Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Goldener Meisterbrief für Regina Gutting: Pionierin für Frauen im Weinbau

Regina Gutting mit der Urkunde am für sie gestalteten Weinfass im Keller des Familienweinguts.
Regina Gutting mit der Urkunde am für sie gestalteten Weinfass im Keller des Familienweinguts.

Regina Gutting ist seit 50 Jahren Winzermeisterin. Die Duttweilerin war in 1970ern eine Pionierin für Frauen im Weinbau. Wie sie auf ihre Laufbahn und ihre Branche blickt.

Erste Winzermeisterin im Gebiet Rheinpfalz: Dass Regina Gutting, damals noch unter ihrem Mädchennamen Mohr, in den 1970er-Jahren in der Region ein Stückchen Weinbaugeschichte geschrieben hat, war ihr weder bewusst noch wichtig. Sie wuchs eben im elterlichen Weingut in Duttweiler auf und hat dort – ganz typisch für die damalige Zeit – bei den Eltern auch ihre Lehre begonnen. Dass sie mit 20 dann Winzermeisterin werden sollte, war für die heute 70-Jährige im Prinzip der normale Lauf der Dinge. „Denn mein Papa hat mich immer unterstützt, und ich habe immer gerne im Weinbau gearbeitet“, erinnert sie sich.

Dass sie am Ende als einzige junge Frau im damaligen Meisterkurs auch die Abschlussurkunde bekam, habe sie nicht weiter beschäftigt. Es seien ja noch ein paar andere Mädchen zur Berufsschule gegangen, die dann aber andere Wege eingeschlagen hätten. Am Ende war sie eben die einzige Winzermeisterin. In der gesamten Ausbildungszeit sei ihr Geschlecht nie ein Thema gewesen – weder bei den Lehrern noch bei ihren Klassenkameraden. Regina Gutting (Mohr) gehörte einfach dazu. „Wir hatten ein tolles Verhältnis untereinander und haben heute noch guten Kontakt. Ich spreche immer von meinen Buben und von unseren Bubentreffen.“ Als Pionierin, die sie ja trotz allem war, habe sie sich nie empfunden: „Für mich war das alles ganz normal.“ Man habe nur in Details Unterschiede gespürt. Die Jungs hätten sich eher für die Maschinen interessiert, „ich war am liebsten im Außenbetrieb im Feld“.

Früh mit dem Traktor unterwegs

Und doch zeigt das Gespräch mit Regina Gutting, dass ihr Werdegang alles andere als normal war – schon gar nicht für die 70er-Jahre. Als Kind auf dem Weingut aufzuwachsen, habe bedeutet, immer auch mit anzupacken. Als Jugendliche, mit etwa 14, habe sie sogar eine Sondergenehmigung bekommen, um mit dem Traktor in die Wingerte fahren zu dürfen. „Im Führerschein war genau vermerkt, wo ich fahren durfte und auf welchen Gemarkungen unsere Weinberge sind.“ Ihrem Papa ist sie heute noch dankbar, dass er immer offen für Neuerungen gewesen sei. Schon früh habe man Flaschen abgefüllt und keinen Fasswein vermarktet. Das zahle sich gerade heute, da der Fassweinmarkt am Boden liegt, aus. Auch mit Vermarktungsstrukturen habe man sich früh auseinandergesetzt.

In Regina Guttings Leben gibt es noch weitere Besonderheiten. 1973, sie war gerade zur Weinprinzessin in Duttweiler gekürt, lernt sie ihren späteren Mann Franz Gutting kennen. Er ist eigentlich studierter Bauingenieur, hängte für seine große Liebe aber seinen Job an den Nagel und stieg mit in den heutigen Bioweinbaubetrieb Mohr-Gutting ein. Franz Gutting hat dafür auch noch eine Ausbildung zum Winzermeister absolviert. Davon habe das Weingut profitiert, ist Regina Gutting überzeugt, da unter seiner Regie vor rund 20 Jahren der Umstieg auf Bioanbau erfolgt sei. Aber auch seine „alten“ Kenntnisse in Sachen Bauen hätten sich ausgezahlt, da Franz Gutting die Umgestaltung des Hofs in Duttweiler verantwortete, dort unter anderem Scheunen in Probierstube und Büro umwandelte.

Auch beide Töchter im Weinbau

Dass sie jetzt anlässlich der Verleihung des Goldenen Meisterbriefs in Bad Kreuznach an all diese Entwicklungen erinnert worden ist, sei sehr schön. Auch mit ihren „Buben“ aus der Berufsschule hat sich Regina Gutting vor dem Festakt zum Essen getroffen: „Das war richtig schön.“ Daheim wird sie im Betrieb immer noch gebraucht, betont Simone Gutting, die inzwischen die Leitung des Weinguts zusammen mit ihrem Mann übernommen hat. Regina Gutting kümmert sich um die über die Jahre immer wichtige Aufgabe des Weinversands an die Kunden. „Außerdem kocht sie immer für uns alle, kümmert sich um den Garten und übernimmt viele Telefonate im Betrieb“, zählt Simone Gutting auf. Ihre Mutter wiederum sagt, dass sie einfach nur froh sei, dass der Betrieb innerhalb der Familie auf so gute Füße gestellt werden konnte. Dass auch die zweite Tochter – Maren – im Weinbau tätig ist und mit ihrem Mann Stephan das Weingut Spielmann-Schindler in Bobenheim am Berg führt, runde für sie die gesamte positive Entwicklung ab.

Sie genieße das Leben mit ihrem Mann. „Wenn wir abends auf der Dachterrasse sitzen, sagen wir oft, wie gut es uns doch geht.“ Sie selbst bezeichnet sich als Secco-Fan, Rivaner trinkt sie zudem lieber als Riesling. „Den vor allem als Schorle, gerade im Sommer auf Festen.“ Mit etwas Sorge beobachtet die 70-Jährige die Entwicklung auf dem Weinmarkt. Es gebe immer wieder Zyklen, „und jetzt erleben wir wieder einen Umbruch“. Ihre Berufskollegen ruft sie auf, kreativ zu sein und für das Produkt Wein zu werben. „Es gibt ja einen Unterschied zwischen Saufen und Genusstrinken, das muss man verdeutlichen.“ Man müsse akzeptieren, dass bei vielen die Bindungen zu einem bestimmten Weingut nicht mehr so eng seien. Früher hätten sich Kunden regelmäßig den Kofferraum vollgeladen, heute werde weniger und immer anlassbezogen gekauft. Bei Veranstaltungen in Duttweiler spüre sie aber bei jungen Menschen sehr wohl ein Interesse für Wein. „Da dürfen wir Winzer dann auch nicht überheblich sein. Lasst die Menschen die Weine probieren und sagen, was ihnen schmeckt. Wichtig ist, dass wir Neugierde für unser Produkt wecken“, sagt Regina Gutting.

In den fünf Jahrzehnten habe sich ohnehin sehr viel geändert. Das gelte speziell auch fürs Klima. Ihr Weingut hat den Federweißen als zweites großen Standbein. „Früher haben wir Ende September angefangen und dann das Haiselsche der Feuerwehr auf dem Weinlesefest beliefert. Heute ernten wird die Trauben für den Federweißen schon Mitte August und haben sogar höhere Oechsle-Grade als früher Ende September.“

Für all diese Aufgaben müssten die Winzer Lösungen finden. Sie sei stolz auf ihren Beruf und hoffe, „dass auch viele junge Menschen hier weitermachen“.

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