Neustadt
Dirk Herber siegt klar im Wahlkreis Neustadt
Als die RHEINPFALZ Dirk Herber am Sonntagabend telefonisch erreicht, ist er auf den letzten Kilometern auf dem Weg von Mainz nach Mußbach, wo die Wahlparty im Weingut Hellmer steigen soll. Dort wird wohl kräftig gefeiert werden, die Stimmung, die aus Herbers Auto durchs Telefon dringt, ist schon gut. Nein, nicht gut, sondern „überragend“, wie der bisherige und künftige Landtagsabgeordnete sagt. Herber ist hörbar begeistert – von der Aussicht, dass seine Partei nach 35 Jahren in der Opposition wieder die Regierung anführt. Herber spricht von einer „unglaublichen Teamleistung“ der CDU im Land und im Wahlkreis. Die Christdemokraten hätten damit gerechnet, dass es knapp würde, „deshalb haben wir auf den letzten Metern alles rausgehauen“. Am Wochenende hätten noch einmal 35 Leute in der Stadt Überzeugungsarbeit geleistet. Der Abgeordnete zeigt sich dankbar für die Unterstützung der Parteifreunde. Alle seien sicher gewesen, dass Spitzenkandidat Gordon Schnieder der richtige Mann sei. Dankbar ist Herber auch für das Vertrauen der Wähler in ihn, sodass er den Wahlkreis wieder gewinnen konnte. „Ich freue mich auf das, was kommt“, sagt er zum Schluss.
Herber hat den Wahlkreis, der Neustadt, Haßloch und die Verbandsgemeinde Deidesheim umfasst, mit 31,6 Prozent vor Claus Schick (SPD) mit 26,2 Prozent gewonnen. Bei den vergangenen beiden Wahlen hatte er jeweils nur einen kleinen Vorsprung vor der SPD-Kandidatin Giorgina Kazungu-Haß. Seinerzeit gehörte statt der VG Deidesheim die VG Lambrecht zum Wahlkreis.
Schick ist enttäuscht
Ziemlich geknickt zeigt sich am Wahlabend Claus Schick. „Mein Freudentanz hält sich in Grenzen“, meint der Lachen-Speyerdorfer ironisch. Er bedauere es, dass Alexander Schweitzer nicht als Ministerpräsident weitermachen könne. Dass er im Wahlkreis sowohl bei der Erst- als auch bei der Zweitstimme über dem Landesergebnis der SPD liege, sei nur ein schwacher Trost, so Schick: „Ich bin enttäuscht, weil ich die Menschen im Wahlkreis nicht überzeugen konnte.“ Er könne mit Blick auf die Ergebnisse der CDU sowie seinem Mitbewerber Dirk Herber „nur gratulieren“. Schick, der am Abend bei SPD-Freunden in Haßloch ist, dankt ausdrücklich „allen Genossen im Wahlkreis, dass sie mich als ihren Kandidaten durch den Wahlkampf getragen haben“. Auch seiner Familie sei er für die Unterstützung die ganze Zeit sehr dankbar. Wie es für ihn nach dem Verlust des Landtagsmandats weitergehe (Schick wird auch nicht über die Landesliste ins Parlament kommen), könne er jetzt noch nicht sagen: „Ich hätte sehr gerne weitergemacht“, so Schick, der seit September 2022 dem Landesparlament angehört. „Traurig“ stimme ihn, „dass die AfD so zugelegt hat überall“.
Auch FDP-Direktkandidat Matthias Frey macht aus seiner Gefühlslage kein Geheimnis: „Es gab schon viele schönere Abende. Das ist ein politischer Tiefschlag in meinen über 40 Jahren bei der FDP.“ Seine Partei stehe nun „vor einem tiefen Tal“. Werte zwischen zwei und drei Prozent sowohl auf Landesebene für die Partei sowie auf Wahlkreisebene für die FDP als auch für ihn persönlich zeigten, „dass wir derzeit keine Zeit für liberale Ideen haben“. Nach Jahren voller Krisen sehnten sich viele nach einem starken Staat. Frey, bisher Staatssekretär im Justizministerium, ist aber auch überzeugt, dass „liberales Gedankengut nicht verschwinden“ werde. Er wolle sich weiter engagieren – sowohl kommunal in Ortsbeirat und Stadtrat als auch auf Landesebene. Dort müsse man sehen, „wie wir uns nun aufstellen“. Wie es für ihn nun beruflich weitergehe, werde sich zeigen, so der 61-Jährige. „Politik ist ein Job auf Zeit.“ Die FDP habe sich ihr Ergebnis zwar selbst zuzuschreiben. Dass in den Medien aber der Eindruck entstanden sei, es gehe nur um ein Duell zwischen Gordon Schnieder und Alexander Schweitzer sei für die kleineren Parteien nicht gut gewesen.
Rössler: Die Leute wollen eine Änderung
Guter Stimmung ist indes AfD-Kandidat Martin Rössler angesichts der Tatsache, dass sich seine Partei im Land mehr als verdoppelt hat. Er verweist auch auf die Zuwächse bei der baden-württembergischen Landtagswahl und den hessischen Kommunalwahlen: „Man merkt, dass die Leute eine Änderung wollen“, schlussfolgert er daraus. Ein bisschen schade findet er es, dass er für keinen Platz auf der AfD-Liste kandidiert hatte. Darauf habe er mit Rücksicht auf seinen Sohn verzichtet, sagt der alleinerziehende Vater. Nach Gesprächen mit dem Sohn und seinen Eltern kandidierte er dann doch für das Direktmandat.
„Wir haben das realistisch Mögliche erreicht“, sagt Grünen-Direktkandidat Dirk Schrader. Sicher hätte er sich das Ergebnis besser gewünscht, aber es hätten im Vorfeld der Wahl auch schlimmere Szenarien kursiert, wonach seine Partei stärker zerrieben worden wäre. Bestürzt zeigt er sich über das Ergebnis der AfD, bei der es sich um eine Partei handele, die weit weg sei von der normalen Auslegung der im Grundgesetz formulierten Würde des Menschen. Schrader hätte sich gewünscht, dass mehr Parteien dem nächsten Landtag angehörten, etwa auch die FDP, die auf Landesebene immer ein verlässlicher Partner gewesen sei. Der Grüne dankt zudem „meinen demokratischen Wettbewerbern“ für einen fairen Wahlkampf.
Nur noch eine Stimme in Mainz
Neustadts Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) ist am Abend im RHEINPFALZ-Gespräch als Kreiswahlleiter vor allem zufrieden, dass „alles ruhig gewesen“ sei und es in den Wahllokalen „keine besonderen Vorkommnisse oder Störungen“ gegeben habe. Er sei mittags in der Berufsbildenden Schule gewesen und habe die Wahlhelfer der Briefwahlbezirke auf den Tag eingestimmt. Allen Wahlhelferinnen und Wahlhelfern danke er zudem für ihren Einsatz. Am Donnerstag tage noch der Wahlausschuss, um das Ergebnis im Wahlkreis offiziell festzustellen. Dass die Freien Wähler den erneuten Einzug in den Landtag verpasst haben, bedauert Weigel: Sie hätten dem Parlament als „Anwalt der Kommunen“ gut getan, aber in der aktuellen Konstellation des Wahlkampfs sei es für alle kleinen Parteien schwer gewesen. „Klarer Wahlsieger“ ist für Weigel die AfD, denn sie habe sich „überall verdoppelt“. Angesichts der finanziellen Probleme und der schweren Aufgaben sei die Entwicklung mit dem Erstarken der AfD „bedenklich“. Mit ihr als großer Opposition werde es „nicht einfach“. Weigel gratulierte zudem dem Wahlkreissieger Dirk Herber, bei dem er sich am Abend auch noch persönlich melden wolle. Herber sei künftig die einzige Stimme des Wahlkreises in Mainz – bisher habe man drei Abgeordnete und den Staatssekretär Frey gestellt, so Weigel.
Dieter Dörr (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde und der Stadt Deidesheim, spricht von einem „hervorragenden Ergebnis der CDU“. Er freue sich für seine Partei und für das Land Rheinland-Pfalz – und für den künftigen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder, der am Freitag noch zu einem Kurzbesuch in Deidesheim war. Für Dörr war es „ein toller Wahlkampf und eine unheimliche Geschlossenheit der CDU“. Das sei in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen und für ihn „der Hauptgrund für das starke Ergebnis der CDU“.
Haßlochs CDU-Bürgermeister Tobias Meyer freut sich über das Ergebnis, ordnet aber ein: „Ich glaube, die Landespartei tut gut daran, das Wahlergebnis in Demut zur Kenntnis zu nehmen und auch zu wissen, mit welcher Erwartung es verbunden ist.“ Seiner Meinung nach hätten die Menschen ein Stück weit den Wechsel gewählt. Ein Ergebnis rund um 30 Prozent sei für ihn aber kein Grund, in Jubel zu verfallen. Bezogen auf Haßloch, wo es lange Zeit so aussah, als würde die AfD die meisten Stimmen holen, sagt er: „Man sieht bei den Auszählungen einen sehr starken Unterschied zwischen den Urnenbezirken und den Briefwahlbezirken.“
