Neustadt Ein Akkord reicht für ökologisch-nachhaltig

Neustadt-Hambach. Protest-, Stimmungs- und Liebeslieder präsentierte Thomas Lienenlüke am Donnerstag mit seinem Programm „Revanche“ im Hambacher Schloss. Dabei zeigte sich der Kabarettist beim Kampf mit einem den Dienst verweigernden E-Piano auch von der schlagfertigen Seite – sehr zur Freude der zahlreichen Zuschauer.
„Mein Gesichtsausdruck ist fröhlich“, erläutert Lienenlüke, während er auf seiner Gitarre immer wieder denselben Akkord spielt. Schließlich passt auch nur dieser zu einem „ökologisch nachhaltigem Stimmungslied“, das sich dadurch auszeichne, dass „man mit möglich wenig Energieaufwand auskomme“, so der 48-Jährige, der sowohl seine Heimat, Bielefeld in Ostwestfalen, als auch seinen aktuellen Wohnort Köln in seinem Eröffnungslied thematisiert. Darin vergleicht er den Gruppensex in Ostwestfalen, wo zwei Beteiligte „schon viele“ sind, mit dem vermeintlich zügellosen Treiben in Kölle und sorgt damit gemäß der Lied-Intention für Stimmung im Saal. Diese steigert sich noch, als die Zuschauer mit Heinz, einem ehemaligen Klassenkameraden bekannt gemacht werden, dem Lienenlüke ein Lied gewidmet hat. Dieser habe nur drei Hobbies – „liegen, stehen, sitzen“. Beim dreijährigen Malte sieht das schon ganz anders aus, denn dieser ist – zumindest in den Augen des Erzeugers – „hochbegabt“, wofür der Vater des Wunderknaben natürlich auch eine Erklärung hat: „Sex bei Vollmond und vegane Ernährung.“ Beim Wechsel von der Gitarre ans E-Piano steht Lienenlüke dann zunächst vor einem Problem, das er allerdings mit Humor und etwas technischem Hin und Her zu lösen weiß. „Wenn Sie jetzt denken, dass sei ein ausgefeilter Gag – ist es nicht. Haben Sie was zu lesen dabei?“, zeigt sich der Kölner schlagfertig. Als das Tasteninstrument schließlich die ersten Töne erklingen lässt, applaudiert das Publikum, denn es ahnt schon: Es wird humorvoll weitergehen. Bevor Lienenlüke seine ironische Liebeshymne auf Kontaktbörsen wie elitepartner.de auf seine Zuhörer loslässt, gibt er ihnen noch die Möglichkeit, der oder dem Liebsten mal alles zu sagen, was sie bei romantischer Klavierbegleitung schon immer einmal sagen wollten, denn „die ersten vier Takte sind ohne Text“. Diese Möglichkeit bringt allerdings zumeist nur herzhaftes Lachen hervor. Dieses schallt auch mehrmals beim Gehet-hin-und-vermehret-euch-Lied durch den Saal, der auf Wunsch des Künstlers mit „seriösem Pufflicht“ erleuchtet wird, das perfekt zur Stimmung des „Lieds zum Kindermachen“ passt. Egal was Lienenlüke musikalisch durch den Ironie-Witz-Fleischwolf dreht – eine literarische Kurzinhaltsangabe eines Krimis aus Schweden, eine touristische Hippie-Attraktion auf Kreta, twitternde Sozialdemokraten oder Deutschlehrer in Jack-Wolfskin-Jacken - die Lachmuskeln des Publikums werden ordentlich strapaziert. Allerdings gib es auch einen Moment, in dem Stille in die historischen Mauern einzieht, denn Lienenlüke beherrscht auch das ernste Fach. Nach dem Amoklauf von Winnenden hat er die Ereignisse musikalisch verarbeitet, in einem Lied, das stark nachhallt, ohne der Stimmung zu schaden. Abschließend gibt er seinen Gästen allerdings noch einen in fröhliche Rhythmen verpackten – nicht ganz ernst gemeinten – Rat mit auf den Nachhauseweg: „Schau einfach nicht hin, wenn Menschen im Regen stehen.“ Eins werden die Zuschauer allerdings nach diesem unterhaltsamen Abend machen: genau hinhören, wenn Lienenlüke singt, denn der tiefere Sinn ist bei ihm zwischen den Zeilen verpackt.