Deidesheim
Fachkräftemangel: Wie die Verbandsgemeinde gegensteuern will
Die Verbandsgemeindewerke Deidesheim, ein Eigenbetrieb der VG mit zehn Mitarbeitern, stehen vor großen Herausforderungen. Die Kläranlage in Niederkirchen soll modernisiert werden, Investitionen in Höhe von über zwölf Millionen Euro stehen an. Es geht um die Umstellung der Schlammbehandlung auf ein geruchsneutrales Verfahren, das einen deutlich niedrigeren Stromverbrauch hat. Aber auch die Einführung der vierten Reinigungsstufe, mit der kleinste Schadstoffe aus dem Abwasser entfernt werden sollen, ist bereits in den Blick genommen worden. Das alles sind „technisch anspruchsvolle“ Weiterentwicklungen, verdeutlichte VG-Beigeordneter Gerd Pfaffmann (CDU) in der jüngsten Verbandsgemeinderatssitzung.
Hintergrund der Feststellung war ein Vorschlag der Verwaltung, die Werke-Mitarbeiter finanziell besser zu stellen. Sie sollen künftig nach einem anderen Tarif bezahlt werden, dem TV-V (Tarifvertrag Versorgungsbetriebe). Die Gehälter seien in diesem Rahmenvertrag höher als im bisher geltenden TVöD (Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst), erläuterte Beatrice Oberhof von der gleichnamigen Unternehmensberatung. Grund für die geplante Besserstellung ist die Furcht der Verbandsgemeinde, im härter werdenden Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte nicht mithalten zu können. In der Region sei bereits in vielen Gebietskörperschaften beschlossen worden, die Mitarbeiter der Werke vom TVöD in den TV-V zu überführen, verdeutlichte Pfaffmann. Zum Beispiel in den Verbandsgemeinden Lambrecht, Maikammer und Freinsheim. „Wir müssen unsere Mitarbeiter halten und neue dazu gewinnen können.“ Der jüngste Mitarbeiter der Werke sei 51 Jahre alt, dass neue Mitarbeiter gebraucht werden, sei absehbar. Der TV-V sei auf die Erfordernisse technischer Versorgung ausgelegt und biete höhere Entgeltgruppen.
Neuer Tarif ab Januar 2027
Der neue Tarif soll den Planungen der Verwaltung zufolge zum 1. Januar 2027 eingeführt werden. In den ersten beiden Jahren gelte dann ein Vergleichsentgelt, das vier Prozent über den derzeitigen Löhnen liege. Erst nach zwei Jahren würden die Mitarbeiter den jeweiligen Stufen der TV-V-Tabelle zugeordnet. Im kommenden Jahr führe das zu einer fünfprozentigen Erhöhung der Personalkosten. Dies wirke sich wiederum auf die Abwassergebühren aus, verdeutlichte Pfaffmann. Es gehe jedoch um überschaubare Beträge. „Wenn die Werke keine Mitarbeiter mehr finden, kommt es die Bürger teurer zu stehen.“
Ein Vorteil für die Mitarbeiter liege nicht nur in der direkten Anhebung des Gehalts, sondern auch in der künftigen Entwicklung ihres Verdienstes, erklärte Oberhof. Denn der neue Vertrag sehe mehr Stufen vor als der bisherige, so dass auch Mitarbeiter in der bisher höchsten Stufe nach zwei Jahren höher gestuft werden können.
Überführung erst am Anfang
Auf die Frage der FWG, warum der Vorschlag nicht schon früher im Werksausschuss Thema gewesen sei, räumte Pfaffmann ein, dass dies ein berechtigter Punkt sei. Doch der Tarifwechsel sei immer mal wieder angesprochen worden und stehe im Übrigen mit dem Beschluss des Verbandsgemeinderats erst am Anfang. Es müsse nun ein Antrag beim kommunalen Arbeitgeberverband gestellt werden, außerdem müsse eine Gewerkschaft mit ins Boot geholt werden, etwa die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Das bedeute, dass es in der Belegschaft Gewerkschaftsmitglieder geben müsse. Oberhof räumte ein, dass dies eine Herausforderung sei, wenn es noch nicht der Fall sei. Mit der Mitgliedschaft gehe schließlich ein Teil der monetären Verbesserung durch den Gewerkschaftsbeitrag verloren. „Doch ohne eine Gewerkschaft ist der Wechsel und damit eine finanzielle Verbesserung eben nicht möglich.“
Gert Neumüller, Leiter des Fachbereichs Wasser und Abwasser und damit zuständig für die Werke, bestätigte auf Anfrage, dass die Arbeit rund um die Abwasserentsorgung durch die anstehenden Investitionen anspruchsvoller und komplexer werde. In absehbarer Zeit müssten neue Mitarbeiter gesucht werden, und der TV-V sei gerade für Berufseinsteiger attraktiver als der TVöD.
Bei der geplanten Umstellung der Schlammbehandlung warteten die Werke derzeit auf die Genehmigung der Aufsichtsbehörde sowie auf Förderzusagen von Bund und Land. Parallel dazu würden aber schon die Ausschreibungen vorbereitet, damit die Verbandsgemeinde starten könne, sobald alle Unterlagen vorliegen. Wenn dies bis zu den Sommerferien der Fall sei, sei ein Start der Bauarbeiten Anfang 2027 möglich.
Auch Verbandsbürgermeister Dieter Dörr (CDU) bezeichnete den Tarifwechsel als nötig, um die Werke wettbewerbsfähig und damit zukunftsfähig zu halten. Der Rat stimmte dem Vorschlag der Verwaltung schließlich einhellig zu.