Neustadt Form, Bewegung und Raum

Neustadt. Zum inzwischen dritten Mal ist die Berliner Malerin Julia Rüther Gast in der Galerie Up-Art im Neustadter Ortsteil Haardt. Unter dem Titel

Galeristin Ingrid Bürgy-de Ruijter und die Malerin aus der deutschen Hauptstadt sind inzwischen ein eingespieltes Team. Das zeigt bereits der vertrauensvolle Umgang bei der Hängung der Bilder für die Vernissage am Sonntagvormittag. Zur Eröffnung gibt es ein Gespräch zwischen Melanie Baumgartner von der Kunsthalle Mannheim und der Künstlerin.

Rüthes Bilder sind eine gelungene Mischung aus fantastischen Objekten im freien Raum und Bewegung. Sie verbindet meist Gegenständliches mit einem Hauch des Informellen. Damit folgt sie ganz dem Geist ihrer Ausbilder. Sie erlernte ihre Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Albert Oehlen und Peter Doig. Während ersterer ein Freund des freien Malens mit viel Gestus und Schwung ist, legt Doig dagegen Wert auf klare Linien und Formen.

Und das zeigt sich auch in den ausnahmslos titellosen Werken Rüthers. So malt sie vor einer malerisch-klassizistischen Kulisse futuristische Ei-förmige Gebilde, die aus einem tornadoartigen Sturm in die Höhe katapultiert werden. Auf einem anderen Bild sind ähnliche Kugeln zu sehen, die aus einem diffus-dunklen Nebeln auf ein Muster hinabschweben, das wie gewebt erscheint. Mit dem Einsatz der verschiedenen malerischen Mittel aus vermeintlichen Gegenständen und breiten, wilden Pinselstrichen entsteht im Bild eine Bewegung, der das Auge eine Richtung zu geben versucht.

Neben der Bewegung scheinen Rüther in ihrer aktuellen Schaffendphase auch die Definition der Form zu interessieren. So zieht ein Bild seine Aufmerksamkeit auf sich, das eigentlich ein eintöniges Muster zeigt. Es erscheint wie eine Arbeitsstudie über eine exakte Wellen-Darstellung. Andere Bilder beschäftigen sich mit einer fast fotorealistischen Wiedergabe einer Perücke. Auf einer anderen Leinwand fallen einfach Haare von oben in ein Bild. Lichtreflexe und die exakte Farbwahl verleiten dazu, darin eine Bewegung zu erkennen. Auf einem großformatigen Bild ließ sich Rüther von einem Barockmuster inspirieren: Mehrere goldgelockte Haarsträhnen wallen hier vor einem dunklen Hintergrund.

Es folgen weitere Raumstudien, die an galaktische Nebel, vielfach verschlungene Bänder oder abstrahierte Vergrößerungen von Stofffasern erinnern. Immer wieder wird so auf der zweidimensionalen Leinwand der Eindruck des Dreidimensionalen erweckt. Dabei wechselt Rüther zwischen runden, organischen Strukturen und geradlinigen, anorganischen.

Gerade die hellen Bildpartie wecken die Idee einer vermeintlichen Lichtquelle, die von außen die Bilder beleuchtet und zusätzliche Räume erschafft oder ausleuchtet. Der Betrachter wird geradezu angehalten, sich diesen Licht- und Farbwechseln auszuliefern, um aus ihrem Wechselspiel heraus den Bildraum zu erfahren. Eine insgesamt spannende und interessante Erfahrung.

Julia Rüther hat nach zahlreichen Ausstellungen und dem Atelierstipendium der Bethe-Kunststiftung (2007) sowie dem Konrad-Adenauer-Stipendium (2010) den Förderpreis

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