Deidesheim
Gitarrenbauer Jens Ritter: Große Weinlagen mit sechs Saiten
Aus seiner Liebe zum Weinbau, den berühmten Lagen, wo die Reben gedeihen, und zu seiner Heimat Deidesheim macht Jens Ritter keinen Hehl. Im Gegenteil: Der weltweit bekannte Gitarrenbauer lässt sich immer wieder von regionalen Einflüssen inspirieren und kommt in seiner Werkstatt auf ausgefallene Ideen. Er hat in der Vergangenheit einen Gitarrenkorpus aus einer Pfälzer Eiche gefertigt und in einem Fass mit Riesling gelagert. Ein anderes Mal nutzte er den Stamm eines Kerwebaums als Rohstoff, um eine Gitarre zu bauen.
Nun hat sich der 53 Jahre alte ehemalige Maschinenbautechniker von Weinbergslagen inspirieren lassen, die von Sandsteinmauern umgeben sind. Die Mauern gehören zu den Lagen Grainhübel, Kieselberg und Kalkofen. Ritter sieht diese Mauern und die darin wachsenden Reben täglich auf seiner 4,9 Kilometer langen Joggingrunde. Er hat ihre unterschiedlichen Farben in seine künstlerische Arbeit einfließen lassen.
„The Kieselberg“, „The Grainhübel“, „The Kalkofen“
Entstanden sind nach über einjähriger Handwerksarbeit drei edle Gitarren, die den Namen „The 3 Grands Crus“ tragen. Sie bestehen aber nicht aus Stein, sondern aus einem weichen Pappelholz, das aus Kroatien kommt. Es erstrahlt in den verschiedensten Farben. Auch das ist ein Experiment. Denn bei Gitarren werden normalerweise Hölzer wie Ahorn, Mahagoni oder Ebenholz verarbeitet. Aber Ritter ist mutig, wagt gerne was Neues, auch mit Hölzern, die normalerweise nicht so gut klingen. Für die E-Gitarre „The Pechstein“ verwendete er zum Beispiel Eichenholz und 2019 stellte er die E-Gitarre „The Kerwebaum“ vor, die er aus dem Kerwebaum der Deidesheimer Weinkerwe geschaffen hatte – einer Fichte.
Die drei genannten Lagen faszinieren ihn und er wollte in seinem neuen Projekt ihre Eigenheiten hervorheben. Wie der Winzer das Terroir im Wein herausarbeitet, um die Besonderheiten einer Lage zum Ausdruck zu bringen, so wollte Ritter seine Sichtweisen verdeutlichen. Als Weinkenner und Liebhaber, aber auch mit Blick auf die Lagenkarte von Deidesheim und den Farbmix, den er bei seinen Joggingrunden beobachten konnte. All das sollte auf dem Korpus sichtbar werden, passend dazu hat er die neuen Gitarren „The Kieselberg“, „The Grainhübel“ und „The Kalkofen“ genannt. . Die Mechanik ist auch nicht bei allen gleich. Beim Kieselberg ist sie golden, beim Grainhübel silbern und beim Kalkofen schwarz. Es sind Unikate geworden, die bei Sammlern hoch im Kurs stehen.
Und das weltweit. Kaum hatte Ritter in der Nacht auf Sonntag seinen aktuellen Newsletter veröffentlicht und auf seine jüngsten Unikate hingewiesen, meldeten sich die ersten Kunstsammler. „Alle drei Gitarren konnte ich in der letzten Nacht verkaufen“, verrät Ritter im RHEINPFALZ-Gespräch Ende April. Während die Gitarre mit dem Riesling-Korpus an den Höchstbieter aus Japan ging, sind die „The 3 Grands Crus“ künftig in zwei Kunstsammlungen sowie bei einem privaten Kunden in den USA zu bewundern.
Nächstes Projekt mit Paul Stanley von Kiss
Ritters handgefertigte Gitarren sind nicht nur Instrumente, sondern wahre Kunstwerke. Weltstars wie Prince oder Lady Gaga erwarben Modelle, aber auch Museen wie das Metropolitan Museum of Art stellen sie in New York aus. „Ich war selbst überrascht, dass die Inspiration und die Idee solch ein Interesse fand“, erzählte Ritter bei der Präsentation vor zahlreichen Gästen in seiner Galerie.
Das nächste Projekt hat er schon im Hinterkopf. „Es wird eine Charity-Aktion werden“, ließ sich Ritter auf Nachfrage entlocken. Es wird diesmal ein Kunstwerk, das Ritter gemeinsam mit Paul Stanley, dem Gitarristen der amerikanischen Rockband Kiss, erstellt hat. Stanley ist nicht nur eine globale Ikone der Rockmusik, er malt auch. Das gemeinsame Werk heißt übersetzt „Musikalische Geometrie“.
Für diese Zusammenarbeit schuf Ritter einen „Intune Frame“. Dabei handelt es sich um eine voll spielbare High-End-E-Gitarre, die nahtlos in ein Gemälde integriert ist, das Paul Stanley mit seinen charakteristischen, energiegeladenen Pinselstrichen erarbeitet hat. Ende des Jahres soll das Kunstwerk versteigert werden. Der Erlös geht an eine Stiftung für krebskranke Kinder.