Doha / Neustadt
Explosionen beim Frühstück: Pfälzer Urlauber sitzen in Katar fest
Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den USA auf der einen und Iran auf der anderen Seite haben dazu geführt, dass Zehntausende Urlauber in der Golf-Region festsitzen, weil der Luftraum geschlossen ist. Betroffen sind aber auch diejenigen, die dort einfach nur umsteigen wollten. Dazu gehören die Neustadter Susanne Kimmel und Kai Mehn. Die beiden waren am Samstag auf dem Rückweg von ihrer Hochzeitsreise. Sie waren in Indonesien auf einem Tauchurlaub gewesen, ein Hobby, dem die beiden leidenschaftlich nachgehen. Sie seien bereits einen Tag unterwegs gewesen, als ihre Maschine der Qatar Airways am Samstag um 8.50 Uhr in Doha, Katars Hauptstadt, startete, berichtet Mehn, der vielen RHEINPFALZ-Lesern als Fotograf bekannt sein dürfte.
Kurz nach dem Start machte der Flugkapitän eine Durchsage, wonach man „aufgrund einer unsicheren Lage im irakischen Luftraum“ erstmal über dem Luftraum Saudi-Arabiens kreisen und weitere Informationen abwarten müsse. Kurz vorher hatten die Luftschläge gegen den Iran begonnen. Dem Warten folgte gegen 10.20 Uhr die Nachricht, dass der Luftraum über dem Irak gesperrt worden sei und das Flugzeug nach Doha zurückkehre.
Kurz nach der Landung gegen 12 Uhr „dann kompletter Alarm auf allen Geräten, die sich wieder in das Mobilfunknetz der Katarer eingeloggt haben“, erzählt Mehn. Durch Nachrichten und Social Media hätten sie mitbekommen, dass erste Raketen auf die AI Udeid Airbase bei Doha, die auch von den US-Streitkräften genutzt wird, abgefeuert wurden – wohl größtenteils aber abgefangen werden konnten. Gleichwohl seien Menschen durch herabstürzende Trümmerteile verletzt worden. Mehn sah auch Bilder von panischen Reaktionen.
„Das ganze Hotelzimmer hat vibriert“
Keine Panik, aber komplettes Chaos habe am Flughafen geherrscht: „Tausende Reisende mussten mit Lebensmitteln und Unterkünften versorgt werden, es entstanden schnell hundert Meter lange Schlangen.“ Qatar Airways habe hier einen absoluten Top-Job gemacht, hebt Mehn hervor. Die gestrandeten Passagiere seien relativ schnell mit Getränken und Gutscheinen für die Flughafenrestaurants versorgt worden. Gegen 18 Uhr hätten die meisten Leute dann auch einen Hotel-Gutschein gehabt. Ins Hotel durften die Neustadter allerdings nur ihr Handgepäck mitnehmen, die Koffer mussten aus logistischen Gründen am Flughafen bleiben. Im Hotel ging es nach einer Dusche ins Bett, wobei der Schlaf nicht lange währte: „Gegen 23.30 Uhr wurden wir von heftigen Explosionen über dem Stadtgebiet aus dem Schlaf gerissen“, erzählt Mehn, „das ganze Hotelzimmer hat vibriert und beim Blick aus dem 13. Stockwerk konnten wir beobachten, wie die amerikanischen Patriot-Systeme Raketen abgefangen haben.“
Danach wurde es wieder ruhig. Um 6 Uhr wurden die beiden von einer vorbeifliegenden Staffel Apache-Kampfhubschrauber geweckt. Etwa zwei Stunden später, während sie frühstückten, folgte der nächste Alarm, „über unsere Köpfe hinweg sind Raketen in Richtung der 26 Kilometer entfernten Airbase geflogen“. Vom Hotelzimmer aus sahen sie „eine gigantische Rauchwolke, dieses Mal sind die Raketen zumindest teilweise eingeschlagen“.
Wieder Explosionen beim Frühstück
Die Behörden warnen davor, sich im Freien oder in der Nähe von Fenstern aufzuhalten. Letzteres sei gar nicht so einfach, „wenn das Bett zwei Meter neben dem Fenster steht“, sagt Mehn. Das Hotel verlassen haben sie auch am Sonntagmittag, um notwendige Dinge wie Unterwäsche und Hygieneartikel zu kaufen. Die Nacht auf Montag sei ruhig gewesen, allerdings seien beim Frühstück wieder mehrere heftige Explosionen über dem Stadtgebiet zu hören gewesen.
Die Neustadter stehen über die Elefand-Krisenvorsorgeliste in Kontakt mit dem Auswärtigen Amt, und einmal pro Tag veröffentlicht Qatar Airways ein Update über die Plattform X. Aber von den katarischen Behörden sei nichts zu hören, auch das Hotel erfahre nichts, sagt der RHEINPFALZ-Fotograf. Zwar gebe es theoretisch die Möglichkeit, sich auf dem Landweg bis in die saudische Hauptstadt Riad durchzuschlagen. Doch das sei kompliziert. Denn Leihwagen müsse man an der Grenze abgeben, außerdem brauche man ein Visum für die Einreise – und dann wieder einen Leihwagen auf saudischer Seite. So müssten sie wohl warten, bis der Luftraum wieder geöffnet werde, sagt Mehn, der hofft, dass die Prognose von US-Präsident Donald Trump, dass der Krieg einen Monat gehen könne, nicht zutrifft. Ein Lichtblick sei derzeit nur das freundliche Hotelpersonal.