Neustadt
Haßloch: Domizile für Biker und Werfer gesucht
Die Bikerbahn und der Werferplatz, die sich auf einem Gelände der Firma Ardagh befinden, müssen umziehen: Der Eigentümer hat den Pachtvertrag gekündigt, da das Unternehmen plant, auf dem Areal eine Halle zu errichten. Die Standortsuche gestaltet sich nicht ganz einfach.
Seit 2011 besteht der Pachtvertrag für das Gelände an der Raiffeisenstraße östlich der Firma Ardagh, der sich automatisch jeweils um ein Jahr verlängert hatte. In diesem Jahr hat die Firma Ardagh den Pachtvertrag zum 31. Juli gekündigt. Bis die Eigenbedarfspläne von Ardagh konkret werden, dürfen die Biker und Werfer der TSG, die auf einem Teil des Areals trainieren, zumindest vorläufig auf dem Grundstück blieben, hatte Pressesprecher Marcel Roßmann im August auf Anfrage mitgeteilt.
Die Verwaltung hat jetzt im Bau-, Verkehrs- und Entwicklungsausschuss mehrere mögliche Standorte vorgeschlagen, die nach verschiedenen Kriterien bewertet sind. Voraussichtlich müssen verschiedene Standorte für Bikerbahn und Werferplatz gefunden werden, da unterschiedliche Anforderungen bestehen, insbesondere hinsichtlich der Größe. „Es ist schnell klar gewesen, dass die Standorte in den seltensten Fällen für beide Nutzungen geeignet seien, eventuell müssen zwei Standorte gesucht werden“, sagte Bauamtsleiter Wolfgang Jünger. Ausschlaggebend für die Bewertung waren die Größe der Grundstücke, die Lage, naturschutzrechtliche Aspekte und die an mehreren Standorten fehlende „soziale Kontrolle“ bei der Errichtung der Bikerbahn (also die Möglichkeit, von öffentlichen Verkehrsflächen aus Einsicht zu nehmen).
Acht Standorte unter die Lupe genommen
Geprüft wurden insgesamt acht Standorte rund um den Solarpark und die Grillhütte im Westen, östlich des Tennisvereins im Wald, die Radrennbahn, der Weißdornweg, der freie (Park-)Platz westlich der Pferderennbahn und hinter dem Vogelpark sowie ein Grundstück in der Werkstraße südlich des Rehbachs hinter Aldi. Die Größe der Grundstücke liegt zwischen 1500 und 10.000 Quadratmetern.
Seine Fraktion wünsche sich, dass der Bau wieder mithilfe von Sponsoren erfolgen könne, sagte Stefan Klamm (FWG). Thomas Barth (HLL) regte an, sich mit Sven Kirschtaler und Kai Hauser, die sich ehrenamtlich für die Bikerbahn engagieren, mit in die Planungen mit einzubeziehen. In einem Gespräch hätten beide Anforderungen genannt, die das neue Areal mitbringen sollte: sanitäre Anlagen, Stromversorgung, Schatten, Park- und Einkaufsmöglichkeit. Auch sollte in der Gestaltung auf Standards geachtet werden, die unterschiedliche Nutzungen (Biker, Skateboards, Inliner) ermöglichen.
Mit zwölf Ja- bei drei Neinstimmen entschied sich das Gremium, den Standort Werkstraße für eine Bikerbahn zu prüfen. Laut Verwaltung wäre dort eine Anlage für sportliche Zwecke nach dem Bebauungsplan zulässig. Das 4000 Quadratmeter große Grundstück ist nach Einschätzung der Gemeinde gut gelegen für eine Nutzung als Bikerbahn. Der Abschluss eines Pachtvertrags sei erforderlich. Die Verwaltung werde mit dem Grundstückseigentümer Kontakt aufnehmen, um die Umsetzung, die Konditionen und die Kosten zu prüfen, so Bürgermeister Lothar Lorch (CDU). Daniel Mischon (CDU) regte an zu prüfen, ob als möglicher Standort für den Werferplatz die (Sport-)Fläche westlich der Gottlieb-Wenz-Schule zur Verfügung stehe. Dem wurde einstimmig zugestimmt.
Bikerbahn 2011 von Jugendlichen mit angelegt
2011 war die 2600 Quadratmeter große Anlage beim Getränkedosenwerk – damals noch Ball Packaging, heute Ardagh – eröffnet worden. Damit fanden jahrelange Auseinandersetzungen um die bereits 2006 in der Arbeitsgemeinschaft „Kinder- und jugendfreundliches Haßloch“ angeregte Bikerbahn ihren Abschluss. Zuvor hatte es lange Zeit Diskussionen um den Standort, den manche lieber auf der ehemaligen Radrennbahn gesehen hätten, gegeben. Mit Einsatz von Großgeräten wurden rund 1000 Kubikmeter Erde bewegt. Auch viele junge Leute packten ab April 2011 beim Bau mit an, arbeiteten an der Modellierung „ihrer“ Bahn, am Aufbau von kleineren Hügeln und beim Optimieren der vorhandenen Strecken sowie der Anfahrts- und Absprunghügel. Das Unternehmen stellte das Gelände kostenlos zur Verfügung. 17.500 Euro hat die Herstellung der Bikerbahn gekostet, 12.000 Euro wurden über Spenden finanziert, außerdem wurde viel Eigenleistung erbracht.
Werferplatz: 100 mal 90 Meter Fläche benötigt
Den vom Leichtathletikverband Pfalz für offizielle Wettkämpfe gerne genutzten Werferplatz hatte Kurt Büttler von der Rasenkraftsportabteilung der TSG im Wesentlichen aufgebaut, im Laufe der Jahre immer weiter ergänzt und die Abwurfzonen verbessert. Im April erklärte er gegenüber der RHEINPFALZ, er habe mit dem Ardagh-Betriebsleiter abgesprochen, dass das Gelände noch so lange genutzt werden dürfe, bis es zur Genehmigung und damit zum Baubeginn kommt. Sobald dieser es wünsche, werde er das Gelände komplett leerräumen. Für einen Werferplatz werde eine Fläche von 100 Metern Länge und 90 Metern Breite benötigt.