Neustadt
Gebrauchtwagen: Neue Webseite prüft Inserate auf Risiken
Firat Kilic kann Zweifel von Käufern von Gebrauchtwagen gut verstehen. Er selbst hat auch schon einen Wagen mit Mängeln gekauft, über die er nicht informiert worden war. In der Türkei würden praktisch keine Autos verkauft, ohne dass sie der Käufer vorher professionell checken lasse, sagt der Neustadter. Deswegen habe er überlegt, wie er in Deutschland die Sicherheit beim Gebrauchtwagenkauf verbessern könne. Seine Antwort darauf lautet inseratecheck.de. Das ist der Name der Webseite, mit der er seit nun mehreren Wochen am Start ist. Das Prinzip dahinter: Die Nutzer können die Inserate für Autos, für die sie sich interessieren, hochladen und prüfen lassen: auf mögliche Risiken sowie fehlende und unklare Angaben. Auch auf modelltypische Schwachstellen wird hingewiesen.
Kilic demonstriert das einmal: Er geht auf eine bekannte Verkaufsplattform und wählt dort willkürlich die Anzeige für einen Mercedes aus. Dann kopiert er die URL, also die Internetadresse des Inserats, und fügt sie an der vorgesehenen Stelle bei seiner Webseite ein. Kurz darauf erhält er eine Analyse des Inserats, die in diesem Fall recht positiv ausfällt. Nur Kleinigkeiten werden bemängelt, etwa, dass die Fahrgestellnummer nicht angegeben ist. „Das ist bei den meisten Inseraten nicht der Fall“, ordnet Kilic ein.
Porsche-Inserat problematisch
Dann klickt er auf das Verkaufsangebot eines Porsche, auf das er ein paar Tage zuvor gestoßen ist und das seine Software als problematisch einstuft. Der Text dazu ist zwar sehr lang, aber bei der Analyse wird auf einen möglichen Widerspruch hingewiesen. Denn einerseits wird der Porsche als unfallfrei bezeichnet, andererseits heißt es auch, dass er nach einem Versicherungsschaden aus den USA importiert worden sei. Kilics Software lenkt auch den Blick darauf, dass der Wagen mit einer Folie beklebt ist, was nur etwas verklausuliert erwähnt wird. Wichtig sei auch, nach der Anzahl der Vorbesitzer zu fragen, sagt Kilic. Denn wenn der Wagen aus den USA in Deutschland angekommen sei, erhalte er einen neuen Fahrzeugbrief, aus dem nicht hervorgeht, durch wie viele Hände er gegangen ist.
Inseratecheck.de formuliert für den Nutzer auch automatisch eine Anfrage an den Verkäufer mit den für den jeweiligen Fall wichtigen Fragen. Die könnte man, wenn man will, einfach in eine E-Mail kopieren.
Kilic sagt, er habe in seinem Umfeld beobachtet, dass gerade bei gebrauchten E-Autos die Zurückhaltung groß sei, die Leute Angst hätten, einen Fehler zu machen. Darauf sei seine Webseite aber auch ausgelegt. Es gebe einen Fragenkatalog, den man den Händlern schicken könne, um das Wichtige zum dem E-Auto zu erfahren.
Partnerwerkstätten sollen Wagen prüfen
Inseratecheck.de funktioniert bei den meisten gängigen Verkaufsplattformen. In einem Fall sei das Reinkopieren der URL noch nicht möglich, da müsse man den kompletten Text erfassen, aber es werde daran gearbeitet, dass es künftig geht, sagt Kilic. Der 42-Jährige sagt auch, dass sich mit seiner Webseite zwar Risiken minimieren ließen, aber natürlich könne darüber der tatsächliche Zustand eines Fahrzeugs nicht erfasst werden. Im nächsten Schritt will daher er zusätzlich ein Netzwerk aus Partnerwerkstätten aufbauen, bei denen Fahrzeuge vor Ort nach einem einheitlichen Prüfprotokoll geprüft werden können. Er habe deshalb über 100 Betriebe in Deutschland angeschrieben. Über die Vermittlung dieser Aufträge will er dann auch Geld verdienen. Denn Nutzer aus Deutschland können den Inseratetest kostenlos machen. Auch registrieren muss man sich nicht. Wer das tut, kann indes auf seine bisherigen Anfragen zurückgreifen.