Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Haßloch und die AfD: Vom Wahlerfolg zur Machtoption?

Im Wahlkreis Neustadt erzielte die AfD ihr bestes Ergebnis in Haßloch.
Im Wahlkreis Neustadt erzielte die AfD ihr bestes Ergebnis in Haßloch.

Das AfD-Ergebnis in Haßloch ist kein Ausreißer, sondern ein Warnsignal. Wo Volksparteien Bindung verlieren, legt die Partei zu.

Während das Ergebnis auf Landesebene klarer ausfiel als vielerorts erwartet, blieb es in Haßloch bis zuletzt spannend. Lange sah es nach einem Warnsignal in Blau aus: Zwischenzeitlich lag die AfD bei knapp 38 Prozent, Haßloch war auf der Wahlkarte entsprechend eingefärbt. Erst die Auszählung der Briefwahl drehte das Bild. Dass die AfD am Ende „nur“ auf 25,8 Prozent kam und hinter der SPD auf Platz zwei landete, ist trotzdem kein Grund zur Entwarnung. Denn das Ergebnis bestätigt einen Trend, der sich schon bei der vergangenen Landtagswahl abgezeichnet hatte: Die AfD legt überall zu, in Haßloch aber stärker als anderswo.

Das hat auch mit den politischen und sozialen Verhältnissen vor Ort zu tun. Haßloch ist nicht Deidesheim. Während in der Verbandsgemeinde entlang der Weinstraße viele von Weinbau, Gastronomie und Tourismus profitieren, ist Haßloch das klassische Arbeiterdorf, lange das „Schlafzimmer der BASF“. Wo sich Menschen politisch nicht mehr vertreten fühlen, lösen sich alte Bindungen. Vor allem an die SPD. Darauf deuten die Zahlen zumindest hin: Die AfD gewinnt in Haßloch 10,9 Prozentpunkte hinzu, die SPD verliert 12,1. Die CDU legt zwar leicht zu, profitiert von der Schwäche der Sozialdemokraten aber kaum. Vieles spricht dafür, dass ein Teil früherer SPD-Wähler nicht ins konservative Lager gewechselt ist, sondern weiter nach rechts.

AfD bereits politisch etabliert

Dass die AfD in keinem Ort des Wahlkreises so stark war wie in Haßloch, ist mehr als eine statistische Auffälligkeit. Es erzählt von Entfremdung und von einem politischen Vakuum, das andere längst entschlossener füllen. Zumal die AfD im Großdorf keine Randerscheinung mehr ist: Sie ist im Gemeinderat stark vertreten und mit Bundes- und Landespolitikern vor Ort präsent.

Gerade deshalb reicht es nicht, auf den ersten Platz der SPD zu verweisen und Entwarnung zu geben. Denn anders als in der VG Lambrecht, wo die AfD zwar in vier Kommunen stärkste Kraft wurde, vor Ort aber kaum über gewachsene Parteistrukturen verfügt, ist sie in Haßloch längst organisatorisch verankert. Dort gibt es nicht nur Zustimmung an der Urne, sondern bereits einen politischen Unterbau. Dass die Partei eines Tages nicht mehr nur mitredet, sondern Macht übernimmt, ist deshalb kein fernliegendes Szenario mehr.

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