Wir über uns Die Redaktionsleiterin sagt: Tschüss, Neustadt!
Mein erster Weg am ersten Arbeitstag in Neustadt – Ende März 2014 führte er ins Rathaus, genau gesagt ins Büro von Peter Fröhlich, dem Fachmann für die Städtepartnerschaften schlechthin. Die Idee: gleich zu Beginn der allerersten Vorderpfalz-Station einer RHEINPFALZ-Redakteurin aus der Westpfalz ins kalte Wasser zu springen und die Bürgerfahrt nach Mâcon im Burgund mitzumachen. Genau diese hatte Fröhlich damals für kurz nach Ostern organisiert. Es folgten acht Tage in direktem Kontakt mit Neustadter Bürgern, um zu erleben, wie diese so ticken.
Die Idee zahlte sich aus. Damals, und natürlich in der langen Zeit danach, entstanden Verbindungen, die bis heute hielten und auch halten werden, wenn die Westpfälzerin Neustadt verlässt. Morgen, am 1. Februar, gibt es einen Wechsel in der Redaktionsleitung der „Mittelhaardter Rundschau“, der RHEINPFALZ-Lokalausgabe Neustadt. Zehn Jahre sind vergangen wie im Flug. Und der Abschied von Neustadt und seinem Umland fällt viel schwerer, als ich jemals gedacht hätte. Trotzdem: Wer sich zu lange nicht bewegt, steht irgendwann endgültig still. Auch wenn das, zugegeben, Ansichtssache sein mag.
Nur Schorle geht nicht
Der Abschied fällt schwer, weil Neustadt, die Region und die Menschen liebenswert sind. Weil hier am Haardtrand noch so viele spannende Dinge anstehen, die es allemal lohnen, sie journalistisch zu begleiten. Weil es Spaß macht, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, auch wenn man nicht unbedingt einer Meinung ist oder bestimmte Erwartungen nicht erfüllen kann. Nur mit einem hat es bis heute nicht geklappt: eventuelle Meinungsverschiedenheiten am Ende des Tages bei einer Weinschorle beizulegen. Die Haardt möge es verzeihen, aber Wein und Wasser, das geht nur getrennt.
So viele Geschichten, die ich nie vergessen werde, so viele Begegnungen, die das Berufsleben und oft auch das private reicher gemacht haben. Vieles davon ist dem besonderen Einsatz der Menschen hier zu verdanken. Wie jener der Freiwilligen Feuerwehr Neustadt für Mayschoß im Ahrtal. Darüber aus dem Flutgebiet berichten zu dürfen und die Hilfe auch später noch begleiten zu können, war wahrlich kein Alltagsjob.
Danke fürs Vertrauen
Gleiches galt für die Spaziergänge durch die neun Weindörfer, an deren Ende stets ein „Wimmelbild“ stand, für das möglichst viele Dörfler für unseren Fotografen Aufstellung nehmen sollten. Keine Frage, dass sie sich da nicht lange zierten. Und natürlich die Pandemie, in der viele Leserinnen und Leser darauf vertrauten, gut von der RHEINPFALZ informiert zu werden. Auch damals haben wir versucht, unser Bestes zu geben, um diesem großen Vertrauensvorschuss gerecht zu werden.
Überhaupt dieses „Wir“: Zwar gab es in den vergangenen zehn Jahren auch bei der RHEINPFALZ viele Veränderungen, so wie bei allen Zeitungsverlagen, die sich der digitalen Welt stellen müssen. Was aber immer gleich blieb, war der Zusammenhalt im Neustadter Team, auf das ich mich als Redaktionsleiterin nicht nur stets verlassen, sondern auf das ich auch immer stolz sein konnte. Das gilt beileibe nicht nur für die Kerntruppe samt Assistenz in der Kellereistraße, sondern ebenso für all jene, ohne die gar nichts geht: unser Fotografen-Duo sowie unsere freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Da mal öffentlich Danke sagen zu können, ist vielleicht schon den Wechsel auf eine neue Stelle wert.
Einsatz lohnt sich
Diese neue Stelle, sie führt mich zurück in die Westpfalz. Nicht in eine Lokalredaktion – wer tauscht schon Neustadt gegen eine andere aus –, sondern als Westpfalz-Reporterin. Und wieder wird es darum gehen, nach bestem Wissen und Gewissen zu recherchieren, zu informieren und auch zu unterhalten. Die Zeitungslektüre – ob gedruckt oder digital – soll sich lohnen und auch mal Spaß machen. Das gelingt nicht jeden Tag, aber unser Ziel ist und bleibt es, an so vielen Tagen wie möglich eine gute Zeitung zu produzieren.
Ähnliches gilt im Übrigen auch für viele, die in Neustadt ebenso wie in seiner Region Verantwortung tragen, sei es haupt- oder ehrenamtlich, sei es in der Kommunalpolitik oder im Verein. Sie alle versuchen, die Stadt, die Verbandsgemeinde, die Ortsgemeinde voranzubringen und investieren viel Herzblut. Das ist nicht immer leicht, es werden Fehler gemacht und die Zeiten rauer. Wer hätte früher gedacht, dass in der Bundesrepublik einmal für die Demokratie auf die Straße gegangen werden muss? Aber der Einsatz für sie lohnt sich – und auch jener für die RHEINPFALZ.
In diesem Sinn: Machen Sie es alle gut und vielleicht auf bald beim nächsten Weinfest, dann aber ohne Block und Stift!