Neustadt dorfgeflüster:

In Haßloch geht’s rund! Nein, im Folgenden geht es mal nicht um turbulente Ratssitzungen. Vielmehr betrachten wir die Gemeinde heute einmal aus dem Blickwinkel des ortsfremden Autofahrers. Und der wird schon bald nach dem Einfahren ins Großdorf feststellen, dass das Straßenbild von zahlreichen Knotenpunkten geprägt ist, die unsere Straßenverkehrsordnung als „Kreisverkehrsplatz“, der Volksmund als „Kreisel“ kennt. Wir haben sie nicht gezählt, aber wenn es um die Kreisel-Dichte geht, dürfte die Gemeinde landesweit schon in der Spitzengruppe der Pro-Kopf-Verkreiselung liegen. In einer solchen Gemeinde, die dem zuständigen Straßenplaner den liebevollen Beinamen „Kreisel-Walter“ verliehen hat, müsste die folgende Nachricht, auf die wir in den unendlichen Weiten des Internets gestoßen sind, mit besonderem Interesse gelesen werden: Im schrulligen England, genauer gesagt in der Stadt Redditch bei Birmingham, gibt es einen Club namens „Roundabout Appreciation Society“, was sich ungefähr mit „Vereinigung der Kreisel-Liebhaber“ übersetzen lässt. Bis der heutige Präsident Kevin Beresford den skurrilen Club ins Leben rief, war die 80.000-Einwohner-Stadt überörtlich wohl nur wegen seiner überaus scharfen Schweinefleischpasteten und seiner nicht weniger als drei Gefängnisse bekannt – und wegen seiner angeblich 40 Kreisel. Nun aber hat Redditch dank der „Roundabout Appreciation Society“ eine Art Kult-Charakter erlangt. Die Vereinigung, die Kreisel von der philosophischen Seite her betrachtet und als „Oasen in der Asphaltwüste“ rühmt, gibt nämlich seit 2003 jährlich einen Monatskalender heraus, der die schönsten britischen Kreisel zeigt. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Blumenbeete? Straßenlampen? Ortswappen? Wie langweilig. In der Mitte der Kreisverkehre, die es in den Kalender geschafft haben, erinnert beispielsweise ein hölzernen Ritter an die Schlacht von Tewkesbury 1471, oder in York braust der Verkehr rund um eine richtige Windmühle aus dem 18. Jahrhundert. Da fragen wir uns natürlich: Was hat denn Haßloch da zu bieten? Wir müssen einräumen: Mit den verschrobenen Briten können wir es hier nicht ganz aufnehmen. Auf den Kreiseln an den Ortseingängen entdecken wir beispielsweise eine Riesen-Biene-Maja als Werbung für den Holiday Park, am Badepark-Kreisel tummeln sich ein paar Kinderfiguren, und an der Neustadter Straße empfängt eine Skulptur von Bernd Kastenholz den motorisierten Besucher. Und manches Rund in Haßloch ist sogar noch vollkommen öde. Ganz zu schweigen von den Mini-Kreiseln, über die man schneller weg ist, als man den Blinker setzen kann: Deren sehr beschränkter Radius lässt einfach nicht viel mehr als eine Pflasterung zu. Sagen wir’s rundheraus: Bei der Haßlocher Kreisverkehrs-Kreativität ist noch Luft nach oben. Und etwas Lokalkolorit können die Mittelinseln dabei schon vertragen. Es muss ja nicht gleich der „Kreisel-Walter“ als Büste sein.

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