Weisenheim am Berg
Drei Studierende der Universität Landau stellen in der ehemaligen Synagoge aus
Seit etlichen Jahren schon arbeitet der „Förderkreis ehemalige Synagoge Weisenheim am Berg“ bei Kunstausstellungen mit der Universität in Landau zusammen. Am Samstag nun wird ein weiteres Kapitel mit Arbeiten von Studierenden des Instituts für Kunstwissenschaft und Bildende Kunst aufgeschlagen.
Die Ausstellung trägt den Titel „Ausgangspunkt“ und zeigt Malerei, Grafik und Keramik von Jan Fries, Katharina Carstens und Anna-Lena Vogt, alle drei Studenten bei Prof. Tina Stolt, die sich in ihren Arbeiten mit Wirklichkeit und Perspektive auseinander setzen: Katharina Carstens rückt mit ihren Linolschnitten und Radierungen den Alltag in den Mittelpunkt, private Situationen, die jeder kennt. Man sieht Menschen in, scheinbar unbeobachteten Momenten: beim Zähneputzen im Bad mit Handy in der Hand, beim Fußnägelschneiden, beim Chipstüten-Leeren.
Mensch und Tier: Anna-Lena Vogt dreht den Spieß um
Jan Fries verwirrt den Betrachter in seinen Acrylbildern mit Räumen, die auf den ersten Blick realistisch erscheinen, dann aber irreal werden, sich verselbständigen und gerade deshalb faszinieren. Manche Teile scheinen zu schweben. Anna-Lena Vogt beschäftigt sich mit der Mensch-Tier-Beziehung und dreht den Spieß im wahrsten Sinne um: Was, wenn nicht das Insekt im Dienst der Wissenschaft aufgespießt wird, sondern der Mensch? Wenn Tiere im Zoo uns beobachteten, statt umgekehrt, wenn wir in der Mausefalle Genickbruch erlitten oder zerquetscht auf der Autoscheibe landeten? Zuerst muss man schmunzeln, doch wenn man sich in die Sache einfühlt, schafft man selbst einen Perspektivwechsel.
Jan Fries zeigt auch Keramikarbeiten in Obvara- und Rakutechnik. Sie haben, je nachdem, wie man sie betrachtet, unterschiedliche Oberflächenstrukturen: glatt, glänzend, rissig, organisch. Seine Vase „Zerfall“ deutet an, dass alles im Wandel ist: Das röhrenförmige Werk besteht aus einer Tonplatte, deren Bund nur zusammengelegt erscheint. Wäre die Vase aus einem Blatt Papier geformt, würde sich der Bogen wieder zurückbiegen. Die Vase wäre dann Geschichte, zerfallen. So wie alles, was wir sehen vergänglich ist ...
Hier springt nicht der Bock, sondern der Mensch
Von Anna-Lena Vogt hängen auch noch drei große Bütten-Papier-Bahnen in einer Ecke. Auf der linken sieht man einen Elefanten, der gerade fotografiert, in der Mitte einen jungen Tiger in Latzhosen, der sich mit den Tatzen an eine Scheibe zu drücken scheint, auf der rechten einen Eisbären, mit einem Eis in der Hand. Die Kamera und die Augen des kleinen Tigers sind direkt auf den Betrachter gerichtet. Diese Kaltnadelradierungen sind Teil einer zukünftigen Installation, bei der ein Raum entstehen soll, in den der Betrachter eintreten kann. An der Kopfseite blickt er dann auf Tiere hinter einer Glasscheibe, eine Situation, wie man sie in Zoos erlebt. Die Künstlerin erklärt dazu, dass sie selbst als Kind gerne Zoos zur Unterhaltung besucht habe, inzwischen sehe sie diese Einrichtungen kritischer. Auch die anderen Werke der Serie zeigen sehr detailgetreu die Rolleninversion: Ein Menschlein mit extrem großen Augen, langen Ohren, heraushängender Zunge etwa prangert die Qualzucht bei Hunden an. In einem anderen Bild fährt ein Reh Mähdrescher und droht, einen im Gras liegenden Menschen zu überfahren. Alles stimmt bis ins kleinste Detail: Selbst das Logo eines bekannten Landmaschinenherstellers, das im Original einen springenden Rehbock zeigt, wird durch ein rennendes Strichmännchen ersetzt. Vogt möchte mit diesem schwarz-satirischen „Humor“ wachrütteln. Gerade Kunst helfe beim Perspektivwechsel, weil sie ermögliche, sich in andere hineinzuversetzen, Empathie zu entwickeln.
Die Ausstellung
Die Ausstellung „Ausgangspunkt“ wird am Samstag, 9. Mai, um 17 Uhr in der ehemaligen Synagoge in Weisenheim am Berg eröffnet. Zur Einführung spricht Prof. Tina Stolt von der RPTU Landau. Die Schau läuft bis 25. Mai: Öffnungszeiten: samstags von 17 bis 19 Uhr, sonntags und an Christi Himmelfahrt von 11 bis 17 Uhr.