Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Frühjahrstagung der Denkmalschützer

Podiumsrunde in der ehemaligen Synagoge in Deidesheim (von links): Moderatorin Ulrike Plate, Diana Wetzestein (BürgerWerk.net, M
Podiumsrunde in der ehemaligen Synagoge in Deidesheim (von links): Moderatorin Ulrike Plate, Diana Wetzestein (BürgerWerk.net, Mitglied der AG Fachliche Fragen), Manfred Dörr (Präsident Cittaslow e.V.), Olaf Bergemann (Vorstand projekt[51] e.V.) und Lina Kraft (Studentin).

Die Arbeitsgruppe Fachliche Aufgaben des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz (DNK) traf sich bei ihrer Frühjahrstagung in Deidesheim.

Das Thema der beiden Podiumsrunden in der ehemaligen Synagoge war das Ehrenamt und vor allem, wie jüngere Menschen dafür begeistert werden können. Eine bescheidene Erkenntnis: „Nicht jeder wird von einer Blaskapelle unterstützt.“

Der Kerzenschein auf den kleinen Tischen tauchte die ehemalige Synagoge in Deidesheim nach Einbruch der Dunkelheit in ein lauschiges Licht. Um kleinere Tische standen im Halbkreis Stühle mit Blick zum Podium. Eine entspannte Atmosphäre, wäre die Kälte nicht gewesen.

Wie Nachwuchs fürs Ehrenamt gewinnen?

Am Montagabend ging es um das wichtige Thema, wie mehr Ehrenamtliche und dabei vor allem junge Menschen für die Denkmalpflege begeistert werden können. Überraschenderweise boten die Diskussionsrunden aber nicht viel hitzigen Stoff, der das Publikum etwas in Wallung hätte bringen können. Gerade das wäre zu erwarten gewesen, wenn man bedenkt, wie viele Menschen sich mit Herzblut im Kreis ehrenamtlich engagieren.

Dabei hatte die erste Podiumsrunde das Potenzial, mögliche konfliktbeladene Themenfelder ans Licht zu bringen. Birgit Franz, Organisatorin des diesjährigen Treffens, und Mitglied der AG, und diejenige, die die Tagung nach Deidesheim geholt hatte, war darauf bedacht, alle Akteure der lokalen Denkmalpflege an einen Tisch zu bringen: Vertreter der Kommunalpolitik, Ehrenamtliche und junge Menschen. Mit Hans-Ulrich Ihlenfeld, ehemaliger Landrat des Landkreises Bad Dürkheim und Bürgermeister von Haßloch, und Julian Seckinger, Beigeordneter der Stadt Deidesheim, hatte sie politische Akteure aus dem Umfeld gewinnen können.

Phantom: Leidenschaft von Denkmalschützern

Heinz-Joachim Klein von der Bürgerstiftung Haßloch wäre ein guter Gegenspieler gewesen, der seine Sicht auf das Ehrenamt hätte beleuchten können. Bernd Jäger, Mitglieder der AG und Vorstand der denkmalnetzBW e.V. stellte seinen Verein vor, der sich als Sprachrohr der Denkmallandschaft verstehe. Besonders das Ehrenamt müsse im Förderdschungel sensibilisiert werden. Viele Mitglieder brannten vor „Feuer, Leidenschaft und Emotionen,“ erklärte er. Das wurde in der ersten Runde jedoch nicht ersichtlich.

Obwohl Ulrike Plate, Abteilungsdirektorin im Regierungspräsidium Stuttgart und Moderatorin des Abends, einige pikante Fragen stellte, um die Teilnehmer aus ihrer Komfortzone zu locken, wurden nicht viele neue Impulse geliefert. Zwar habe es am Beispiel des Löwer Saals in Haßloch immer mal andere Ansichten gegeben. Man sei aber immer zu einer Lösung gekommen, so Ihlenfeld.

Moderatorin bohrt hartnäckig

Alles scheint in Deidesheim und Haßloch also ganz gut zu laufen. Spitz formuliert: Ehrenamtliche werden gut abgeholt, sie kommen nach Jahren immer noch gerne zum Kaffeetrinken, Engagierte hätten in Seckinger und Ihlenfeld stets Ansprechpartner für ihre Belange und zur Pflege des immateriellen Brauchtums, zum Beispiel der Geißbockversteigerung, finden sich wegen des Geselligkeitssinns immer Ehrenamtliche.

Erst gegen Ende kamen durch Plates Hartnäckigkeit die Themen ans Licht, die eigentlich dringend hätten diskutiert werden müssen, für die dann aber die Zeit fehlte: Wie sieht es mit den Rechtsformen aus? Gibt es Stellen für Beratertätigkeiten, an die sich Ehrenamtliche wenden können? Nachdem aus dem Publikum niemand eine Rückfrage zu stellen hatte, agierte Plate erneut als advocatus diaboli mit ihrer Frage: „Wie bekommt man Ehrenamt und Politik hin?“ – Ruhe: „Ich höre ein Knirschen,“ sagte sie herausfordernd.

„Viele Vorschriften sind nicht jedem Ehrenamtlichen klar,“ erklärte Ihlenfeld zögerlich. Viele seien im Ehrenamt schnell dabei, aber es sei dann oft schwierig, sie bei der Stange zu halten, wenn das Ziel nicht schnell erreicht würde. Auch Klein gibt zu: Es sei schwierig, immer derjenige zu sein, der für Unterstützung werben muss. Stellt sich die Frage, wie man das am besten schafft. Denn: „Nicht jeder wird von einer Blaskapelle unterstützt,“ warf Harald Garrecht, Professor im Ruhestand und Mitglied der AG, in den Raum. Dabei nahm er Bezug auf die Führung zum Teehaus, die am Nachmittag stattgefunden hatte, und die Berichte davon, wie die Blaskapelle Deidesheim einzelne wichtige Meilensteine begleitet hatte.

Studentin gibt Einblicke

Die zweite Podiumsrunde „Projektorientiertes Engagement“ war aufschlussreicher. Vor allem dank Lina Kraft, einer 22-jährigen Studentin der TH Köln im Studiengang Konservierung und Restaurierung von Kunst und Kulturgut sowie Teilnehmerin an den Fluthilfecamps der Jugendbauhütten im Ahrtal, die für das Denkmal brennt und offene Punkte ansprach: „Es ist schwer, den Alltag zu vereinen mit einem Ehrenamt.“ In abgeschlossenen Projekten könne man schnell die Ergebnisse seiner Arbeit sehen. Man müsse sich zum Beispiel in den Jugendbauhütten nicht um die Organisation kümmern, was oft gut für die Motivation sei. Leider kam erst gegen Ende durch Olaf Bergemann, Vorstand von projekt[51] e. V., der Punkt der Vergütung auf den Plan. Wegen Zeitnot konnte er ebenfalls nicht besprochen werden. Beim abschließenden Empfang wurde es allen bei gutem Wein dann wohl doch wärmer.

Der in den Jahren 1871 bis 1873 errichtete Saalbau in Neustadt steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude ist nicht nur Baukultur, i
Der in den Jahren 1871 bis 1873 errichtete Saalbau in Neustadt steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude ist nicht nur Baukultur, in seinen Räumen spielen auch regelmäßig kulturelle Veranstaltungen.
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