Quirnheim RHEINPFALZ Plus Artikel Glockenklarer A-Cappella-Klang: Das Leipziger Vokal-Ensemble „Verum Gaudium“ begeistert bei „Sonntags um fünf“

Aus Leipzig angereist: das Quintett „Verum Gaudium“.
Aus Leipzig angereist: das Quintett »Verum Gaudium«.

Die Kirche St. Oswald war bis auf den letzten Platz besetzt.

Das Vokal-Ensemble „Verum Gaudium“ aus Leipzig begeisterte am Wochenende mit seinem Programm „Komm Trost der Welt“ in der Konzertreihe „Sonntags um fünf“ in der Kirche St. Oswald in Boßweiler. Und die Erwartungen des Publikums waren wohl von vorab sehr hoch: Es gab keine Parkplätze mehr – das konnte man schon von Weitem sehen – , und auch die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt.

Das Quintett gründete sich 2019 aus Mitgliedern des Gewandhauschores in Leipzig, einer aus rund 65 Laiensängern mit chormusikalischer Vorbildung bestehenden Ensembles mit über 150-jähriger Tradition, und widmet sich anspruchsvoller Vokalmusik aus Barock, Romantik, Moderne sowie traditionellem Volksliedgut. Die Inschrift im Großen Saal des Gewandhauses „Res severa verum gaudium“ (deutsch: Wahre Freude ist eine ernste Sache) inspirierte die Gruppe zu ihrem Namen und symbolisiert die innere Zugehörigkeit zur musikalischen Tradition des Konzerthauses. Die Musiker, die ihr Programm mit geistlicher Musik begannen, zogen die Zuhörer mit dem glockenklaren, mal sphärischen, mal prägnanten A-Cappella-Klang ihrer Stimmen in der atemberaubenden Akustik der Kirche ab dem ersten Ton in ihren Bann – es war mucksmäuschenstill.

Das Ensemble besteht aus Julia Denzós und Marie-Therese Mehler (beide Sopran), Josefine Wechselberger (Alt), Falco Renner (Tenor) und Benedikt Justen (Bass), wobei die beiden Herren als „der harte Kern“ des Ensembles bezeichnet werden. Der 39-jährige Renner hat in Erfurt Musik im Grundschullehramt studiert und leitet inzwischen den gesamten Musikbereich an einer Grundschule. „Meine musikalische Heimat habe ich im Gewandhaus gefunden, wo ich seit 2012 singe, ein- bis zweimal jährlich auch mit dem Gewandhausorchester, und zusätzlich Solisten-Auftritte übernehme“, erzählt er.

Von „Die Gedanken sind frei“ bis „Näher mein Gott zu mir“

Justen, der in Berlin Physik studiert hat, hat musikalisch mit Cello angefangen. „Man ließ mich damals nicht in das Orchester, weil ich nicht geübt hatte, und so kam ich zwangsläufig in den Chor“, meint er lachend. Nach seiner Diplomarbeit, die er in der Atacama-Wüste in Chile schrieb, kam er nach Leipzig und wurde Teil des Gewandhauschores. Die 40-jährige Julia Danzós ist Oberärztin für Anästhesie und Intensivmedizin in Wurzen und singt seit ihrer Kindheit. „Ich war mit fünf Jahren bereits im Chor, hab Klavier gespielt und nahm ab meinem 18. Lebensjahr Gesangsunterricht“, berichtet sie. Sie singt in vier Ensembles projektweise und gibt regelmäßig Konzerte. Marie-Therese Mehler studierte Schulmusik und Gesang und leitet eine Musikschule mit Schwerpunkt Kinderchor. „Nebenberuflich singe ich in verschiedenen Vokal-Ensembles und habe mich auf alte Musik spezialisiert“, verrät sie. Josefine Wechselberger studierte in Dresden Gesang und Gesangspädagogik und arbeitet an einer Grundschule sowie als Stimmbildnerin und Sängerin. „Mit Falco Renner habe ich schon im Schulchor zusammen gesungen“, sagt sie lachend.

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzertes waren verschiedene Volkslieder, beispielsweise „Tourdion“ aus einer Sammlung des frühneuzeitlichen französischen Druckers Pierre Attaingnant, das von Friedrich Silcher vertonte „Vöglein im hohen Baum“ oder der Klassiker „Die Gedanken sind frei“. Schön war, dass Renner durch das Programm führte und zu einzelnen Liedern Hintergrund lieferte, so beispielsweise auch bei „Näher mein Gott zu mir“ des Amerikaners Lowell Mason, das zu trauriger Berühmtheit gelangte. „Das Lied war das letzte, das die Kapelle 1912 zu vorangegangener Stunde auf einem Schiff spielte, das auf dem Weg nach New York war und wenige Minuten später unterging“, kündigte er an. Bei dem Liebeslied „Wenn alle Brünnlein fließen“ hatte Justen mit seiner Bass-Stimme die Melodie, was üblicherweise nicht häufig vorkomme, wie Renner bemerkte. Das Publikum war begeistert und zollte nicht enden wollenden Applaus, der mit einer Zugabe des Ensembles belohnt wurde, bevor die Gäste vor der Kirche am Lagerfeuer mit Wein und Suppe erwartet wurden. Gundula Kösters, die mit ihrem Vater Johannes die Konzertreihe organisiert, blickte da bereits in die Zukunft: „Dieses Jahr findet kein Adventskonzert statt, wir beteiligen uns aber am 21. Dezember am musikalischen Adventsgottesdienst in St. Oswald“, sagte sie.

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