beziehungsweise Villenstraße, Wachenheimer Straße und Untere Probstgasse. Die Haltestelle Unterhaardt wird nur in Fahrtrichtung Gimmeldingen bedient.
