Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Erkundungstour in der Fachwerkmetropole: Über die Arbeit einer Gästeführerin

Jutta Hofmeister mag es, Gruppen für Neustadt zu begeistern.
Jutta Hofmeister mag es, Gruppen für Neustadt zu begeistern.

Die Gästeführer samt ihren Besuchergruppen gehören in Neustadt einfach dazu. Doch wer macht diesen Job überhaupt – und warum? Jutta Hofmeister erklärt ihre Begeisterung.

„Einfach perfekt.“ Simone Schwarz, die Leiterin der Neustadter Tourist-Information, macht kein Geheimnis daraus, was sie über Jutta Hofmeister denkt. Seit 2023 gehört sie zu ihrem Team: als Mitarbeiterin in der Tourist-Information, aber auch als Gästeführerin, die Besuchergruppen durch Neustadt führt. Die Meinung von Simone Schwarz teilt auch der Bundesverband der Gästeführer in Deutschland: Denn er hat Hofmeister kürzlich mit der höchstmöglichen Zertifizierung bedacht. In der Pfalz haben nur 15 Gästeführer eine solche Auszeichnung.

Darüber habe sie sich natürlich sehr gefreut, bekennt Jutta Hofmeister ganz offen. Die gebürtige Neustadterin war beim Daimler-Konzern tätig und für diesen „lange weg und unterwegs“. Als sie dann in Rente ging, habe sie sich gefragt: „Will ich nur noch Hausfrau sein? Nein, ich habe mir eine Beschäftigung gesucht.“ Als sie private Gäste dann ihre Heimatstadt gezeigt habe, „habe ich gemerkt, wie wenig ich eigentlich über Neustadt sagen kann“. Als Hofmeister wenig später dann las, dass an der Regio-Akademie in Lambrecht ein neuer Gästeführer-Kurs beginnt, hat sie sich kurzerhand angemeldet. 600 Unterrichtsstunden umfasst die 20-monatige Ausbildung. Seither mischt sie im Neustadter Tourismus mit. Hofmeister ist begeistert, sie mag die Mischung aus Tourist-Information und Gästeführung. „Oft sehe ich unsere Gäste dadurch zweimal.“

400 Stadtführungen pro Jahr

Simone Schwarz betont, dass in Neustadt nur ausgebildete Gästeführer aktiv sind, aktuell sind es 23. 400 Stadtführungen gibt es pro Jahr. Die meisten würden gezielt von Gruppen gebucht, aber es gebe auch 100 öffentliche Führungen, zu denen man sich einfach so anmelden könne. Übers Jahr zählt die Tourist-Information 6500 Gäste bei den Stadtführungen. „Die Leute lernen Neustadt kennen und lassen hier auch Geld“, sagt Schwarz. Daher sei sie froh über die engagierten Gästeführer. „Wir verkaufen diese Touren ja und können so einen hohen Service und Standard garantieren.“ Das Konzept komme an: Die Rückmeldungen seien durchgehend positiv.

Dank ihrer Ausbildung darf Hofmeister an der ganzen Mittelhaardt entlang Besuchergruppen durch die Orte führen oder zu Sehenswürdigkeiten begleiten. Auch in Bussen ist sie dabei unterwegs. Dabei müsse man lernen, wann man Informationen präsentiert. „Wenn ich beispielsweise übers Hambacher Schloss spreche, wenn wir oben vorfahren, ist es zu spät. Das muss ich schon rechtzeitig einfädeln und das zudem so präsentieren, dass auch die im Bus gerne zuhören, die etwas nicht sehen können, weil sie auf der falschen Seite sitzen.“

Lange am Stück reden

Auf den Touren gehe es natürlich um Wissensvermittlung, aber auch darum, ein Gespür für die Gruppen zu bekommen, sie zu begeistern. Weiche Faktoren seien daher ganz zentral. „Man bekommt auch eine Sprachschulung, um eineinhalb bis zwei Stunden am Stück reden zu können“, sagt Hofmeister lachend. Ihrer Meinung nach biete eine Stadtführung auf jeden Fall auch einen Mehrwert im Vergleich zu digitalen Informationen. „Ich mache auch Späße und will für ein Erlebnis sorgen.“ Das verdeutlicht sie mit einem Beispiel: Die Lebensdaten von Johann Casimir seien oft schnell wieder vergessen. „Wenn ich aber auf der Tour ,Jäger aus Kurpfalz’ anstimme, löst das Begeisterung aus. Das bleibt hängen.“

Die wichtigste Fertigkeit ist ihrer Meinung nach: „Man muss Menschen mögen.“ Daher habe sie vor allem bei Altstadtführungen mit Weinbegleitung sehr viel Spaß. „Das wird dann schnell sehr locker.“ In einer Woche hat Jutta Hofmeister bis zu fünf Führungen. Das sei bei aller Freude schon auch anstrengend. „Wenn ich dann heimkomme, bin ich die erste Stunde etwas mundfaul“, sagt sie und lacht. Die entscheidende Motivation, als Gästeführerin einzusteigen, habe sie nach Abschluss ihrer Ausbildung bekommen. Da habe sie zur Probe einige Freunde eingeladen und sie mit allen vorbereiteten Informationen durch die Altstadt geführt. „Sie waren am Ende einfach nur erstaunt und haben mir gesagt, dass sie vieles davon nicht wussten.“ Für sie sei das ein Aha-Erlebnis gewesen. Noch heute habe sie einfach „Spaß beim Erkunden der eigenen Stadt“. Deren Geschichte erzähle sie gerne anhand geschichtlicher Abläufe. Sie zeige nicht nur ein Fachwerkhaus und sagt „wie schön“, sondern bette dessen Entstehung in die jeweiligen Epochen ein und will so Besuchern aufzeigen, warum Neustadt die „Fachwerkmetropole der Pfalz“ ist. „Wir haben Glück und einen so großen Fundus in Neustadt, da kriegt man eineinhalb Stunden locker gefüllt.“

Eines ist Jutta Hofmeister im Gespräch dann noch sehr wichtig: „Wir haben nur gute Gästeführer in Neustadt, ich habe tolle Kolleginnen und Kollegen. Ich bin nur eine von 23.“ Der Zusammenhalt drücke sich auch dadurch aus, dass es regelmäßige Stammtische und Ausflüge gebe. Das Ziel für dieses Jahr: die Villa Ludwigshöhe. „Natürlich mit Führung.“

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