Neustadt „Froh über Weiterverwendung“

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Der Einkaufswagen der Neustadterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist gut gefüllt. Sie sucht im Neustadter Sozialkaufhaus „Fairness“ nach Kinderkleidung. Winterschuhe, Babystrampler, Pullover und Jacken hat sie bereits eingepackt. „Ich betreue Kinder bedürftiger Familien“, erklärt sie. Kleider und Schuhe kosten in diesem Second-Hand-Markt zwischen einem Euro und höchstens zehn Euro. Für diesen Betrag erhält man beispielsweise eine dicke Winterjacke. In der Einrichtung in der Roßlaufstraße herrscht ein reges Kommen und Gehen. Spender bringen Körbe mit Kleidung oder Geschirr. Auch die beiden Haßlocherinnen, die etwas abliefern, möchten nicht namentlich erwähnt werden. Aber die 80-jährige Dame betont, dass sie schon mehrmals hier war, um Gegenstände aus Haushaltsauflösungen vorbei zubringen. „Ich bin sehr froh, dass die Dinge hier weiterverwendet und gebraucht werden“, sagt sie. Im Neustadter Sozialkaufhaus arbeiten unter der Kaiserslauterer Dachorganisation „Lebenswerk eG“ sechs angestellte Mitarbeiter sowie fünf Ehrenamtliche. „Lebenswerk“ übernahm den Standort im ehemaligen Aldi-Supermarkt vom Vorgänger-Markt der Caritas. Eigentümer und Vermieter ist die Wohnungsbau Gesellschaft Neustadt (WBG). Marktleiter Uwe Feldle sagt, dass die Spendenbereitschaft enorm sei. „Wir arbeiten nicht gewinnorientiert, sondern stecken jeden Euro in die Arbeitsplätze oder investieren in den Verkaufsraum.“ Gerade hat er einen Lieferwagen angeschafft, damit Möbelspenden abgeholt oder Käufe zugestellt werden können. Das Sozialkaufhaus ist als Integrationsbetrieb für Menschen mit Beeinträchtigungen anerkannt. So gibt es auch Zuschüsse von den verschiedenen Sozialträgern für die Lohnkosten. In den insgesamt vier Sozialkaufhäusern in Pirmasens, Kaiserslautern, Zweibrücken und Neustadt sind rund 40 Prozent der Arbeitnehmer Menschen mit Behinderungen. Für die Zukunft erwartet Feldle eine noch größere Kundenfrequenz. Dann nämlich, wenn das benachbarte Gelände der Ibag erschlossen ist und der neugebaute Drogeriemarkt sowie Lebensmittelmarkt ihre Pforten öffnen. Ein Großteil der Arbeitszeit im Sozialkaufhaus fließt in die Warenannahme. Im Lager türmen sich die Spenden-Kartons, jeder Mitarbeiter hat ein Fachgebiet. So kümmert sich die 50-jährige Neustadterin Petra Schütz ehrenamtlich um die Spielwarenabteilung. „Es gibt richtig wertvolle Spenden, wie bestimmte Markenspielsachen“, erklärt sie. Auch Gesellschaftsspiele, Puzzles und Modellautos finden besonders zur Vorweihnachtszeit zu Stückpreisen von ein bis zwei Euro ihre Abnehmer. In der Geschirrabteilung gibt es ein sechsteiliges Kaffee-Service mit Weihnachtsdekor. Es geht für sechs Euro über den Kassentisch. Kunden können sowohl Arbeitslose also auch Normal- oder Gutverdiener sein. Ein Hartz-IV-Ausweis wird nicht verlangt. „Wir behandeln alle gleich“, sagt Kassiererin Silvia Schröder. Auch Pfarrer kaufen hier, um die Einrichtung zu unterstützen, sagt Marktleiter Feldle. Am Ende des Tages sind zwischen 500 und 800 Euro in der Kasse. Der Blick in die Geschirrabteilung ist wie ein Zeitreise, zurück in das behagliche Wohnzimmer der Uroma. Alte Kristallkelche, Sammeltassen, Goldrandteller und Kupferkessel füllen die Regale. „Die Menschen haben oft eine emotionale Verbindung zu den Gegenständen, die sie aus den Haushaltsauflösungen ihrer Eltern oder Großeltern zu uns bringen“, sagt Feldle. Für die Spender ist das Sozialkaufhaus eine wichtige Anlaufstelle. Sie wissen, jeder der hier einkauft, bringt Wertschätzung für die Gegenstände mit.

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