Neustadt Esthal: Vegane Spezialitäten in der Gaststätte

Simon Hufnagel, der mit seinem Vater Vitakeim betreibt, sorgt für Nachschub im Regal.
Simon Hufnagel, der mit seinem Vater Vitakeim betreibt, sorgt für Nachschub im Regal.

Esthal: Ertfried Hufnagel und sein Sohn Simon haben schon auf vegane Kost gesetzt, als die noch nicht in Mode war. In Esthal haben die beiden nach ihrem Umzug aus dem baden-württembergischen Bad Bellingen in einer ehemaligen Gaststätte eine neue Heimat für ihren Lebensmittelhandel Vitakeim gefunden.

Viele Jahre lang wurden in der Gaststätte in der Hauptstraße 65 traditionelle Gerichte serviert. Dann stand das Gebäude rund fünf Jahre lang leer. Seit einigen Monaten werden in den Räumen wieder Speisen hergestellt. Doch nicht in einem Restaurant: Die Firma Vitakeim, die von Bad Bellingen nach Esthal umgezogen ist, produziert vegane Spezialitäten, die sie in viele Länder Europas verkauft. „Das hier ist wie für uns geschaffen“, sagt Ertfried Hufnagel, der mit Sohn Ansgar vor zwölf Jahren Vitakeim gegründet hat. Hufnagel, der als gelernter Buchhalter in verschiedenen Berufen gearbeitet hat und seit seiner frühen Jugend vegan lebt, entschloss sich damals, Speisen ohne tierische Bestandteile herzustellen. „Veganes Essen war kaum verbreitet. Doch zwei, drei Jahre später wurde vegan ein Boom, das kam uns natürlich zugute“, sagt Hufnagel, der gerne experimentiert. Für alle Lebensmittel, die Vitakeim verkauft, haben Hufnagel oder seine Söhne Ansgar und Simon die Rezepte entwickelt.

Nicht genügend Platz

Weil in Bad Bellingen der Platz nicht mehr gereicht und es keine Möglichkeit zur Erweiterung gegeben habe, seien die Hufnagels umgezogen. „Wir haben im Internet etwas Geeignetes gesucht“, erzählt Hufnagel. Die Räume der ehemaligen Gaststätte mit Gastraum, großem Saal, Küche und Kühlraum seien das gewesen, was sie gesucht hätten. „Für so ein Gebäude zahlt man woanders doppelt bis dreimal so viel“, so Hufnagel. Zwar sei er gelegentlich im Pfälzerwald gewesen. Esthal habe er aber nicht gekannt. „Esthal ist ein schönes Dörfchen“, findet der Unternehmer, der in einer Wohnung über den Betriebsräumen wohnt. Sohn Ansgar ist aus der Firma ausgestiegen, kommt nur gelegentlich zum Aushelfen nach Esthal. Sein Bruder Simon betreibt inzwischen die Firma gemeinsam mit dem Vater, wohnt aber in Mannheim. Zu den Geschäftsprinzipien der Familie gehört, ihre Produkte so günstig wie möglich zu verkaufen. Sie werden direkt an Verbraucher verkauft und in der Regel nicht an Wiederverkäufer wie Naturkostläden.

Über 100 vegane Produkte

Über 100 vegane Produkte stellt das Unternehmen, dessen Umsatz sich laut Ertfried Hufnagel auf etwa 500.000 Euro im Jahr beläuft, inzwischen her. Alle Rohstoffe sind laut Hufnagel rein pflanzlich, aus ökologischem Anbau und gesundheitsfördernd. „Wir waren die Ersten, die viele Samen und Getreide keimen lassen, bevor wir sie verwenden. Mit der Keimung erhöht sich die Menge an Vitaminen und Vitalstoffen“, sagt Ertfried Hufnagel. In der ehemaligen Küche der Gaststätte produzieren er und Sohn Simon, unterstützt von drei Mitarbeitern, die Lebensmittel: Pizzaböden aus Möhren, Tomaten, Leinsaat, Sesam, Sonnenblumenkernen und Gewürzen werden hier getrocknet. Kräcker, Fruchtschnitten, Früchtebrot und Fruchtkonfekt stehen ebenso auf der Liste wie Muse und Pestos, Süßigkeiten aus Carob, Kakaoersatz, gewonnen aus der Frucht des Johannisbrotbaums, und anderen Zutaten. Zusätzlich zu den selbst hergestellten Produkten verkauft Vitakeim vegane Rohstoffe, etwa gekeimte Samen, Hülsengemüse, Trockenfrüchte, Kürbiskerne. Lebensmittel, die nach Rezepten der Familie Hufnagel produziert werden, sind inzwischen auch in Geschäften erhältlich. „Wir wollen weiter alles in Handarbeit machen und nicht zu groß werden. Deshalb haben wir unsere Rezepte einer Firma verkauft“, sagt Hufnagel.

Kunden in ganz Europa

Im ehemaligen Saal werden täglich 20 bis 50 Pakete mit Lebensmitteln gerichtet, die an Kunden in Deutschland und ganz Europa verschickt werden. Bestellt wird überwiegend übers Internet. Am Anfang habe es etwas Probleme mit dem Versand gegeben, weil der bisherige Dienstleister nicht täglich nach Esthal kommen wollte, um die Pakete abzuholen. „Inzwischen arbeiten wir mit einem anderen, der ist zwar etwas teurer, aber er kommt“, sagt Hufnagel. Der ehemalige Gastraum ist so eingerichtet, dass er als Laden betrieben werden könnte. Gerne würde Hufnagel einige Tage pro Woche öffnen. Eine Genehmigung habe er bisher noch nicht beantragt, auch weil es noch Probleme mit der für den laufenden Betrieb gebe. Hufnagel: „Da sind viele Auflagen zu erfüllen, das ist nicht einfach.“ Nicht einfach sei es auch, geeignete Mitarbeiter zu finden. Derzeit suche er einen für die Produktion und einen Buchhalter in Teilzeit.

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