Neustadt
Ein Prinz kommt nach Neustadt
Neustadt feiert bald wieder. Okay, das ist nicht besonders überraschend. Es gehört ja zum Markenkern der Stadt im Herzen der Weinstraße, dass die Menschen hier oft und gerne feiern. Aber das Fest, das nun ansteht, ist dann doch etwas Besonderes. Erstens, weil es immer noch recht neu ist. Zweitens, weil es nicht jedes Jahr, sondern nur alle zwei Jahre gefeiert wird. Und drittens, weil es so anders ist als die anderen Feste. Die Rede ist von „1832. Das Fest der Demokratie“, ab hier der Einfachheit halber Demokratiefest genannt.
Nun löst der Name wahrscheinlich nicht bei jedem große Begeisterung aus. Die Meinung, dass Demokratie wichtig und wertvoll ist, teilen zum Glück die meisten Menschen an der Weinstraße und darüber hinaus. Aber mit Spaß wird sie nicht unbedingt verbunden. Der wird am letzten Mai-Wochenende, wenn das Demokratiefest in der Stadt und auf dem Hambacher Schloss gefeiert wird, dennoch nicht zu kurz kommen. Nehmen wir nur die Bands Woifeschdkänisch und Friends Don’t Lie, die mutmaßlich ganz unterschiedlichen Zielgruppen Freude machen werden. Auch für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Angebote.
Doch geht es auch um Kultur, um Diskussionsformate, um Möglichkeiten, ins Gespräch zu kommen. Das ist auch gut so. Denn das macht das besondere Profil dieser Veranstaltung aus, Neustadt braucht schließlich kein zweites Weinlesefest.
Vielzahl an Programmpunkten
Das Demokratiefest bringt indes seine eigenen Herausforderungen mit sich. Das hat der Autor dieser Zeilen gemerkt, als er in dieser Woche eine erste Vorschau auf die Feier geschrieben hat und sich dafür durch das Programm auf der Webseite der Stadt geklickt hat. Während des Verfassen des Artikels tauchten dort plötzlich immer wieder neue Programmpunkte auf. Es wurde also weiterhin noch daran gearbeitet, Dinge wurden ergänzt.
Die Vielzahl der Angebote macht sicher einen Reiz der Veranstaltung aus; den Überblick zu behalten, ist aber nicht ganz so einfach. Auch wenn die RHEINPFALZ noch detaillierter über das Festprogramm berichten wird, empfiehlt es sich, einen eigenen Blick aufs Programm zu werfen, um nicht die Veranstaltungen zu verpassen, die den eigenen Geschmack treffen. Denn gerade die kulturellen Angebote und die Gesprächsrunden sind sehr vielfältig und halten so manches Schmankerl bereit.
Ein Prinz in Neustadt
Etwa die Gesprächsrunde am Samstag um 13.10 Uhr auf der Bühne im Rathaus-Innenhof mit Prinz Ludwig von Bayern. Der 43-Jährige ist das zukünftige Oberhaupt der Wittelsbacher und Ururenkel des letzten bayerischen Königs Ludwig III., der 1918 gestürzt wurde. Prinz Ludwig ist also ein Vertreter des Adelsgeschlechts, gegen dessen Herrschaft die Bürger 1832 auf dem Hambacher Schloss aufbegehrten. Das mag man als Ironie der Geschichte sehen, dass er nun beim Demokratiefest spricht. Monarchistische Äußerungen sind vom Prinzen, der als Entwicklungshelfer tätig ist, jedenfalls nicht zu erwarten. Die Wittelsbacher sind der Demokratie mittlerweile sehr zugewandt und fallen auch nicht mit Streitereien mit staatlichen Stellen auf, wie etwa Vertreter des Hauses Hohenzollern, die mitunter sehr preußisch (mit anderen Worten unsympathisch) auftreten.
Die Organisatoren des Festes zeigen sich zuversichtlich, dass das Programm viele Besucher lockt. Gleichzeitig klingt bei ihnen auch immer wieder mal die Hoffnung durch, dass das Wetter mitspielt. Doch selbst wenn es nicht ideal sein sollte, kann man darauf setzen, dass die Neustadter keine Schönwetter-Demokraten sind.